Eine Frage des Vertrauens

Die FCB-Mitglieder stimmen dem Verkauf der Holding-Aktien an Bernhard Burgener zu.

Für immer rot-blau. Der designierte FCB-Präsident Bernhard Burgener stellt den Mitgliedern in der Basler St. Jakobshalle seine Ideen vor.

Für immer rot-blau. Der designierte FCB-Präsident Bernhard Burgener stellt den Mitgliedern in der Basler St. Jakobshalle seine Ideen vor. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Wenn man den Abend erzählen will wie ein Fussballspiel, und das muss bei einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung des FC Basel ja ausnahmsweise erlaubt sein, dann war es ein langes Aufwärmen, eine intensive erste Halbzeit, eine interessante zweite und am Ende ein deutliches Ergebnis.

Also so, wie man den FCB gerne an jedem Wochenende sehen würde. Aber wie auf dem Rasen interessierte gestern am Ende ebenfalls nur das Resultat.

Um kurz vor 21 Uhr – um 20.53 Uhr, wenn man genau sein will – stand fest, wie die Zukunft des FC Basel aussieht. Nämlich so, wie man das im Vorfeld erwartet hatte: 83 Prozent der 2389 anwesenden Mitglieder sprachen sich dafür aus, dass Bernhard Burgener das Aktienpaket des aktuellen Verwaltungsrats von 90,6 Prozent und damit die FC Basel 1893 Holding AG erwerben darf. Zu welchem Preis, wurde nicht offiziell.

Burgener wird an der Generalversammlung am 9. Juni zum Nachfolger von Bernhard Heusler ernannt werden und mit der Unterstützung von Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni den Verein führen, die alle sowohl in der Technik-Kommission als auch im AG-Verwaltungsrat vertreten sind.

Eigene Leute

Als Bernhard Heusler die Mitglieder anderthalb Stunden zuvor empfing und noch nicht klar war, wie dieser Abend enden würde, da war die grosse Bühne in der noch grösseren St. Jakobshalle fast leer. Nur Georg Heitz und Adrian Knup hatten ihre Plätze eingenommen. Die ersten Momente sollten der Gegenwart gehören, die ja bekanntlich immer recht schnell zur Vergangenheit wird.

Heusler blickte zurück auf seine Zeit beim FCB. Angefangen bei der Gründung der Holding AG, über den 13. Mai 2006, den Basler Weg, die Trennung von Trainer Christian Gross, die Last des strukturellen Defizits, die konsequente Durchsetzung der eigenen Philosophie bis hin zur Wiederbelebung der Mitgliedschaft sowie den jüngsten Erfolgen des Vereins in der Schweiz und Europa.

Eine Erfolgsgeschichte im Schnelldurchlauf. Und gleichzeitig die klare Botschaft an die Mitglieder, über welch wertvolle Institution an diesem Abend abgestimmt werden sollte. «Wir haben uns entschieden, mit eigenen Leuten in die Zukunft zu gehen und darum sind wir auch auf Marco Streller zugegangen», sagte Heusler, «ich bin davon überzeugt, dass der Wechsel von Personen diesen Club nicht umwerfen kann.»

Basler Komponente

Als Burgener im Anschluss sich und sein Konzept präsentierte, da hatte er die deutlich schwierigere Aufgabe als sein Vorredner. Er, der sich so gerne im Hintergrund aufhält, musste für einige Minuten alleine im gleissenden Scheinwerferlicht stehen und sich erklären. Seine Herkunft. Seine Marken. Seine Visionen. Seine Ideen. «Wenn Sie das Konzept nicht überzeugt, dann bin ich ganz sicher der Letzte, der mit aller Gewalt etwas durchsetzen will», sagte Burgener an einer Stelle. Aber wer hatte schon mit einer Ablehnung gerechnet?

Er und später Marco Streller präsentierten die Strategie «Für immer rot-blau», mit der der Club in die Zukunft geht, die sich aber nicht grundlegend von der aktuellen Ausrichtung unterscheidet (siehe unten). Wichtiger bei der Zusammenstellung der ersten Mannschaft soll die Komponente «Lokalkolorit» werden. Sechs bis acht «FCB-Spieler» bei den Profis sind der Plan – und auch mehr eigene Junioren in den hinteren Reihen des Teams. «Wir wollen die Philosophie der aktuellen Führung in unserem besten Gewissen fortsetzen und wieder ein Feuer entfachen», sagte Streller.

Künftiger Geschäftsführer

Es wird aber auch Dinge geben, die sich unter Burgener ändern. So zeichnete sich während der Präsentation ab, dass der 59-Jährige beim FCB zwar zunächst das Tagesgeschäft führen will, sich aber nach einem Geschäftsführer umsieht. «Ich werde die Personen suchen, die am besten geeignet sind», sagte er – aber nicht, wer dieser Geschäftsführer sein könnte. Er will Dividenden an die Holding und den Stammverein auszahlen, wenn der Club auch in Zukunft Gewinn schreibt. Und auch die Verwaltungsräte von Holding und FC Basel 1893 AG werden unterschiedlich besetzt. «Wenn die Mitglieder unserem Konzept vertrauen, dann erwarten wir im Gegenzug auch das Vertrauen von ihnen», sagte Burgener, gefragt nach dem möglichen CEO oder der Ausschüttung der Dividenden.

Fragen aus dem Plenum gab es im Anschluss, damit hatte man rechnen dürfen. Grundsätzliche Kritik am Konzept war aber nicht darunter, sodass das Ergebnis erwartungsgemäss deutlich ausfiel: 1986 der 2389 anwesenden Mitglieder stimmten dem Verkauf zu.

Und trotzdem stand am Ende nochmal der Fussball im Fokus. «Ich wünsche mir, dass möglichst viele von Ihnen gegen YB und zum Cupfinal gegen Sion kommen», mahnte Heusler. Denn egal, wie der Präsident des FCB heissen mag – die grössten Emotionen weckt der Club immer noch auf dem Rasen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.04.2017, 07:56 Uhr

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Bernhard Burgeners wichtigste Ideen

  • Mehr Basler Spieler

    Die neue Führung will wieder mehr Basler Spieler in der Profimannschaft sehen, auch indem stärker auf die eigene Nachwuchsabteilung gesetzt wird. Mittelfristig (2017 bis 2020) sollen sechs bis acht Basler auf dem Rasen stehen.


  • Zusammenarbeit mit Top-Clubs

    Burgener strebt eine Zusammen- arbeit mit drei bis vier internationalen Top-Clubs an. Es geht ihm dabei primär um den Nachwuchs.


  • Technische Kommission

    Die künftige technische Kommission wird neben Burgener von Marco Streller (Sportchef), Massimo Ceccaroni (Nachwuchsförderung), Alex Frei (Strategie), Ruedi Zbinden (Chef-scout) und Roland Heri (Administra- tiver Koordinator) gebildet.


  • CEO fürs Tagesgeschäft

    Bernhard Burgener wird zunächst das Tagesgeschäft führen. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er dies nur als Übergang sieht. Er will möglichst rasch einen CEO einstellen.


  • Getrennte Verwaltungsräte

    Die Verwaltungsräte von Holding und FC Basel 1893 AG werden nicht wie bisher identisch besetzt sein. Burgener sitzt als einziger in beiden Gremien. Wer überdies in der Holding Einsitz nimmt, ist offen. In der AG sind bisher Streller, Ceccaroni und Frei sowie Martin Blaser als Vertreter des Marketings bekannt. Hinzu wird der CEO stossen, sobald engagiert.


  • Die aktuellen Mittel bleiben

    Der FCB ist bekanntlich gesund und verfügt innerhalb des Gesamtkonstrukts über flüssige Mittel in der Höhe von rund 60 Millionen Franken. Diese Grösse soll auch in Zukunft beibehalten werden – auch, wenn es um die 20 Millionen Franken geht, die davon in der Holding schlummern.


  • Auszahlung von Dividenden

    Solange diese Mittel aufgrund des Geschäftsergebnisses Bestand haben und die FC Basel 1893 AG Gewinn macht, will Burgener allerdings Dividenden auszahlen – und zwar in der Höhe von bis zu 50 Prozent des Gewinns. Dieser fliesst dann zu 75 Prozent in die Holding, zu 25 Prozent an den Verein.


  • 11 Millionen Gewinn

    Burgener verfolgt vorerst einen Businessplan über drei Jahre. Das Budget für 2017 sieht bei Ausgaben von 78 Millionen Franken vor – und Einnahmen von 89 Millionen Franken. Dabei sind nicht nur Champions-League-Einnahmen budgetiert, sondern auch Transfereinnahmen in der Höhe von 22 Millionen Franken.


  • Konsultation angestrebt

    Der Aktionärsbindungsvertrag bleibt bestehen. Burgener gibt zudem mündlich an, dass er bei einem Weiterverkauf seiner Holding-Aktien eine Konsultation der Mitglieder ins Auge fasst.

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