«Du hast nie den Ball und läufst ständig»

Fabian Frei sagt, was den FC Basel in den Achtelfinals der Champions League erwartet.

«Manchester City ist in erster Linie eine Mannschaft, die von Pep Guardiola trainiert wird.» Fabian Frei (hier im Champions-League-Spiel gegen Bayern München im Jahr 2012) hat für den spanischen Trainer viel Lob übrig.

«Manchester City ist in erster Linie eine Mannschaft, die von Pep Guardiola trainiert wird.» Fabian Frei (hier im Champions-League-Spiel gegen Bayern München im Jahr 2012) hat für den spanischen Trainer viel Lob übrig. Bild: Keystone

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Nach dem 2:0 in Thun ist vor dem Auftritt auf der ganz grossen Bühne: Der FC Basel bestreitet bereits morgen gegen Manchester City zu Hause das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League (20.45 Uhr) – und niemand in den rotblauen Reihen weiss besser, was das bedeutet als Fabian Frei. Der Rückkehrer ist der einzige Profi, der bei allen vier bisherigen Basler Achtelfinal-Partien in der Sternenliga auf dem Rasen stand und der mit Mainz nicht nur gegen eine Mannschaft gespielt, sondern auch gewonnen hat, die von Pep Guardiola trainiert wurde.

BaZ: Fabian Frei, Sie sind der einzige aktuelle FCB-Spieler, der bei allen vier Basler Achtelfinal-Auftritten in der Champions League auf dem Platz stand. Was ist Ihre stärkste Erinnerung daran?
Fabian Frei: Das ist keine einzelne Szene. Der erste Gedanke ist simpel: Sowohl 2012 gegen Bayern München als auch 2015 gegen Porto gelang uns das Heimspiel zumindest resultatmässig gut – und war dann der Unterschied beim Rückspiel doch ziemlich gross, gewann der Gegner klar.

Sie sagen, der Heimauftritt war «zumindest resultatmässig gut» …
Ja. Gegen die Bayern war auch unsere Leistung zu Hause beim 1:0 sehr gut. Gegen Porto hingegen waren wir mit einem 1:1 gut bedient – und dafür war das 0:4 dann doch ziemlich krass.

Nicht so krass wie das 0:7 in München.
Nein. Aber das 0:7 in München nervte mich weniger. Das waren die Bayern, eine Mannschaft, die deutlich höher einzustufen war als wir. Gegen Ende der Partie war zumindest mir Wurst, ob es ein 0:5 oder ein 0:7 wird. Porto hingegen war nicht so viel besser als wir. Da wäre etwas dringelegen. Aber wir spielten schlicht nicht gut genug.

Spielt es eine Rolle, ob man in der Gruppenphase oder in der K.o.-Runde auf eine grosse Mannschaft trifft?
Auf jeden Fall. In der Gruppenphase ist es für den FCB auch schwer, gegen einen Grossen etwas zu holen. Aber es ist doch ein bisschen leichter als in den Achtelfinals. Denn die grossen Mannschaften sind in der Gruppenphase einfach darauf bedacht, möglichst rasch ihre Punkte einzufahren. In der K.o.-Phase ist die Ernsthaftigkeit dann nochmals eine andere. Und finden sie den höheren Gang, über den sie logischerweise verfügen.

Wo ist Manchester City anzusiedeln, wenn Sie die Equipe mit den Bayern von 2012 und Porto 2015 vergleichen?
Sieht man, was diese Mannschaft für eine Saison spielt, stufe ich sie höher ein als die Bayern damals. City ist für mich der schwerstmögliche Gegner.

Also liegt für den FCB nichts drin.
Es liegt immer etwas drin. Aber es ist klar, dass wir einen Supertag brauchen. Und in der Regel ist es auch so, dass das allein nicht reicht. Sondern dass ein grosser Gegner auch einen schwierigen Abend einziehen muss.

Aber Engländer liegen dem FCB …
Mag sein. Aber Manchester City ist in erster Linie eine Mannschaft, die von Pep Guardiola trainiert wird. Und ich weiss, was das heisst, zumal ich mit Mainz bereits gegen die Bayern unter Guardiola gespielt habe.

Was heissts?
Als Gegner bedeutet es: Du hast nie den Ball und läufst ständig.

Sie werden gar nie den Ball haben?
Doch, schon. Aber halt extrem wenig. Und das Problem ist: Weil du ständig dem Gegner und dem Ball hinterherrennst, ist es enorm schwer, in den raren Momenten des Ballbesitzes noch die Kraft zu haben, um etwas zu konstruieren. Zumal Guardiola nicht nur auf Ballbesitz, sondern auch auf sofortiges Gegenpressing aus ist. Das bedeutet, dass du kaum Zeit erhältst. Du musst schnell schalten.

Schnell umschalten – also das, was ja Raphael Wickys Fussball auszeichnet.
Ja. Wobei das heute bei den meisten Teams von hoher Bedeutung ist. Ich kenne ja unsere Taktik gegen City noch nicht. Aber ich denke schon, dass wir den Ball sofort in die Tiefe spielen werden, um unsere schnellen Angreifer zu lancieren.

Ist der Guardiola-Fussball einzigartig?
Ich finde schon. Ich habe bis heute keine andere Mannschaft gesehen, die das so konsequent und perfekt praktiziert wie es seine Equipen tun. Barcelona nach Guardiola ist noch immer ein Ballbesitz-Team. Aber es hat den Stil verändert.

Wie schwierig ist der Fussball, den Pep Guardiola praktizieren lässt?
Wenn man man damit Titel gewinnt, dann ist es hohe Kunst. Es geht dabei nicht nur um die hohe Qualität, welche die Einzelspieler haben müssen. Sondern auch um die Schwierigkeit, derart starke Einzelspieler zu einem Kollektiv zu formen. Der Ballbesitz-Fussball funktioniert nur, wenn alle konsequent gegenpressen. Wenn das ein Lionel Messi bei Barcelona vielleicht etwas weniger tat, gings gerade noch. Aber zwei, drei Stars, die nur ab und zu gegenpressen, erträgt es nicht. Manchester City ist ein schönes Beispiel: Natürlich spielen dort nur Top-Leute. Aber ich würde von keinem sagen, er sei auf seiner Position der Beste der Welt. City ist so stark, weil sich alle dem Kollektiv unterordnen.

Wie schlägt man ein Guardiola-Team?
In erster Linie, indem man der Offensive standhält. Und dann muss man die wenigen Chancen nutzen.

Sie haben das mit Mainz 2016 einmal geschafft und Guardiolas Bayern mit 2:1 bezwungen. Was geschah da?
Wir kamen zweimal vors Tor. Und die Bayern vermochten aus all ihren gefährlichen Szenen und Chancen zu wenig Kapital zu schlagen.

Was wird Sie als zentralen Mittelfeldspieler gegen City erwarten?
Ich werde immer wieder in der Mitte die Räume eng machen – aber auch immer wieder nach aussen gehen, um auf den Seiten mitzuhelfen, die gegnerischen Angreifer zu doppeln. Eine Guardiola-Mannschaft sucht meist über die Flügel den Weg zum Tor. Dort spielen kleine, schnelle, dribbelstarke Akteure, die extrem oft das Eins-gegen-eins suchen.

Was wäre für den FCB ein gutes Resultat im Heimspiel?
Spielen wir zu null, ist das sicher gut. Und dass du ein Tor schiesst, kann immer passieren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 13:49 Uhr

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