Gute Gründe für die latente Unruhe beim FCB

Der Erfolg stimmt, doch wenn es um FCB-Trainer Murat Yakin geht, zählt nicht nur das Resultat. Sechs Antworten darauf, wieso um Yakin keine Ruhe einkehrt.

Unter Beobachtung: Die Ergebnisse stimmen, der sportliche Erfolg ist da – trotzdem muss FCB-Trainer Murat Yakin weiter dazulernen.

Unter Beobachtung: Die Ergebnisse stimmen, der sportliche Erfolg ist da – trotzdem muss FCB-Trainer Murat Yakin weiter dazulernen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf den ersten Blick mag man sich wundern: Der FC Basel greift in der Champions League nach den Sternen und ist national im Soll – trotzdem reisst die Unruhe nicht ab, vermeidet es die FCB-Chef­etage weiterhin, sich bei öffentlichen Äusserungen hinter Cheftrainer Murat Yakin zu stellen.

Bei genauerer Betrachtung gibt es allerdings gute Gründe für dieses Verhalten. Die BaZ erklärt die Situation rund um Murat Yakin, indem sie Antworten auf sechs zentrale Fragen liefert.

Warum stärkt die Clubspitze dem Trainer nicht den Rücken?
Die Antwort ist einfach: Weil das Trainer-Gesamtpaket Murat Yakin den Präsidenten Bernhard Heusler und den Sportdirektor Georg Heitz trotz aller Erfolge nicht überzeugt. Es geht dabei wenig um das Vollbrachte, dafür sehr um die Frage, ob eine gemeinsame Zukunft auf allen Ebenen die gewünschten Früchte tragen wird. Der Horizont der FCB-Führung endet nicht beim nächsten Spiel und nicht an der Seitenlinie.Und die Gedanken fussen nicht auf ein, zwei Trainingsbesuchen im Herbst, sondern sind das Ergebnis gesammelter Eindrücke über mehrere Monate.

Das war schon bei Yakins Vorgänger Heiko Vogel so – und auch die aktuelle Tonalität ist auf die Erfahrung zurückzuführen, welche die FCB-Verantwortlichen im Herbst 2012 rund um die Freistellung des Deutschen machten. Damals erwies es sich als Bumerang, dass sie die Situation bis zur Entlassung beschönigten und prasselte in der Folge vor allem auf Heusler viel Kritik ein. Die aktuelle Zurückhaltung mag mediale Polemik schüren und kann Yakins freiwilligen Abgang provozieren. Vor allem aber hält sie die Situation nach allen Seiten offen, zumal vom Duo Heusler/Heitz mit Sicherheit keine klare, öffentliche Kritik an Yakin zu hören sein wird, solange dieser beim FCB angestellt ist.

Welches sind die wichtigsten Kritikpunkte an Yakins Arbeit?
Als Präsident Bernhard Heusler nach der Entlassung Heiko Vogels sagte, er wünsche sich einen FCB-Trainer, der in der Freien Strasse einkaufe, meinte er damit: Der Trainer des FCB soll sich mit dem Club und dessen Philosophie identifizieren. Yakin aber geht seinen eigenen Weg. Während den spielfreien Phasen ist er kaum in Basel anzutreffen und zeigt neben den Trainingseinheiten wenig Präsenz. Er tauscht sich zum Beispiel wenig mit den Nachwuchstrainern aus, wenn es um Spieler oder eine einheitliche Ausrichtung geht.

So ist nicht abzusehen, welche nachhaltigen Perspektiven sein Fussball bieten kann – zumal Yakin auf die Frage nach seiner langfristigen Vorstellung des FCB-Spiels keine Antwort zu haben scheint, sondern auf die Gegenwart fokussiert ist und auf die taktische Flexibilität des einzelnen Spielers vertraut.

Hinzu kommt, dass Yakins Stil der Mannschaftsführung nicht von Vertrauen geprägt ist. Er nimmt keine Spieler in den Arm und redet sie stark, sondern sieht im Konkurrenzdruck das Mittel zur Leistungssteigerung. Das schafft Distanz, führt ab und an zu Konfrontation und erhöht nicht die Freude am Berufsalltag. In Kombination mit einer auf Sicherheit und Stabilität bedachten Taktik spiegelt sich all das in vielen Spielen: Das Team siegt zwar oft, die ganz grosse Leidenschaft flammt aber selten auf. Ein Problem? In Thun nicht – in ­Basel aber, wo das Meisterschaftsheimspiel ein Event ist, bei dem 30 000 Menschen unterhalten werden wollen, stellt sich für viele nicht nur die Frage, was am Ende auf der Anzeigetafel steht.

Schliesslich ist da die Kommunikation: Yakin tut sich zuweilen schwer damit, seine Gedanken zu vermitteln. Intern spielt das eine Rolle, wenn die Spieler nicht verstehen, was der Trainer von ihnen will. Extern stellt sich die Frage der Aussenwirkung – kein unwichtiger Punkt bei einem Club wie dem FCB.

Wann begannen die Irritationen?
Der Trainer steht schon lange unter erhöhter, interner Beobachtung. Bereits in der Winterpause 2012 trat vieles zutage, was jetzt diskutiert wird. Yakins Versuch, in der Abwehr die Dreierkette einzustudieren, war nicht per se unangebracht – schwer nachvollziehbar war jedoch, dass er erst damit begann, als zwei Drittel der Testspiele vorbei waren. Parallel dazu erwies sich Yakins Führungsstil erstmals als Problem: Ungewöhnlich viele Spieler waren unzufrieden.

Die Situation entspannte sich mit dem erfolgreichen Rückrunden-Start gegen Sion (3:0) – nachdem die Führungsspieler Yakin von einer einstweiligen Abkehr von der Dreierkette überzeugt hatten, eine Aussprache stattgefunden und der Trainer das Team zum Mittagessen eingeladen hatte.

Danach folgte eine äusserst erfolgreiche Phase, die bis zum Europa-League-Viertelfinal-Triumph über Tottenham vieles überdeckte. Spürbar wurde dies erst wieder im Meisterschafts-Endspurt, als das Team sich in der Super League ins Ziel rettete. Der Fussball überzeugte wenig, der Konflikt mit den Degen-Zwillingen, die als Mit-Anführer und Identifikationsfiguren geholt wurden, schwelte bereits. Am Tag nach der Meisterfeier sagte ein in Anbetracht des Erfolgs eher verhaltener Bernhard Heusler: «Es ist nicht alles Gold, was glänzt.» Der Satz gilt bis heute.

Wie lässt sich trotz dieser Defizite der sportliche Erfolg erklären?
Auch mit Murat Yakins taktischen Entscheidungen – aber nicht weniger mit der Qualität seiner Mannschaft. Diese verfügt nicht nur über herausragende Einzelspieler, sondern ist bei allen Mutationen gesund weitergewachsen. Da stimmt das Mass an Erfahrung und da passt die Hier­archie. An deren Spitze steht eine Gruppe von intelligenten Führungsspielern, die taktische Dispositionen an Teamkollegen weitervermitteln oder im Spiel auch mal eigenständig Anpassungen vornehmen.

Verbundenheit zum Club mag den einen Motivation sein – mit Sicherheit für jeden ein Antrieb ist aber das Eigeninteresse. Jeder will in der Champions League brillieren und das Interesse von grösseren Clubs wecken. Und damit dies auch im nächsten Jahr wieder möglich ist, müssen nebenbei die nationalen Hausaufgaben erledigt werden.

Was spricht für Murat Yakin?
Der sportliche Erfolg. Yakin ist in die Halbfinals der Europa League vorgestossen, Meister geworden und scheiterte erst im Final des Schweizer Cups. In dieser Saison steht er wieder an der Ligaspitze, hat dank den zwei Siegen über Chelsea die Chance, die Champions-League-­Achtelfinals zu erreichen, und ist noch im Cup vertreten. Zudem haben sich Spieler wie Voser, Xhaka, Frei oder Schär zu Stamm-, manche zu Nationalspielern entwickelt.

Hinzu kommt das Alter: Yakin ist 39 und damit ein Trainer, der zu jung ist, um nicht mehr dazuzulernen. Anzeichen, dass Yakin sich selber korrigieren kann, gab es bereits. Etwa, als er nach dem Experiment der Dreier-Abwehr zur Viererkette zurückkehrte. Oder nach dem 1:1 bei Steaua Bukarest, als Yakin ein offenes Ohr für seine Führungsspieler hatte, während die Querelen langsam an die Oberfläche drängten. Es zeigt, dass er sich Änderungen nicht durchwegs verschliesst, die seine Zukunft beeinflussen könnten.

Wie könnte es jetzt weitergehen?
Die Verantwortlichen des Clubs und Yakin werden sich in der Winterpause zusammensetzen, um ihre Absichten und Standpunkte abzugleichen. Um den Vertrag des Trainers wird es in den Gesprächen allerdings nicht gehen, denn dieser ist bis 2015 fixiert. Sollte der FCB allerdings nicht Meister werden, bietet sich beiden Seiten im Juni die Gelegenheit, aus dem Kontrakt auszusteigen. Eile herrscht für den Club also keine und auch Yakin kann die Ruhe des Unterbruchs nutzen, um an der Mannschaft und sich zu arbeiten.

Allerdings existieren auch negativere Szenarien. So ist denkbar, dass sich Yakin zu wenig unterstützt fühlt und bei einem passenden Angebot im Winter auf einen Abgang drängt. Und dann sind da ja auch noch ein paar wichtige Partien bis zur Pause: Sollten die Resultate erstmals unter Yakins Führung richtig enttäuschen, dann wird sich die Frage nach einer Ablösung des Trainers stellen. Zumal da und dort zu hören ist, dass Thorsten Fink einer Rückkehr nicht abgeneigt sei. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.12.2013, 09:51 Uhr

Umfrage

Trotz anhaltendem Erfolg kehrt keine Ruhe ein um FCB-Trainer Murat Yakin. Ist Yakin der richtige Trainer für den FC Basel?

Ja

 
67.7%

Nein

 
32.3%

1386 Stimmen


Artikel zum Thema

Murat Yakins erste Pleite

Trotz der versöhnlich raschen Lösung des Problems Raul Bobadilla ist der Schaden für den FC Basel und seinen Trainer gross. Ein Kommentar. Mehr...

Der FC Basel an der Kreuzung

Am Mittwoch wird sich wohl entscheiden, wohin die Reise des FCB in der Champions League geht – und vielleicht noch mehr. Murat Yakins Konzept steht und fällt mit dem Erfolg. Mehr...

«Ich habe kein Problem mit Marco Streller»

Der vermeintliche Knatsch mit seinem Captain sei aus einem Missverständnis entstanden, sagt FCB-Trainer Murat Yakin. Aus dem Spiel gegen Steaua Bukarest gelte es, die Lehren zu ziehen. Mehr...

Dossiers

Paid Post

Ganz einfach fit für Onlinebanking

Mit E-Finance haben Sie jederzeit und überall Zugang zu Kontobewegungen und allen weiteren Onlinebanking-Funktionen.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Fitness hat kein Alter
Mamablog Wann Verhütung klar Männersache ist
Sweet Home Ab ins Einzelbett

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Tischlein deck dich: Ultra-orthodoxe Juden der Nadvorna-Dynastie begehen in Bnei Brak, Israel, das Neujahrsfest der Bäume. (21. Januar 2019)
(Bild: Oded Balilty/AP) Mehr...