«Natürlich wäre ich gerne eines Tages Captain»

Fabian Frei zieht Walliser Trainer an und ist bereit, beim FC Basel sofort Verantwortung zu tragen.

«Ich habe keine Angst, meinen Platz zu verlieren.» Fabian Frei im Dress der Nationalmannschaft nach seinem Tor im Oktober gegen Ungarn.

«Ich habe keine Angst, meinen Platz zu verlieren.» Fabian Frei im Dress der Nationalmannschaft nach seinem Tor im Oktober gegen Ungarn. Bild: Keystone

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BaZ: Fabian Frei, warum sind Sie in Mainz gescheitert?
Fabian Frei: Was für eine wilde Frage gleich am Anfang…Haben Sie nicht selbst eine passende Antwort darauf?

Ich muss passen. An Ihren fussballerischen Qualitäten kann es nicht gelegen haben.
Ich sehe mein Ausland-Engagement nicht als gescheitert, im Gegenteil. Ich bin zufrieden, wie die zweieinhalb Saisons in der Bundesliga gelaufen sind. Ich hatte zwei schwere Muskelverletzungen. In den übrigen zwei Jahren, in denen ich ganz fit war, habe ich rund 60 Spiele gemacht, sehr viele von Beginn an. Natürlich war nicht alles perfekt, aber ich finde, ich habe mich gut entwickelt.

Was war denn nicht perfekt?
Ich hätte früher ein Tor schiessen können…(lacht). Und ich brauchte Zeit, um in Deutschland den Rhythmus zu finden, um reinzukommen – das ging doch länger, als ich geglaubt habe. Die Umstellung vom Ballbesitzfussball in Basel zum defensiven Umschaltfussball in Mainz war nicht einfach. Zuvor hatte ich zehn Jahre lang den Ball am Fuss – in Mainz mussten wir oft dem Ball nachjagen.

War das die grösste Problematik?
Ja, das würde ich sagen. Eingewöhnt hatte ich mich rasch, die Stadt, das Stadion, die Menschen – alles tadellos. Im technischen und taktischen Bereich musste ich mich von Beginn an nicht verstecken. Nicht zu unterschätzen ist der körperliche Aspekt, alles war härter und schneller. Und die deutsche Mentalität auf dem Platz entspricht halt schon dem hier bekannten Muster – Kopf runter und mit Vollgas losrennen. Aber schon als Bub wollte ich nie Fussballprofi werden, damit ich dem Ball nachspringen muss, ich wollte den Ball immer am Fuss haben und kreativ sein. Dazu möchte ich noch etwas klarstellen.

Nur zu!
Ich komme ganz sicher nicht zum FCB zurück, weil ich Angst habe, dass ich im Hinblick auf die WM 2018 in Russland meinen Platz in der Schweizer Nationalmannschaft verliere. Da wurde Humbug verbreitet.

In der Bundesliga ist Schnelligkeit gefragt. Sie sind nicht der Schnellste. War das bei Ihnen kein Kernthema – so, wie schon Valentin Stocker in Berlin festgestellt hat, dass man ohne Speed wenig Kredit hat bei den Trainern?
Bei mir war das kein grosses Thema, ich bekleide im Mittelfeldzentrum aber auch eine andere Position als Vali, der bei Hertha am Flügel agiert. Bei mir ging es mehr um die gesamte Laufleistung. Die anderen Spieler auf der Sechser-Position liefen mehr als ich – und gerade in der Bundesliga zählen die Statistiken sehr viel. Ich laufe vielleicht etwas weniger, aber ich versuche, im richtigen Moment an den richtigen Ort zu kommen. Viele Fans verstehen das nicht auf Anhieb, die denken sogar, der Frei sei ein fauler Sack und gebe nicht alles.

Welches ist denn eigentlich Ihre bevorzugte Position – sind Sie ein Sechser, ein Achter oder ein Zehner?
Da will ich mich nicht festlegen. Entscheidend ist die taktische Ausrichtung, die der Trainer vorgibt. Unter Murat Yakin beim FCB fand ich mich auf der Sechser-Position vor der Abwehr bestens zurecht. In Mainz war ich gegen den Ball eher ein Achter. Ich bin kein Staubsauger, ich führe gerne den Ball am Fuss, deshalb habe ich auch als Zehner meine Aktionen. In der Anfangsphase beim FCB ging es auch am Flügel, und selbst als Innenverteidiger habe ich mittlerweile Erfahrung.

In Mainz hiess Ihr Trainer Martin Schmidt, ein Walliser. Sie sagten selbst, dass dies kein Vorteil war. Können Sie das nochmals ausführen?
Wenn ein Schweizer Trainer in der Bundesliga einen Schweizer Spieler holt, meinen ja sofort die meisten, dass dies der neue Liebling des Coaches sein muss. Weil aber der Trainer genau diese Debatte nicht will, gibt er Gegensteuer. Deshalb war Martin Schmidt an gewissen Tagen härter zu mir als mit anderen. Das hat er mir selbst gesagt, damit hatte ich auch kein Problem. Speziell beissen musste ich nicht, immer angenehm war es aber auch nicht. Unter dem Strich hatte ich eine tolle Zeit in Mainz.

Trotzdem sind Sie nun zum FCB zurückgekehrt. Warum?
Weil es für mich der perfekte Moment ist. Ich bin in einem guten Alter und überzeugt, dass ich der Mannschaft fussballerisch und menschlich helfen kann. Ich trug den FCB immer im Herzen, für mich stellte sich nie die Frage, ob ich zurückkomme. Sondern nur wann.

Was erwarten Sie nun von sich selbst?
Ich weiss, was auf mich zukommt, ein gewisser Druck ist da. Das ist auch verständlich. Ich will mich möglichst schnell integrieren. Dazu möchte ich eine Führungsrolle einnehmen, dem Team helfen – und Meister werden.

Nicht alle Rückkehrer wurden in Basel glücklich. Zdravko Kuzmanovic gar ist grandios gescheitert.
Seine Geschichte kenne ich nicht im Detail. Ich selbst habe jedoch auch viele positive Beispiele erlebt. Nehmen wir Marco Streller: Nach seiner Rückkehr 2007 hatte er es zunächst schwer, er traf das Tor nicht, er war verletzt und wurde ausgepfiffen. Ein paar Jahre später war er Captain, Publikumsliebling und Legende. Ich weiss, dass ich Fussball spielen kann und dass ich in der Kabine eine gute Zeit haben werde. Ich versuche einfach, das entspannt anzugehen; zu viel Druck bringt nichts.

Was überzeugt Sie an Raphael Wicky?
Wir haben vor den Ferien zusammen telefoniert. Er war Juniorentrainer beim FCB, als ich bei den Profis spielte, ich kenne seine Philosophie, das passt sicher gut. Offenbar ziehe ich Trainer aus dem Wallis an (lacht).

Haben Sie Ambitionen auf das Amt des Captains?
Natürlich wäre ich gerne eines Tages Captain beim FC Basel. Aber ich komme doch nicht mitten in einer Saison zurück und formuliere Ansprüche auf die Armbinde. Wenn sich im Sommer eine neue Situation ergeben würde, wäre ich bereit. Aber ich forciere nichts. Und wenn ich das Gefühl habe, es muss etwas gesagt werden, dann sage ich das, ob Captain oder nicht. Marek Suchy jedenfalls hat meinen ganzen Support.

Holen Sie im Sommer auch noch Valentin Stocker zum FCB zurück?
Ich kann niemanden zurückholen, so viel Macht habe ich nicht. Mit Vali würde ich gerne wieder in einem Team spielen, aber das müssen eine ganze Menge anderer Menschen auch noch wollen. Ich denke, die Fans in Basel wünschen sich Stocker zurück. Aber ich kann auch ohne ihn spielen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.12.2017, 09:25 Uhr

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