Neymar, das grosse Risiko

PSG verspricht sich vom brasilianischen Superstar nicht nur Tore. Sein Transfer aber könnte die Uefa in Nöte und ein ganzes System zum Einsturz bringen.

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In einer normalen Welt hätten Worte wie diejenigen von Josep Maria Bartomeu jegliche Spekulationen um einen möglichen Neymar-Transfer beendet, als der Präsident des FC Barcelona mitteilte: «Neymars Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro ist unmöglich zu bezahlen, wenn man sich an das Financial Fairplay halten will.» Das war am am 20. Juli, in der Gerüchteküche brodelt es dennoch kräftiger denn je – Anfang August soll der Deal tatsächlich verkündet werden. Herzlich willkommen in der grenzenlosen Welt des Fussballs!

Natürlich hat auch Paris Saint-Germain keinerlei Interesse daran, das von der Uefa ins Leben gerufene Financial Fairplay (FFP) zu missachten und neben einer saftigen Geldbusse den Ausschluss von der Geldmaschine Champions League zu riskieren. Sprach also der Berufsoptimist aus Bartomeu? Ein Blick in die PSG-Finanzen zeigt: Aktuell wäre ein Neymar-Kauf ordnungsgemäss nicht zu stemmen. Denn das FFP schreibt vor, dass maximal fünf Millionen Euro mehr ausgegeben werden dürfen als eingenommen werden. Gemäss Schätzungen des Wirtschaftsmagazins «Forbes» verzeichneten die Franzosen im Jahr 2016 einen Gewinn von einer Million Dollar – Spielertransfers, Steuern, Zinsen und Amortisationen noch nicht mit eingerechnet. Fürs aktuelle Jahr rechnet «Forbes» mit einem operativen Ergebnis von 92 Millionen Euro.

Es fehlt sehr viel Geld

Geht man von diesen Zahlen aus, dürfte also ein Transferverlust von 97 Millionen Euro resultieren. Sollte der Deal um Neymar tatsächlich zustande kommen und der Brasilianer einen Fünfjahresvertrag unterschreiben, käme für die nächsten fünf Jahre ein finanzieller Aufwand von rund 130 Millionen Euro dazu. Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen: Jährlich 55 Millionen Bruttolohn sowie auf fünf Jahre verteilt die Amortisation von 40 Millionen Euro Handgeld für Neymar senior und mehr als 300 Millionen Euro Transfersumme, denn gemäss «Mundo Deportivo» würden bei Bezahlung der Ausstiegsklausel auch noch Steuern von fast 100 Millionen Euro fällig.

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Es fehlten also über 30 Millionen Euro Einnahmen – die Amortisationen von teuren Stars wie Julian Draxler, vom zweijährigen Gastspiel von David Luiz sowie der Bruttolohn von Zuzug Dani Alves (circa 26 Millionen Euro) noch nicht einberechnet. Für Professor André Bühler, Direktor vom Deutschen Institut für Sportmarketing, steht fest: «Der Transfer wäre ein klarer Verstoss gegen das Financial Fairplay. Ausgaben von mehr als 100 Millionen Euro alleine für einen Spieler aus dem normalen Geschäftsbetrieb zu decken, ist schlicht unmöglich.» Auch nicht, wenn der Merchandising-Absatz rasant ansteigen würde – was mit dem Coup um einen solchen Weltstar durchaus realistisch wäre. Die logische Konsequenz wäre also ein Ausschluss von PSG von den europäischen Wettbewerben, bis die Finanzen bereinigt sind. Einfach ausgedrückt: Neymar oder Champions League.

Dass Neymar aber weiterhin es nicht für nötig befindet, dem FC Barcelona für mindestens ein weiteres Jahr die Treue zu schwören, kann also nur zwei Gründe haben. Entweder er pokert um einen neuen, noch besseren Vertrag, oder das FFP ist das, was Kritiker schon seit Jahren bemängeln: eine Farce, die nur für mittelgrosse Clubs wie Galatasaray Istanbul oder Málaga drastische Strafen zur Folge haben kann. «Das Financial Fairplay ist ein zahnloser Papiertiger. Der Uefa fehlt der Mut, ihre eigenen Regeln auch gegen die grossen Vereine durchzusetzen», so Bühler. Allerdings sieht der Experte im fehlenden Durchsetzungsvermögen des Fussballverbandes auch andere Gründe: «Hinter Paris stehen die Emirate, da geht es dann um Geschäfte.»

Der grosse Showdown

Weniger drastisch sieht dies Sportökonomieprofessor Helmut Dietl von der Universität Zürich: «Die Einnahmen, beispielsweise die Fernsehgelder, sind in den letzten Jahrzehnten trotz Finanz- und Wirtschaftskrise rasant angestiegen.» Genau hier verspricht sich PSG von Neymar viel. Durch den Superstar, so erwarten die Franzosen, könnten sie sich mit dem nächsten TV-Vertrag vergolden lassen. Dass Jahr für Jahr mehr Geld aus der Champions League zu holen ist, dürfte ohnehin klar sein.

Ob die Einnahmen alleine wegen des Brasilianers aber derart drastisch ansteigen, ist ungewiss. Sollten sich die katarischen Besitzer von PSG verpokert haben, hätte das auch unangenehme Folgen für die Uefa. Denn der spanische Ligapräsident Javier Tebas und auch Barça-Chef Bartomeu haben beide schon angekündigt, den Zweiten der vergangenen französischen Meisterschaft beim Europäischen Fussballverband wegen möglichen Verstosses gegen das FFP anzuzeigen. Dann käme es zum Showdown: Entweder verlöre die Uefa mit dem Emir einen wichtigen Geschäftspartner, oder sie gäbe sich und ihr einst gross angekündigtes Financial Fairplay der Lächerlichkeit preis.

Video: Neymars schönster Moment mit Brasilien

Mit diesem Penalty in Rio holte der Superstar Olympia-Gold für sein Team und brachte ein ganzes Land in Ekstase. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2017, 09:33 Uhr

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