Nach Eklat: Deutsches China-Projekt gestoppt

Zuschauer Proteste mit Tibet-Flaggen und Drohungen aus Peking. Jetzt zieht der DFB Konsequenzen.

Bild: Vorerst keine Spiele mehr in der Regionalliga Südwest für die Chinesen. Bild: Sven Simon (Ullstein)

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Es war geplant, dass die chinesische U-20-Nationalmannschaft im Zeichen der engen Zusammenarbeit und des Austausches zwischen Deutschland und China Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus der Regionalliga Südwest absolviert. Dieses Projekt wird nun frühzeitig erst einmal gestoppt – nach nur einem Spiel.

Die Tibet-Proteste von Aktivisten und die hohen, politischen Wellen, die das Spiel nach sich zog, sind für den Deutschen Fussball-Bund Grund genug, vorerst alle weiteren Spiele abzusagen. Bereits diesen Samstag hätten die Chinesen gegen den FSV Frankfurt ihr zweites Spiel absolviert. Weil allerdings wieder Proteste erwartet wurden, werden dieses Spiel und zwei weitere für dieses Jahr geplante Partien auf 2018 verschoben.

Kooperation in Gefahr

Beide Verbände wollen im Dialog klären, wie das Projekt weitergeht. Wie der DFB mitteilt, bedauern alle Beteiligten, dass es nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten habe. «Tatsächlich wurde es von einigen wenigen Zuschauern genutzt, um Botschaften zu setzen, die von der chinesischen Mannschaft, den Offiziellen, dem Betreuerstab des Chinesischen Fussball-Verbandes und auch den chinesischen Zuschauern als verletzend empfunden wurden.» Wobei es bereits im voraus viele kritische Stimmen Seitens von Fans und Clubs gegeben hat.

Der DFB reagiert somit vorzeitig, auch aus Angst, dass das ganze Kooperationsabkommen zwischen den beiden Ländern vollends scheitern würde. Die chinesische Seite forderte die Deutschen auf, solche Aktionen wie in Mainz explizit zu verbieten, und wollten sogar eine mögliche Entschädigung, sollte dies nicht geschehen.

Daraufhin meldete sich DFB-Präsident Reinhard Grindel vor einigen Tagen zu Wort und lies verlauten, dass der chinesische Verband die Meinungsfreiheit in Deutschland zu akzeptieren habe.

Dennoch hofft der für das Projekt verantwortliche DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, dass das Projekt fortgeführt werden kann. «Wir erachten die Verschiebung für zwingend, denn so schaffen wir ausreichend Zeit, um die neu entstandene Situation in aller Ruhe und Offenheit zu besprechen und um im Sinne des Sports eine vernünftige Lösung zu finden.» (sal)

Erstellt: 24.11.2017, 14:03 Uhr

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