«Im Fussball kann es nie zu schnell gehen»

Nach dem Abgang von Tomas Vaclik dürfte Jonas Omlin die neue Nummer 1 im Tor des FC Basel sein.

Hier kämpfte Jonas Omlin (24) als Goalie noch gegen den FCB, nun ist der neue Torhüter des FC Basel.

Hier kämpfte Jonas Omlin (24) als Goalie noch gegen den FCB, nun ist der neue Torhüter des FC Basel. Bild: Keystone

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Inzwischen ist offiziell, wovon klar war, dass es offiziell werden würde: Zum einen startet der Schwede Alexander Fransson bei seinem Heimatclub IFK Norrköping für eine finanzielle Gegenleistung von rund einer Million Franken neu. Zum wichtigeren anderen verlässt auch Tomas Vaclik den FC Basel und schliesst sich für drei Jahre dem FC Sevilla an – umgekehrt kassiert Rotblau eine Ablöse, die gegen acht Millionen Franken betragen wird.

Für den Goalie erfüllt sich ein Karrieretraum, und für den FCB tut sich eine Lücke auf. So sehen das viele. Die Verantwortlichen beim FCB sehen dies womöglich anders. Und vor allem sieht das Jonas Omlin anders. Der 24-jährige Luzerner wurde im Juni verpflichtet, um diese Lücke zu füllen, falls sie sich auftut. Und bereitet sich nun darauf vor, die Saison als mögliche neue Nummer 1 in Angriff zu nehmen.

BaZ: Jonas Omlin, wenn der FC Basel am 21. Juli die Meisterschaft in Angriff nimmt und Sie im St.-Jakob-Park zwischen den Pfosten der Rotblauen stehen, geht dann ein Traum in Erfüllung?
Jonas Omlin: Wir haben intern die Torhüter-Hierarchie noch nicht festgelegt, und das Transferfenster ist offen. Aber wenn es dann tatsächlich so kommt, dann wäre das schon ein spezieller Moment für mich.

Einer, der schneller käme als erwartet.
Ja, klar. Davon konnte ich bei meiner Verpflichtung nicht ausgehen. Zwar wurde offen über alles gesprochen, doch die Annahme war, dass wir mit Vaclik in die Saison gehen.

Warum sind Sie trotzdem zum FCB gekommen? Wäre es – als vormalige Nummer 1 in Luzern – nicht ein verlorenes Jahr als Nummer 2 in Basel?
Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich diesen Entscheid einfach so (schnippt mit den Fingern) gefällt hätte. Natürlich habe ich mir das vor meinem Wechsel gut überlegt. Aber in den Gesprächen wurden mir Perspektiven aufgezeigt, wenn es um die Nummer 1 der Zukunft ging. Und ich kam zum Schluss, dass ich auch von den FCB-Trainings profitieren würde, von Vacliks Erfahrung, von der Qualität der Feldspieler, die da sind.

Schiessen die besser als die Luzerner?
Das zum Teil vielleicht auch. Aber vor allem ist das Tempo auch in den Trainings höher und beim FCB ist mehr Erfahrung vorhanden. Da haben ja die meisten schon Champions League gespielt oder bei der jeweiligen Nationalmannschaft.

Die Erwartung war, dass Sie Zeit haben, sich beim FCB einzuleben, bevor Sie zur Nummer 1 werden. Nun dürfte dies wegfallen. Kommt vielleicht alles zu schnell?
Nein. Im Fussball kann es nie zu schnell gehen. Jeder will spielen – und wer darauf warten muss, dem geht es immer zu lange. Ich bin bereit, weiss um meine Qualitäten. Und letztlich spielt es für mich in meiner Einstellung und meiner Arbeit keine Rolle: Ich mache meinen Job und versuche mich aufzudrängen.

Reicht die Zeit, um sich an die Spielweise Ihrer Verteidiger zu gewöhnen?
Ich denke, das reicht. Ich war ja vom ersten Tag an in der Saisonvorbereitung dabei. Da kannst du die Spieler täglich beobachten. Und wir haben ja auch noch einige Testspiele.

Müssen Sie ein anderer Goalie werden?
Wie meinen Sie das?

Beim FC Luzern dürften Sie einige Partien gehabt haben, bei denen Sie nicht eben wenige Schüsse und Strafraumszenen bewältigen mussten. Gerade in der Liga, wo der FCB meist dominiert, dürfte das anders werden und müssen Sie die Konzentration hochhalten, um für eine, zwei Paraden bereit zu sein …
Das ist schon ein Unterschied. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen ein anderer Torhüter werden muss. Vielleicht muss ich erst ein, zwei Spiele erleben, um mich daran zu gewöhnen. Aber am Ende geht es immer darum, dass ich die Bälle halte. Deshalb trage ich Handschuhe.

Wie begegnen Sie jenen, die behaupten, Sie seien noch zu wenig erfahren, um beim FCB die Nummer 1 zu sein?
Ich habe diese Stimmen noch nicht vernommen. Ich habe mich in Luzern bewiesen, und die Basler Verantwortlichen wissen, warum sie mich geholt haben. Aber ich denke, kritische Stimmen gibt es immer. Und nur durch Leistung verstummen diese.

Können Sie sich an Ihr allererstes Super-League-Spiel erinnern?
Klar. Mit Luzern zu Hause gegen den FC Basel. Und ich weiss schon, worauf Sie hinaus wollen …

Sie kassierten ein sogenanntes faules Ei beim Stand von 0:0, am Ende gewann der FCB 4:1. Hätten Sie damals je gedacht, dass Ihr Weg so weit führt?
Nein, dafür war ich noch zu jung. Und wenn du bei deiner ersten Chance so ein Tor erhältst, dann fragst du dich schon, wie es weitergeht. Oder anders gesagt: Wäre ich in jener Partie top gewesen, ich wäre womöglich weiter im Luzerner Tor gestanden. So hingegen musst du dich dagegen wehren, dass du nicht schon das Gefühl hast, dass es das war mit der Super-League-Karriere. Auch wenn du weisst, dass du einen Vertrag hast. Ich brauchte Zeit, um das zu verarbeiten. Und auch Abstand, den ich durch meine Ausleihe zu Le Mont fand. Und als ich zurück kam, stellte ich fest, dass mich das alles weitergebracht hat. So weit eben, wie ich jetzt bin.

Wie weit sind Sie?
So weit, um für die neuen Aufgaben beim FC Basel bereit zu sein. Es ist der nächste Schritt in meiner Karriere, den ich nun tun will. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.07.2018, 08:05 Uhr

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