Wenn ausgerechnet Red Bull nach Financial Fairplay ruft

Hat PSG getrickst und viel mehr Geld ausgegeben als erlaubt? Vor dem Start der Champions League nimmt der Druck zu. Auch aus seltsamen Kreisen.

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Schon lange ist die Champions League eine Zweiklassengesellschaft. Vereine aus kleinen Fussballnationen fordern Grossclubs, haben gegen sie zwar keine Chance, aber das Stadion ist voll und die eigenen Fans sind wegen der seltenen Gelegenheit vorübergehend aus dem Häuschen. Spätestens ab dem Achtelfinal sind die Reichen jeweils wieder unter sich.

In diesem Jahr ist die Kluft noch grösser. Clubs wie FK Qarabag Agdam oder NK Maribor treten gegen Atlético Madrid oder Liverpool an oder der FC Basel gegen Manchester United. Ungleiche Duelle. Doch jetzt werden selbst Grossclubs wie Real Madrid oder Bayern München noch in den Schatten gestellt. Paris St-Germain leistete sich in diesem Sommer nicht nur Neymar für 222 Millionen Euro, sondern auch das französische Supertalent Kylian Mbappé von Monaco für 180.

Der Uefa-Präsident droht

Genau der Transfer Mbappés lässt einen aber staunen, wurde er doch für eine Saison aufgeschoben – fürs Erste hat ihn PSG von Ligakonkurrent Monaco lediglich ausgeliehen, erst in einem Jahr ist die Ablöse dann fällig. Ein unverhohlener Versuch, das Kontrollorgan Financial Fairplay auszuhebeln, mit dem die Uefa die Auswüchse auf dem Transfermarkt drosseln will. PSG wähnt sich auf der sicheren Seite, die Uefa ermittelt trotzdem gegen den Verein. An diesem Fall wird sich zeigen, ob es dem Kontinentalverband wirklich ernst ist mit der Kostenkontrolle.

In einem Interview mit der NZZ kündigte der slowenische Uefa-Präsident Aleksander Ceferin an: «Wir wollen kein zahnloser Tiger sein. Wenn die Clubs nichts gelernt haben, werden wir sie lehren. Ich meine das sehr ernst, ihr werdet sehen.»

Viele Experten zweifeln an der Bissigkeit des Kontinentalverbandes, vor allem bei der direkten Konkurrenz im europäischen Spitzenfussball ist der Argwohn gross. Der Chef der spanischen Liga, Javier Tebas, forderte die Uefa explizit auf, Ermittlungen aufzunehmen. Er habe sogar eigene Analysen über die Ausgaben der Konkurrenz angeordnet, sagte er, und deshalb sei für ihn klar, «dass Clubs wie PSG, Manchester City oder Chelsea ihre Budgets mit dem Reichtum ihrer Eigentümer künstlich aufgeblasen haben». Man City reagierte auf diese Aussage mit der Androhung einer Klage.

Die blumige Kritik von Christian Streich

Auch aus Deutschland mehren sich kritische Stimmen zum zunehmend ausufernden Transfermarkt. Von Bayern-Präsident Uli Hoeness natürlich, aber auch von Freiburg-Trainer Christian Streich. «Der Gott des Geldes verschlingt irgendwann alles», sagte der.

Der neueste Name im Reigen der Kritiker ist indessen bemerkenswert: Oliver Mintzlaff. Der Deutsche ist Vorstandsvorsitzender von Champions-League-Neuling RB Leipzig und sagte in der TV-Talkshow «Sky 90»: «Wir fordern eine härtere Auslegung des Financial Fairplays. Wer dagegen verstösst, soll nicht mehr am europäischen Wettbewerb teilnehmen dürfen.» Mitzlaffs Hoffnung ist, dass es so zu einem Umdenken kommt.

Nun ist es aber nicht zuletzt sein Verein, der den Generalverdacht nicht loswird, dass er die Regeln im europäischen Fussball biegt und dehnt. Leipzigs Eigentümer, der österreichische Getränkehersteller Red Bull, hat einst die Austria Salzburg übernommen und aus ihr faktisch ein Firmenteam gemacht: Red Bull Salzburg. Heute ist das Unternehmen nur noch Hauptsponsor des Clubs, doch die Strukturen sind derart verschachtelt, dass kaum von zwei getrennten Vereinen die Rede sein kann. Allein die Trikots sehen sich zum Verwechseln ähnlich – und wurden es auch schon: verwechselt.

Wenn RB Leizpig morgen Abend gegen den französischen Meister Monaco erstmals in der Königsklasse antritt, werden zahlreiche frühere Salzburger mit dabei sein. Nicht weniger als 16 Spieler haben die Österreicher in den vergangenen 5 Jahren an Leipzig abgegeben. Einige zu ordentlichen Preisen: So kostete der 18-jährige Franzose Dayot Upamecano 10 Millionen Euro und der damals 22-jährige Guineer Naby Keïta deren 15. Waren das Marktpreise? Oder wurde Salzburg aus Leipzig quersubventioniert? Keïta jedenfalls wird im kommenden Sommer für 70 Millionen Euro zu Liverpool weiterziehen.

Bevor die Uefa nun die Transfers von PSG unter die Lupe nimmt, musste sie sich vor dem Start der laufenden Saison mit der Frage beschäftigen, ob RB Leizpig und Red Bull Salzburg im selben Europacup-Wettbewerb starten dürfen. Denn: Die Statuten verbieten es, dass ein Investor oder Unternehmen über zwei Clubs die Kontrolle hat. Trotz zahlreicher Indizien, dass dem in diesem Fall tatsächlich so ist, entschied sie sich gegen eine Suspension des einen oder anderen Clubs (Salzburg scheiterte dann freilich wie immer in der Qualifikation).

So viel zum Thema: bissiger Tiger. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2017, 17:24 Uhr

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