Polizei durchsucht Penthouse von Monaco-Besitzer

Milliardär Dimitri Rybolowlew kam als Retter, nun mutiert er zum Verlierer: Gegen den Besitzer der AS Monaco wird wegen Korruption ermittelt.

Von der Glamourwelt ins Polizeiverhör: Besitzer Dimitri Rybolowlew steht sinnbildlich für die Schräglage der AS Monaco. Foto: Eric Gaillard (Reuters)

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Für einmal kam die Polizei des Fürsten ohne Voranmeldung, für eine Hausdurchsuchung. Und was für ein Haus sie da durchsuchten: Das Penthouse der ­Liegenschaft «La Belle Epoque» in Monte Carlo ist offenbar die teuerste Immobilie der Welt, ­Kostenpunkt etwa 300 Millionen Euro. Unverbaute Sicht auf das Mittelmeer, auf den Jachthafen, einmal im Jahr auch auf die ­Boliden der Formel 1.

Das Penthouse gehört dem russischen Milliardär Dimitri ­Rybolowlew, dem Besitzer des örtlichen Fussballvereins AS Monaco. Und den nahmen sie bei der Gelegenheit mit zum Kommissariat, wo er stundenlang in Polizeigewahrsam verbrachte, wie «Le Monde» herausfand.

Für die sonst gerne diskreten Verhältnisse im Fürstentum ist das ein denkwürdiger Vorgang, vielleicht gar eine laute Zäsur, was die Anwälte Rybolowlews auch sofort monierten. Sein ­Abstieg verläuft parallel zu ­jenem des Ligue-1-Clubs und etwa gleich rasend.

Für einen symbolischen Euro

Er wird verdächtigt, die Justiz- und Polizeibehörden seiner Wahlheimat mit Geschenken, Einladungen und anderen Gefälligkeiten bestochen zu haben. Ganz neu ist die Affäre nicht, sie schüttelt den kleinen Stadtstaat seit einem Jahr und führte schon zum Rücktritt des monegassischen Justizministers. Nun aber erfährt die Geschichte eine plötzliche Beschleunigung.

Eingeweihte Kreise, die von der französischen Presse anonym zitiert werden, reden von einem «enormen Skandal», in den etliche prominente Persönlichkeiten verwickelt sein sollen. An Prominenz fehlt es ja nicht: Dieser kleine, dicht verbaute Flecken Land an der Côte d’Azur mag hübsch gelegen sein – ins Fürstentum ziehen die Reichen dieser Welt aber vor allem, weil man dort ­keine Steuern bezahlt.

Fussball interessierte Rybolowlew nicht.

Den russischen Geschäftsmann und ehemaligen Oligarchen, dessen Familie zu Sowjetzeiten mit Düngemitteln ein Vermögen gemacht hatte, trieb wohl noch ein anderer Grund an. Jedenfalls spekulierte man in Monaco ­immer, Rybolowlew habe es vor ­allem auf den Pass abgesehen gehabt, von dem er sich aus­rechnete, dass er ihn vor inter­­nationalen Steuerfahndern schützen würde – und vor dem langen Arm Wladimir Putins, aus dessen Gnade er gefallen war.

Fussball interessierte Rybolowlew nicht, er kam aus Perm, dort spielte man Eishockey. Als dann aber 2011 der Traditionsverein Monaco am sportlichen und ­finanziellen Tiefpunkt stand, griff er zu. Für einen symbolischen Euro verkaufte die Fürstenfamilie Grimaldi dem Russen ihr einst liebstes Hobby. Der Fürst und der Retter, sie traten oft gemeinsam auf.

Die privaten Geschichten ­Rybolowlews, seine undurchsichtigen Geschäfte mit dem Schweizer Kunsthändler Yves Bouvier, der Rosenkrieg mit der Frau – das alles schwang zwar immer mit. Doch der Russe machte den Verein wieder gross, und das schien ihn zu schützen. Wie genau er die AS Monaco gross machte, wird bis heute wie ein Lehrstück studiert.

Modell mit enormer Marge

Unter seiner Führung sicherte sich ­Monaco billig die Dienste Dutzender junger Talente, brachte sie auf Niveau, bot ihnen eine Bühne und verkaufte sie dann für sehr viel mehr Geld ­weiter. Jedes Jahr ging das so, die Gewinnmarge war enorm. Und das Modell funktionierte, weil die Mannschaft erfolgreich war und Titel gewann, obschon sie zu ­jeder neuen Saison fast total ­erneuert werden musste. Erste Verdachte kamen auf, als klar wurde, dass Rybolowlew oft mit dem mächtigen portugiesischen Spieleragenten Jorge Mendes ­Geschäfte machte.

Aus den «Football Leaks» ging hervor, dass die beiden auf ­Zypern heimlich einen Investmentfonds unterhielten. Spielertransfers und Leihoperationen müssen ein sehr lukratives Business sein: Monaco tätigte davon in der Ära Rybolowlew mehrere Hundert.

Es gibt neue Interessenten

Nun aber ist der Erfolgsfaden ­gerissen. Die Mannschaft von Torhüter Diego Benaglio verliert nur noch, zuletzt daheim in der Champions League gegen Brügge gleich 0:4, da lief gerade das Verhör des Präsidenten auf dem Polizeiposten.

Albert II. zeigte sich jüngst nicht mehr so gerne mit Rybolowlew, wahrscheinlich wusste er, was da dräute. Es soll bereits neue Kaufinteressenten geben: chinesische und amerikanische. Und der Fürst wäre froh, hätte er die Affäre bald vom Hals, samt dem unbequemen Bewohner des Penthouses im «Belle Epoque». (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 17:12 Uhr

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