Innenverteidigung des FC Basel vor dem Umbruch

Murat Yakin hat seine Innenverteidigung gefunden – aber für wie lange? Bereits in der Winterpause könnten die Karten im FCB-Abwehrzentrum neu gemischt werden.

Begehrt und überzählig: Dragovic (links) und Kovac haben beim FCB gegensätzliche Perspektiven.

Begehrt und überzählig: Dragovic (links) und Kovac haben beim FCB gegensätzliche Perspektiven. Bild: Keystone

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Es kann schnell gehen im Fussball. Eigentlich schienen die Positionen in der Innenverteidigung des FC Basel klar bezogen. Der Argentinier Gaston Sauro wurde für geschätzte eineinhalb Millionen Franken von den Boca Juniors ans Rheinknie gelotst und sollte beim 15-maligen Schweizer Meister in die Fussstapfen seines Landsmanns David Abraham treten. Und tatsächlich: Heiko Vogel legte sich nach einigem Ausprobieren auf Sauro als Partner des gesetzten Aleksandar Dragovic fest. Als Backup stand Fabian Schär bereit, während der 19-jährige Arlind Ajeti auf eine Chance warten musste. Radoslav Kovac fiel gar ganz aus den Traktanden. Alles klar. Bis Murat Yakin kam.

Mit dem Trainerwechsel Mitte Oktober wurden die Karten für alle Spieler neu gemischt, insbesondere aber für jene, die das defensive Rückgrat des FCB bilden. Im ersten Spiel unter dem neuen Chef standen dann gleich drei Innenverteidiger auf dem Platz – in der völlig unerwarteten Kombination Ajeti/Kovac/Dragovic. Mittlerweile hat Yakin das Kader gesichtet und jenes Experiment korrigiert. Neuer Fixstarter in der Viererkette ist U21-Nationalspieler Schär der nun neben Dragovic im defensiven Zentrum steht.

«Dragovic ist immer noch da»

Fragt sich, wie lange der österreichische Nationalspieler noch in Basel gehalten werden kann? «Dragovic wurde von den Medien schon oft weggeschrieben. Er ist aber immer noch da», meint Sportdirektor Georg Heitz. Man müsse beim Österreicher wie bei vielen anderen auch mit einem Abgang rechnen – aber nicht unmittelbar: «Wir gehen davon aus, dass er bis im nächsten Sommer bei uns spielt.» Dennoch weiss man auch beim Schweizer Branchenleader, wie der Markt funktioniert. Und angesichts von Dragovics Eskapaden, die er sich dieses Jahr neben dem Spielfeld leistete, würde man ihn wohl auch schon im Winter gehen lassen, wenn der Preis stimmt. Das würde wiederum Bewegung in die Verteidiger-Hierarchie bringen.

Wie dann die Rolle von Gaston Sauro aussehen würde, ist schwer einzuschätzen, denn auf Dragovics Abgang würden die Basler wohl mit der Verpflichtung eines neuen Spielers reagieren. Doch auch wenn der Gaucho zurzeit nicht Yakins erste Wahl ist, hält man beim FCB immer noch grosse Stücke auf ihn. «Dafür, dass er bei den Boca Juniors kein Stammspieler war, hat er bei uns schon viel gespielt. Er wird sich noch steigern», ist Heitz überzeugt.

Vielleicht gäbe es aber auch eine Möglichkeit mit Dragovic, die Sauro in die Startelf zurückbringen würde. Dann nämlich, wenn Yakin in der Winterpause das von ihm bewunderte 3-5-2-System einstudiert. Obwohl dieses in Luzern Schiffbruch erlitt, ist das denkbar. Und zwar deshalb, weil damit das Mittelfeld-Zentrum verstärkt bliebe und gleichzeitig Alex Frei an seinem angestammten Platz im Sturm zurückkehren könnte.

Kovac vor dem Abgang

Es wäre dies auch eine Chance für Arlind Ajeti. Der junge Basler hat sich als Innenverteidiger Nummer vier etabliert. «Er hat mehrmals bewiesen, dass er auf diesem Niveau bestehen kann», lobt Heitz das robuste Eigengewächs. Mit seiner Schnelligkeit hat Ajeti Radoslav Kovac in der internen Hierarchie überholt. Dieser wird den Verein verlassen. «Es ist klar, dass er mit der Situation nicht zufrieden sein kann, und er ist es auch nicht», gibt Heitz zu. Der 32-Jährige sei immer noch zu ehrgeizig, um sich mit der Reservistenrolle zu bescheiden. Deshalb würde sich der FCB nicht wehren, wenn sich schon im Winter ein Abnehmer für den Tschechen finden würde.

Bleibt noch die Frage, wen man holen würde, wenn man tatsächlich Dragovic während der Saison gehen lässt. Da drängt sich doch der Name Beg Ferati auf. Zum beim SC Freiburg unerwünschten Prattler will sich Heitz nicht äussern. Der frühere FCB-Verteidiger hat bei den Süddeutschen lange nicht gespielt und dürfte momentan kein Thema sein. Aber irgendwo wird sein Name schon auf der Liste möglicher Kandidaten auftauchen. Genauso wie jener von Sions Holländer Michael Dingsdag, der immer wieder mit dem FCB in Verbindung gebracht wird.

Aus anderen Gründen als Ferati ist Timm Klose derzeit kein Thema. Der Basler machte schon Ende letzter Saison keinen Hehl daraus, dass er dereinst gern zum FCB zurückkehren würde. Nur ist der 24-Jährige derzeit sportlich zu gut unterwegs. «Er ist Stammspieler in der Bundesliga, das ist toll», sagt Heitz über den Nürnberger. Er gibt aber zu, dass man Kloses Werdegang «mit Interesse» verfolge. Schliesslich war es kein anderer als Murat Yakin, der Klose vor drei Jahren von der U21 des FC Basel zum FC Thun holte. Es kann schnell gehen im Fussball. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.11.2012, 07:10 Uhr

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