Ein Trainer auf Bewährung

Zum Auftakt in die Rückrunde dreht sich vieles um die Situation von FCB-Coach Urs Fischer. Für Fischer ist die öffentliche Unklarheit ein klares Signal.

Ein klares Signal. Der Vertrag von Urs Fischer läuft – Stand heute – am Ende der Saison aus.

Ein klares Signal. Der Vertrag von Urs Fischer läuft – Stand heute – am Ende der Saison aus. Bild: Keystone

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Beim FC Basel beginnt eine jede Rückrunde mit der lieb gewonnenen Tradition, dass sich der Trainer und die Verantwortlichen des Clubs mit der Presse treffen, um die drängendsten Fragen im Vorfeld des ersten Spiels im neuen Kalenderjahr zu klären. In den letzten Jahren ging es meist um die Ziele im europäischen Wettbewerb, neu verpflichtete Spieler oder überraschende Abgänge – was in diesem Jahr jedoch alles ziemlich überflüssig war.

Die Ziele der Basler sind mit dem Gewinn des Meistertitels sowie des Schweizer Cups längst abgesteckt. Beim Thema europäischer Fussball muss man sich bis zur kommenden Saison gedulden. Und mit den beiden Abgängen von Birkir Bjarnason und Jean-Paul Boëtius war es in Sachen Transfers so ruhig wie schon lange nicht mehr beim Schweizer Serienmeister.

Was gestern hingegen sehr wohl interessierte, das war die Situation rund um Cheftrainer Urs Fischer. Es dauerte genau vier Minuten, bis die Frage gestellt wurde, mit der ohnehin alle gerechnet hatten. «Hat sich der im Sommer 2017 auslaufende Vertrag von Urs Fischer inzwischen um eine weitere Saison verlängert? Ist die Option in seinem Vertrag gezogen worden?» Sowohl Urs Fischer als auch FCB-Sportdirektor Georg Heitz beriefen sich auf die bereits im Dezember getätigte Aussage: «Wir kommunizieren dann, wenn es etwas zu kommunizieren gibt.»

Und so startet der FC Basel heute gegen Lugano zum ersten Mal in der Heusler-Heitz-Ära in eine Rückrunde, an deren Ende – Stand heute – der Vertrag des Cheftrainers ausläuft.

Der veränderte Trainer

Die Vehemenz, mit der sich sowohl Fischer als auch die Verantwortlichen vor einer Antwort (oder nur schon einem Zwischenstand) scheuen, zeigt, dass zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht geklärt ist, wie und mit welchem Trainer es für den FC Basel im nächsten Sommer weitergeht.

Dabei ist es egal, ob die Option im Hintergrund längst gezogen ist und man dies nicht öffentlich bestätigen will. Ob man sich geeinigt hat, auf das Inkrafttreten der Option zu verzichten, wie hier und dort zu hören ist. Oder ob man – wie bei Murat Yakin – den Vertrag auf andere Weise «angepasst» hat.

Für Urs Fischer ist die öffentliche Unklarheit ein klares Signal: Wir wissen noch nicht, wie es im Sommer weitergehen wird! Kein Trainer kann diesen Umstand als Vertrauens­votum in seine Position verstehen. Aber womöglich als Ansporn, Dinge zu ändern.

Das Ausmass der Diskussion hat Fischer längst erreicht. Lange Zeit hat der Trainer behauptet, er würde nicht lesen, was wer wo über ihn schreibe, die Spekulationen würden ihn nicht belasten. «Das gehört zum Geschäft.» Doch wer den 50-Jährigen gegen Ende der Hinrunde oder auch zuletzt im Trainingslager in Spanien erlebt hat, der hat einen zusehends distanzierten und zurückgezogenen Urs Fischer wahrgenommen. Das empfanden nicht nur die Journalisten so, bei denen nach der Hinrunde eine gewisse Distanz des Trainers noch nachzuvollziehen wäre. Sondern auch Fans, Sponsoren und Club­mitarbeiter erlebten in Spanien einen veränderten Cheftrainer.

Es ist zu hören, dass Fischer nach der medialen Kritik vermehrt Falltüren und Verschwörungen wittere, Kritik oftmals als persönlichen Angriff interpretiere. Gleichzeitig wirkt er in vielem wie ein Trainer, der nichts mehr zu verlieren hat. Entweder, weil er weiss, dass sich seine Zeit dem Ende zuneigt. Oder – und das ist ebenso gut möglich –, weil er alle Nebengeräusche ausblenden will, um seine Kritiker Lügen zu strafen.

Die heftige Berichterstattung

«Ich habe die Berichterstattung nie in einer solchen Heftigkeit erlebt», sag­te Fischer an diesem Donnerstag in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Er erwähnte, dass er Probleme damit habe, von Journalisten in der Zeitung «fertiggemacht» zu werden, obwohl sich die Kritik in der Hinrunde zwar stark auf Fischer konzentrierte, dies aber niemals in einem Mass, das in der jüngeren rotblauen Geschichte unerreicht wäre. Es ist nichts Neues, dass beim FCB jeder Schritt verfolgt, hingeschaut und taktische Entscheidungen hinterfragt werden – auch wenn der Club mit zwölf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze steht.

Fischer sagt: «Mühe habe ich, wenn dann auch die Meisterschaft schlechtgeredet wird.» Statistisch ist das ja auch sehr schwer möglich. In der Super Lea­gue hat der Club im Jahr 2016 schliesslich nur drei Spiele verloren, davon war einzig jenes gegen Bern Anfang Dezember von realer Bedeutung im Kampf um den Titel. Die Basler haben in der Hinrunde 49 Tore geschossen, nur 15 Gegen­tore erhalten; Bestwerte. Und Fischer hat es sogar geschafft, dem Club die chronischen Fehlstarts auszutreiben, indem er sich im Sommer schnell auf seine Mannschaft festlegte und die Spieler selbst gegen Teams wie Vaduz so einstellte, als ginge es um die Champions League.

Allerdings erweckte er bis heute nicht den Eindruck, als habe er verinnerlicht, dass die Aufgaben eines Basler Trainers vielfältiger sind. In der Hinrunde hat er es nicht verstanden, Spieler abseits seiner Stützen zu entwickeln und Alternativen aufzubauen, die dem Team auf internationalem Parkett oder im Herbst hätten helfen können. Er hat nicht verstanden, dass man selbst beim FCB eine Partie verlieren darf, solange die Zuschauer Emotionen geboten bekommen und der Titel und damit das internationale Geschäft nicht in Gefahr geraten. Und er hat im Herbst nicht den Mut bewiesen, den es auch – oder gerade? – beim FCB braucht. Fischer sieht das zwar anders. Doch wundert dies nicht, wenn man hört, er habe es bereits als risikofreudige Massnahme verkauft, den über Wochen formschwachen Bjarnason mal draussen zu lassen.

Sogar von vereinzelten Spielern war hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass mit dieser Mannschaft und dieser Ansammlung an Talent mehr möglich sein müsse als die im Herbst nüchtern erspielten Siege in der Liga, zwei Punkte in der Champions League gegen Rasgrad und einem Fünfer­ketten-­Experiment gegen Arsenal.

Die kleinen Momentaufnahmen

Der Verwaltungsrat sagt, dass Fischer das Kader gut moderiere, sich kein Spieler bei ihm beschwert habe, wie das in der Vergangenheit auch schon der Fall war. Das ist sicher so, weil Fischer offen und ehrlich mit seinen Akteuren umgeht. Aber die Signale, dass sich etwas ändern muss, liefern genügend andere Aspekte:

In den letzten Heimspielen der Hin­runde blieben im St.-Jakob-Park derart viele Plätze frei, dass dies nicht alleine durch tiefe Temperaturen oder späte Anspielzeiten zu begründen ist.

Mit Bjarnason und Boëtius gab der FCB in diesem Winter zwei Spieler ab, dies aber nicht etwa, weil sie sich mit Leistungen bei höher einzustufenden Clubs aufgedrängt hätten und für eine hohe Ablöse gingen, wie das nach erfolgreicheren Halbjahren der Fall war.

Und an der Award Night in Luzern gewann der FCB in keiner der grossen Kategorien – von den vier Baslern, die es ins Dream Team schafften, waren mit Tomas Vaclik, Marek Suchy und Michael Lang ausgerechnet drei Spieler vertreten, deren Hauptaufgabe darin besteht, Tore zu verhindern. Einzig Matias Delgado verkörpert das, was zuletzt oft fehlte: Spielfreude.

Es ist klar, dass es sich bei allen aufgeführten Punkten um Momentaufnahmen, Nebensächlich- und Kleinig­keiten handelt, die die erfolgreiche Maschinerie des FC Basel nicht unmittelbar in Gefahr bringen. Aber es ist bekannt, dass die Basler auch deshalb über einen langen Zeitraum so erfolgreich sind, weil die Verantwortlichen ein feines Gespür für diese subtilen Details haben, Entwicklungen früh erkennen und nicht erst handeln, wenn es zu spät ist.

Deswegen werden sie unverändert genau hinsehen, in welche Richtung sich das Team und sein Spiel entwickeln. Aber auch, wie die Resonanz darauf ausfällt. Geht es im Stil des letzten Halbjahres weiter, dann muss man davon ausgehen, dass es auf der Position des Trainers im Sommer zu Ver­änderungen kommt, weil dann Unterhaltung sowie Kaderentwicklung nicht den Basler Ansprüchen genügen.

Die aktuelle Zurückhaltung der Verantwortlichen zeigt aber auch, dass der Entscheid über die Zukunft von Urs Fischer noch nicht gefällt ist, anders als vor drei Jahren bei Murat Yakin.

Er hat ab heute eine Rückrunde lang Zeit, um zu zeigen, dass er die ­Signale verstanden und seine Lehren ­gezogen hat. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.02.2017, 08:20 Uhr

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