Videobeweis: Jetzt kritisiert auch ein Bundesliga-Schiedsrichter

Statt des Gefühls von mehr Gerechtigkeit überwiegen bis jetzt Diskussionen, Beschwerden und Unsicherheit.

Mittlerweile Bundesliga-Alltag: Das lange Warten auf den Bescheid des Schiedsrichters. Hier Christian Dingert beim Spiel zwischen Mönchengladbach und Hannover.

Mittlerweile Bundesliga-Alltag: Das lange Warten auf den Bescheid des Schiedsrichters. Hier Christian Dingert beim Spiel zwischen Mönchengladbach und Hannover.

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Er hätte alles besser machen sollen, eine Zeitenwende im Fussball darstellen: der Videobeweis. Die deutsche Bundesliga und die italienische Serie A gingen bei den grossen Ligen als Pioniere voran, führten den Assistenten vor dem Bildschirm auf diese Saison hin ein.

Was bis jetzt dominiert: Chaos, Durcheinander, schlechte Stimmung. Von Sizilien bis Hamburg. Von Buffon bis Goretzka. Woche für Woche hagelt es für das Projekt, das den Fussball gerechter machen sollte, schlechte Gefühle. Kaum einer hat gute Worte für den Videobeweis übrig. Es ist nicht klar, wann dieser eingesetzt wird, geschweige denn wer das entscheidet, so das allgemeine Credo.

«Ein Schmarren, ein Witz»

Neuestes von vielen Beispielen: Spieler und Trainer des SC Freiburg. «Ein Schmarren», sagt Stürmer Florian Niederlechner. «In dieser Form ein Witz», pflichtet Teamkollege Christian Günter bei. Und der nicht gerade als wortkarg bekannte Trainer Christian Streich zeigt sich nach dem Abpfiff des Spiels gegen Stuttgart konsterniert: «Ich bin fassungslos, ich weiss nicht, was mit uns gemacht wird.» Die Szene, die die Gemüter erhitzt, ereignet sich schon nach 12 Minuten. Verteidiger Söyüncü wird im Laufduell mit Stuttgarts Ginzcek gestossen, berührt den Ball klar mit der Hand. Schiedsrichter Stieler lässt weiterlaufen, bis sich der Videoassistent aus Köln einschaltet. Söyüncü sieht Rot, Freiburg hat 80 Minuten in Unterzahl vor sich und verliert 0:3.

Ein – wenn überhaupt – schwacher Trost für Trainer Streich: Selbst Schiedsrichter Stieler gibt nach dem Spiel zu: «Wenn ich es mir noch mal angucke mit ein bisschen Abstand und Ruhe, dann überwiegen vielleicht auch die Zweifel.» Eine Aussage, die zeigt, dass eben doch nicht alles so rundläuft mit dem Videobeweis, wie es die Verantwortlichen beim Verband gerne hätten.

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Kritik aus den eigenen Reihen

Es kommt aber noch heftiger. Denn Kritik hagelt es nicht nur vonseiten der Vereine, nun kommt sie auch noch aus den eigenen Reihen. Beim Fernsehsender WDR hat sich ein Schiedsrichter zu Wort gemeldet, der anonym bleiben will. Klar, schliesslich existiert im Zusammenhang mit dem Videobeweis eine Verschwiegenheitserklärung.

Er ist einer von 24 Bundesliga-Schiedsrichtern, und er prangert den deutschen Fussballbund an: Die Bildqualität in der Zentrale in Köln sei demnach unzureichend, die Operatoren, welche die entscheidenden Szenen aufbereiten, unerfahren. Zudem soll gemäss dem anonymen Unparteiischen die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter auf dem Platz und dem vor dem Bildschirm abgehört werden.

Der DFB schweigt

Harter Tobak also. Und vom Projektleiter Hellmut Krug gibt es keine Antwort. Hellmut Krug? Da war doch etwas. Genau, Krug, der Projektleiter des Videobeweises, ist auch Krug, der ehemalige Leiter der Schiedsrichter-Abteilung beim DFB. Und er sah sich schon zu Saisonbeginn mit Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert. Der erfahrene Schiedsrichter Manuel Gräfe warf ihm da fehlende Transparenz, schlechten Führungsstil und Vetternwirtschaft vor.

Krug hatte sich vor der Saison positiv zu den Testläufen mit dem Videobeweis geäussert. «Alle Kriterien sind erfüllt, wir sind gut vorbereitet und sicher, dass es viel besser klappt als beim Confed-Cup und bei der U-20-WM», sagte er zu Saisonbeginn. Dem widerspricht der anonyme Mann beim WDR: «Die technischen Rahmenbedingungen bei fünf parallel laufenden Bundesliga-Spielen sind nicht getestet worden.»

WDR fragt also beim DFB und bei Krug nach: Werden Probleme etwa bewusst verschwiegen? Wieder: keine Antwort. Klar ist jedoch, dass die Ethikkommission des DFB sich des Falls angenommen hat. Alle 24 Bundesliga-Schiedsrichter sollen demnach befragt werden. Das letzte Wort in Sachen Videobeweis scheint also noch längst nicht gesprochen.

Erstellt: 01.11.2017, 14:49 Uhr

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