Ohne Form, aber auch ohne Angst

Der FCB steckt in einer Minikrise, kann zum Auftakt der Champions League in Manchester aber viel gewinnen.

Dort, wo Träume wahr werden können: Die Spieler des FC Basel beim Abschlusstraining im «Theatre of Dreams».

Dort, wo Träume wahr werden können: Die Spieler des FC Basel beim Abschlusstraining im «Theatre of Dreams». Bild: Keystone

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Schon die Wetterprognose verspricht nichts Gutes. Regen, Sturmwinde, 12 Grad – willkommen in Manchester. Britische Waschküche. Für den heutigen Matchtag ist keine Besserung in Sicht.

Ganz so trüb wie das Wetter war die Stimmung im Reisetross des FC Basel nicht, als er sich gestern Morgen um kurz vor elf Uhr auf den Weg in Englands Norden machte. Doch Vorfreude auf die Champions League kam beim besten Willen noch keine auf – wie auch, nach einem 1:2 zu Hause gegen den Tabellenletzten Lausanne? «Niederlagen rauben jedem Sportler Selbstvertrauen», sagt Raphael Wicky, bevor er ins Flugzeug steigt.

Auf den 40-jährigen Trainer des FC Basel wartet heute erstmals das helle Licht der Champions League (20.45 Uhr, SRF 2). Doch ausgerechnet jetzt ist der Schweizer Abo-Meister in eine Minikrise gerutscht. Nur drei Siege in den ersten sieben Liga-Spielen: Das reicht für viel Aufregung auf den Zuschauerrängen und in den Zeitungsspalten. Wicky sagt: «Uns geht die Effizienz ab. Es fehlen Kleinigkeiten, damit wir die Spiele gewinnen.» Was Wicky nicht sagt: Viele seiner Leistungsträger wie Michael Lang, Luca Zuffi oder Renato Steffen suchen in dieser Saison noch ihre Form.

Die Ausgangslage ist simpel

Um sich ganz auf die Problemlösung zu fokussieren, hält sich Wicky in diesen Tagen eisern an eine Abmachung, die er schon im Sommer mit sich selbst getroffen hat: Er konsumiert keine Medien. «Das würde mich nur beeinflussen.» Viel lieber überlegt sich der Coach, wie er seiner verunsicherten Mannschaft neues Selbstvertrauen mit auf den Weg geben kann. Würde er bereits heute im Cup gegen Chiasso antreten, wäre die Aufgabe wesentlich einfacher. Aber nein – es geht gegen das grosse Manchester United. Gegen den Topfavoriten in dieser Gruppe, der in den letzten drei Jahren rund 300 Millionen Euro ausgegeben hat, um sein Team zu verstärken.

Die Ausgangslage ist simpel. Im Old Trafford, dem «Theatre of Dreams», wie die Arena liebevoll gerufen wird, hat der FC Basel nur wenig zu verlieren. «Jetzt sind wir mal der Aussenseiter», sagt Verteidiger Manuel Akanji dazu, «das kann auch ein Vorteil sein.» Alles andere als ein Sieg der «Red Devils» wäre eine grosse Überraschung.

Natürlich wird das Resultat ein wichtiger Parameter in der Betrachtung sein – aber nicht nur. Entscheidend ist auch, dass der FC Basel einen Auftritt ohne Angst hinlegt. Dass er den Ball will, dass er draufgeht, dass er hoch steht, dass er den Gegner überrascht und ihn zu Fehlern zwingt.

Qualität für eine magische Nacht

Dass die Basler die Qualität und die Mentalität für eine magische Nacht abrufen können, haben sie in den letzten Jahren oft bewiesen. Beide Auswärtsspiele in der Königsklasse – 2003 und 2011 – wurden in Manchester nicht verloren, es gab ein historisches 1:1 und ein mitreissendes 3:3.

Doch die Erinnerungen an diese grandiosen Momente versinken im grauen Alltag der Gegenwart. Der FC Basel hat auf allen Ebenen Persönlichkeit verloren, von der Führung an der Clubspitze über den Captain bis hin zu den Reservespielern.

Es gibt keinen Marco Streller mehr, der im Sturm seine Kollegen mitreisst. Keinen Matias Delgado, der mit einem ruhenden Ball für den Unterschied sorgen könnte. Keinen Marc Janko oder Seydou Doumbia, die von der Ersatzbank kommend frischen Wind in die Offensive blasen. Kein Supertalent wie Breel Embolo, das Unbekümmertheit mit Klasse und Sympathie verbindet. Vor allem fehlt den Baslern momentan eine kreative Kraft, die neben Torjäger Ricky van Wolfswinkel das Offensivspiel entscheidend bereichert.

Wicky weiss um diese Entwicklung. Gerade der Trainer muss in seiner ersten Minikrise vorangehen und Mut vorleben. «Was ist Mut?», fragt Wicky sofort zurück, «ist es mutig, wenn wir mit zwei Stürmern ein Pressing betreiben, ausgekontert werden, Manchester in den Hammer laufen? Dann heisst es, der FCB sei naiv ins Verderben gerannt.»

Wie er es nicht machen sollte, hat der FCB letztes Jahr in London beim 0:2 gegen Arsenal bewiesen. Mit einer kuriosen 5-3-2-Taktik und Taulant Xhaka als Libero verwirrte der damalige Trainer Urs Fischer mehr die eigene Mannschaft als den Gegner. Und er musste erfahren, wie eine ungenügende Champions-League-Kampagne den Alltag in der Meisterschaft trüben kann.

Am besten, der FCB präsentiert heute das ABC des Fussballs: A für Arbeiten in der Abwehr, B für Balance finden zwischen Verteidigung und Angriff und C für coole Chancenverwertung. Im «Theatre of Dreams» sind Träume ja erlaubt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 09:18 Uhr

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