Meisterliche Ausreden

Beim 1:3 (1:0) gegen brillante Young Boys enttäuscht der FCB einmal mehr. Trainer Marcel Koller rügt die Fitness.

Fehlende Wasserverdängung: Der FCB (hier: Aldo Kalulu gegen Sekou Sanogo) konnte YB nicht in Verlegenheit bringen.

Fehlende Wasserverdängung: Der FCB (hier: Aldo Kalulu gegen Sekou Sanogo) konnte YB nicht in Verlegenheit bringen.

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Als um 17.53 Uhr alles vorbei war und sogar der Himmel weinte, blieb den Supportern des FC Basel nicht einmal der Blick auf die Tabelle der Super League verwehrt. Was sie dort auf den Bildschirmen im Stadion zu lesen bekamen, war der endgültige Tiefpunkt an diesem denkwürdigen 1. Advent. Erster YB mit 43 Punkten. Vierter Basel mit 24 Punkten. 19 Zähler Rückstand, und das nach nur 16 (!) von 36 Meisterschaftsrunden. Nichts wurde es also aus der grossangekündigten Revanche des FC Basel für die 1:7-Schlappe von Ende September. Statt drei Punkten und einer Rehabillitation gab es eine 1:3-Niederlage. Es war die erste Heimpleite gegen die Berner nach über sechs Jahren. Im direkten Duell in dieser Saison führt YB gegen den Rivalen aus Basel mit zwei Siegen und einem Torverhältnis von 10:2. «Sie nannten es Spitzenspiel» – die BaZ-Schlagzeile hatte es schon am Samstag auf den Punkt gebracht.

Der auch wettermässig trübe Nachmittag brachte im hervorragend gefüllten St.-Jakob-Park mit knapp 30'000 Zuschauern noch weitere, teils höchst bemerkenswerte Erkenntnise. Die Berner mussten nicht einmal eine Topleistung abrufen, um den Sieg einzufahren. Nach dem 0:1-Rückstand durch FCB-Torjäger Albian Ajeti spielte die Mannschaft von Gerardo Seoane einfach so, wie es die Basler in ihren Spitzenjahren getan hatten – sie agierten seelenruhig weiter.

Eine Frage der Zeit

Es schien nur eine Frage der Zeit, bis die Wagenburg des FC Basel auseinanderbrach. Und tatsächlich: YB drehte das 0:1 in ein 3:1, die Tore von Ali Camara, Miralem Sulejmani und Christian Fassnacht fielen in der 69., 79. und 89. Minute – eine hübsche Pointe für alle Statistikfans.

Das Resultat hatte seine Logik. Viel erstaunlicher war hinterher die Erklärung von Marcel Koller. «Wir hatten die Power nicht, um dagegen zu halten», meinte der Trainer des FC Basel, «im konditionellen Bereich sind wir nicht auf dem Level, den es braucht».

Kollers Worte mögen eine Prise Wahrheit beinhalten, in erster Linie jedoch waren sie höchstens eine meisterliche Ausrede. Zur Erinnerung: Der 58-jährige Zürcher übernahm die Mannschaft Anfang August. Mittlerweile sind 14 Super-League-Spiele unter seiner Führung Geschichte, dazu kamen vier Einsätze im Europacup und drei im Cup.

Die 21 Matches wurden von drei Nationalmannschaftspausen von jeweils zwei Wochen unterbrochen. Wer es in dieser Zeit als Cheftrainer nicht hinbekommt, dass seine Spieler matchfit sind, hat ein grundlegendes Problem mit der Belastungsteuerung oder er versteht nichts von Trainingslehre. Marcel Koller sagt: «Wenn die Saison bereits läuft, ist es schwierig, die Dinge zu korrigieren. Tatsache ist, dass wir es einfach nicht hinbekommen.»

Klar ist, dass in solchen Aussagen taktisches Kalkül des Chefs mitschwingt. Der Trainer möchte in der Winterpause seine eigenen Ideen in das Kader bringen und neue Spieler verpflichten – da liegt es auf der Hand, dass er das bestehene Personal nicht allzu stark in den Himmel lobt.

FCB mauert und spielt auf Konter

Gestern liess Koller immerhin taktische Flexibilität erkennen. Statt dem gewohnten 4-2-3-1-System setzte er auf ein 3-4-1-2 mit Taulant Xhaka als Chef im Abwehrzentrum und Fabian Frei als Spielmacher. Die Dramaturgie des Spiels erinnerte an einen Cupmatch: Der Kleine, in diesem Fall der FC Basel, mischt hinten Beton an und will den Grossen auskontern. Und das im eigenen Stadion.

«Die FCB-Systemumstellung hat uns zunächst vor Probleme gestellt», musste Seoane zugeben. Doch weil die Basler nur noch mauerten, fanden die Gelbschwarzen selbst nach dem 0:1-Rückstand ihren Rhythmus und drückten die Basler letztlich mühelos auf den Boden. Dabei waren sie unter der Woche noch in der Champions League engagiert. Was bleibt? YB wird Meister, klar. Der FCB kann mit dieser Mannschaft bestenfalls Zweiter werden. Und Marcel Koller ist ab heute Morgen regelmässiges und intensives Konditionstraining em­pfohlen. Düstere Zeiten im St.-Jakob-Park. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.12.2018, 07:36 Uhr

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