Reals umstrittener Weg in den Final

Am Schluss rastete ein Bayern-Spieler komplett aus: Seit dem Achtelfinal gab es mehrere diskutable Entscheide zugunsten von Real Madrid.

Real wieder im Final: Die Tore des Rückspiels im Champions-League-Halbfinal Real Madrid gegen Bayern München. Video: Tamedia/SRF.

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Da scheint sich viel Frust angestaut zu haben. Während Jérôme Boateng auf Twitter fragte, wie das Handspiel kein Penalty sein könne, wurde Mitspieler Arturo Vidal deutlicher. Zuerst schrieb er auf Instagram «Schon wieder. Penalty, Scheisse», um nach der Partie ein Foto von feiernden Real-Spielern, begleitet mit dem Kommentar «Ratten», nachzulegen.

Dass der nicht für Zurückhaltung bekannte Vidal derart ausfällig wurde, liegt wohl in der Summe von aus seiner Sicht ärgerlichen Ereignissen. Vor einem Jahr schied der Mittelfeldspieler mit den Bayern gegen Real aus, damals ärgerten sich die Münchner über zwei Offside-Gegentore und einen ungerechtfertigten Platzverweis gegen Vidal. Ausserdem hätte Reals Casemiro gleich zweimal mit Gelb-Rot vom Feld fliegen können.

Umso mehr hatte Vidal auf Revanche gegen die Königlichen gebrannt – musste wegen einer Verletzung allerdings zuschauen. Und dann kam diese Penalty-Szene, die nicht geahndet wurde. Die zweite, denn bereits in der 17. Minute wollten die Bayern nach einem umstrittenen Zweikampf zwischen Sergio Ramos und Robert Lewandowski einen Penalty haben. Ein schwieriger Entscheid für Schiedsrichter Cüneyt Çakir: Je nach Blickwinkel sieht es mal mehr und mal weniger nach einem Foul aus.

Bereits im Hinspiel reklamierte der deutsche Rekordmeister zweimal ein Foul innerhalb des Strafraums von Dani Carvajal an Lewandowski. Bei allen vier Situationen blieb die Pfeife des Schiedsrichters jeweils stumm – am Ende fehlte den Bayern ein Tor für den Finaleinzug.

Real und Penalty-Diskussionen? Da war doch was. Genau, davon kann insbesondere Gianluigi Buffon ein Lied singen. Nach grossartiger Aufholjagd im Viertelfinal-Rückspiel bekam Real Madrid in der Nachspielzeit gegen Juventus einen Penalty zugesprochen, über den sich die italienische Goalielegende derart aufregte, dass er vom Platz flog. Später sagte Buffon: «Wer so einen Penalty pfeift, ist kein Mensch, sondern ein Tier. Der Schiedsrichter hat anstelle eines Herzes einen Abfalleimer.»

Im ganzen Rummel um Buffon und den entscheidenden Penalty ging ein wenig unter, dass Juve im Hinspiel einen Penalty forderte – ebenfalls in der 93. Minute. Die Aufregung hielt sich ob des 0:3-Rückstandes in Grenzen. Damals konnte noch keiner erahnen, wie nahe der italienische Rekordmeister dem Wunder im Rückspiel kommen würde.

Was bei allen Diskussionen um Real Madrid nicht vergessen werden darf: Auf dem Weg in den Final mussten die Königlichen neben dem deutschen und italienischen Rekordmeister auch PSG ausschalten. Das Endverdikt von 5:2 zugunsten von Real liest sich deutlich und diskussionslos. Doch auch hier gab es Gesprächsstoff, insbesondere nach dem Hinspiel.

Lange sah es in Madrid nach keinem guten Resultat für den Titelverteidiger aus, das zweite und dritte Tor für Real fiel in der Schlussphase. Paris führte kurz vor der Pause sogar 1:0 – bis Real ein Penalty zugesprochen wurde, der zumindest in Frankreich als nicht glasklar taxiert wurde. Ein weiterer Makel: Toni Kroos stand deutlich im Offside, bevor er (möglicherweise) von Giovani Lo Celso gefoult wurde. Gemäss der spanischen TV-Sendung «El Chiringuito» stand der Deutsche ganze 92 Zentimeter im Abseits.

Und: In der 55. Minute blockte Sergio Ramos einen Schuss von PSG-Mittelfeldspieler Adrien Rabiot – mit dem Oberarm.

Zinedine Zidane und seinen Spielern werden die Diskussionen egal sein. Zum dritten Mal in Folge stehen sie im Final der Champions League. Real könnte den vierten CL-Titel in den letzten fünf Jahren feiern. Obwohl es auch in der Vergangenheit strittige Szenen gab – allemal eine beachtliche Leistung.

(fas)

Erstellt: 02.05.2018, 11:05 Uhr

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