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«Die Schweiz hat keine gefährlichen Stürmer»

Norwegen ist in der WM-Qualifikation neuer Verfolger der Schweiz – und der nächste Gegner. Wie die Nordländer die Eidgenossen schlagen wollen, sagt YB-Legende Mini Jakobson.

«Die Schweiz hat keine gefährlichen Spieler»: Mini Jakobsen schoss in 80 Spielen für YB 32 Tore.
Video: Sebastian Rieder

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Mini Jakobsen steht in Oslo am Spielfeldrand des Ullevaal-Stadions und witzelt mit Egil Olsen, dem Coach des norwegischen Nationalteams. Hinter den beiden trainiert am Sonntagnachmittag Olsens Mannschaft, es geht entspannt, ruhig, familiär zu und her. Olsen hat sogar Zeit und Musse, mit Schweizer Journalisten zu sprechen und mit seinen Familienmitgliedern, die gemütlich auf der Trainerbank sitzen und zusammen mit den zwei Hunden des Trainers die Einheit verfolgen. «Das ist Olsen, das ist Norwegen», sagt Jakobsen und schmunzelt. «Wir können die Dinge manchmal locker sehen.»

Mini Jakobsen, der frühere YB-Spieler, ist in seiner Heimat seit vielen Jahren ein bekannter TV-Experte für den nationalen Sender TV2. Er ist eine Art Chefkritiker von Egil Olsen, seinem früheren Trainer, der Norwegen vor zwei Jahrzehnten (1990 bis 1998) in der besten Fussballphase des Landes schon einmal betreute. Damals stand die Auswahl mehrmals auf Platz 2 der Fifa-Weltrangliste und verlor gegen Brasilien in vier Vergleichen nicht (zwei Siege, zwei Remis). «Wir haben die beste Bilanz gegen Brasilien», sagt Jakobsen, «aber das bringt uns heute nichts. Unsere stärksten Zeiten sind vorbei.» Jahn Ivar Jakobsen, von allen Mini genannt, ist ein unterhaltsamer Mann der sehr klaren Worte – von Schweizer TV- und Radioexperten ist man sanftere Töne gewohnt.

Mangelnde Qualität im Kader

Jakobsen scheut sich beim Gespräch im Hotel Royal Christiania am Hauptbahnhof im Zentrum Oslos nicht, unbequeme Dinge zu sagen. «Unserem Nationalteam fehlt die Qualität, um mit Topteams mithalten zu können», sagt Jakobsen. Oder: «Uns fehlt ein starker Stürmer, wir schiessen viel zu wenige Tore.» Und dann: «Wir haben einfach zu wenige gute Spieler, das ist die Realität.» Eigentlich sei es ein Wunder, kämpfe Norwegen noch um den Gruppensieg und die WM-Qualifikation. «Es gab viele schlechte Spiele von Norwegen, nach sechs Runden hatten wir in dieser schwachen Gruppe erst acht Punkte», sagt der 47-Jährige. Aber auch Jakobsen kann ein Phrasendrescher sein, wenn er sagt, im Fussball sei alles möglich. «Wir haben das schlechtere Team als die Schweiz. Doch wir können am Dienstag gewinnen. Vielleicht durch ein Kopftor nach einem Eckball oder so.»

Der Lebensgeniesser

Mini Jakobsen sitzt auf der Terrasse der noblen Unterkunft und blinzelt in die Sonne. Es ist ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit in Oslo, auch am Sonntag ist es über 20 Grad, und das gefällt Jakobsen. «So macht das Leben doch mehr Spass», sagt er. Einmal im Monat geht Jakobsen für rund eine Woche nach Spanien; er braucht das, zumal er dort wunderbar an seinem Golfhandicap feilen kann. Derzeit beträgt es 6, was aussergewöhnlich gut ist und unter Beweis stellt, dass dieser Mini Jakobsen auch ein Lebensgeniesser ist.

Weil Jakobsen den vereinbarten Termin mit dem Journalisten aus Bern verschlafen hat und zu spät erschien, wird die Unterhaltung spontan im Taxi auf dem Weg zum Training des norwegischen Nationalteams fortgesetzt. Jakobsen spricht schnell und forsch weiter. «Die Schweiz ist mit ihren starken Einzelspielern klarer Gruppenfavorit», sagt er. «Aber es spricht nicht für die mentale Stärke des Teams, hat es eine 4:1-Führung gegen Island verspielt.» Man kann sich jetzt vorstellen, wie Mini Jakobsen im TV-Studio sitzt und den Norwegern mit Schärfe, aber auch Schalk den Fussball erklärt.

Jetzt sagt der 168 Zentimeter grosse Jakobsen, der einst ein bisschen wie der flinke, dribbelstarke Xherdan Shaqiri spielte: «Wir haben keinen Shaqiri.» Dieser sei der viel bessere Fussballer als er. Das ist nett gesagt, aber Jakobsen hat offenbar auch Schwächen bei Shaqiri gefunden, denn er meint provokativ: «Die Schweiz hat keine gefährlichen Spieler.» Mini meint das vermutlich nicht so maximal, wie es sich anhört, aber er ist sich der Provokation bewusst. Er will damit sagen, dass die Offensivkräfte der Schweizer zu wenig zielstrebig agieren. «Die Schweiz hat keinen Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic», führt er aus. Über die norwegischen Stürmer urteilt Jakobsen ähnlich unschmeichelhaft: «Sie sind international schlicht nicht gut genug. Wir haben keinen John Carew mehr.»

Der Prominente

Für den Diplomatendienst hat sich Mini Jakobsen noch nie empfohlen. «Ich hatte schon als Spieler eine grosse Klappe», sagt er selber. Es ist kaum ein Zufall, arbeitet Jakobsen heute als TV-Experte. Auf die Frage, ob er in seiner Heimat eigentlich bekannt oder gar immer noch ein kleiner Star sei, wie das ein Norweger am Vorabend sagte, ist der 65-fache Nationalspieler tatsächlich kurz sprachlos. «Was soll ich jetzt sagen?» Und dann fragt er kurzerhand den Taxifahrer: «Kennen Sie mich?» Der asiatisch-stämmige Mann kennt Mini Jakobsen, natürlich, und als dieser vor dem Stadion aus dem Auto steigt, muss er einem Jungen sofort ein Autogramm geben.

Später, an der Pressekonferenz des norwegischen Teams, spricht Mini Jakobsen mit dem Trainer, fachsimpelt mit Medienvertretern und Spielern, gibt selber Interviews und spart weiterhin nicht mit knackigen Zitaten. Einmal meint er: «Unser Trainer ist 71-jährig, er ist alte Schule, und jeder weiss das hier. Aber schreib jetzt nicht, Mini habe gesagt, Olsen sei vorbei. Er ist ein guter Kerl, kennt den Fussball und hat uns schon oft überrascht. Vielleicht tut er das auch diesmal und führt uns nochmals an die WM.» Der TV-Experte Jakobsen hätte bestimmt eine gute Erklärung dafür. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2013, 07:19 Uhr

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