Wie Marcel Koller das Rennen machte

Ralph Hasenhüttl sagte ab und Martin Schmidt war nur die zweite Wahl beim FC Basel.

Präsident Bernhard Burgener (r.) vertraut Sportchef Marco Streller (Mitte), der sich für Trainer Marcel Koller entschieden hat.

Präsident Bernhard Burgener (r.) vertraut Sportchef Marco Streller (Mitte), der sich für Trainer Marcel Koller entschieden hat. Bild: Keystone

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Marcel Koller, Martin Schmidt und Ralph Hasenhüttl: Das waren jene drei Trainer, über die die Führungsriege des FC Basel in den Tagen ihrer grössten Krise intensiv debattierte. Präsident Bernhard Burgener, Sportchef Marco Streller sowie COO Roland Heri erstellten das Profil, das Streller gestern folgendermassen nachzeichnete: «Wir brauchen einen, der Erfahrung hat. Wir brauchen einen starken Trainer.»

Ralph Hasenhüttl (50, zuletzt RB Leipzig) sagte ab, dem Österreicher war Rotblau eine Nummer zu klein. Mit Schmidt führten die Basler ein Gespräch, doch schon in den Stunden nach dem 1:1 gegen Xamax am letzten Wochenende deutete alles auf Marcel Koller hin (vgl. BaZ vom 31.7.). Der FCB wollte, der 57-jährige Zürcher wollte.

Am Mittwochnachmittag, Stunden vor dem 0:3-Debakel gegen Saloniki, verhandelte Koller mit seinem Berater Dino Lamberti in Burgeners Hauptbüro in Pratteln. Auch Marco Streller war dabei. Als sich die Parteien dann später Richtung St.-Jakob-Park begaben, war man sich in fast allen Punkten einig. Zu diskutieren gab die Frage, wer Koller assistieren darf: Der FCB hätte gerne Marco Schällibaum (56) behalten, Koller dagegen bevorzugte Carlos Bernegger sowie Thomas Janeschitz. Weshalb? Koller zur BaZ: «Mit Carlos wurde ich 2003 bei GC Meister. Er weiss, welche Ideen ich vom Fussball habe. Thomas war sechs Jahre lang mein Assistent in Österreich. Wir hatten eine gute Zeit zusammen.»

Mediales Sommergewitter

Am Ende setzte sich Koller durch. Er erhält in Basel einen Vertrag über zwei Jahre mit Option auf ein drittes. Der Ur-Hopper dürfte als Grundlohn gegen eine Million Franken jährlich einstreichen, eine seiner ersten Sätze im Joggeli: «Der FCB ist ein absoluter Topverein. Das Ziel muss sein, dass der Meisterkübel wieder in Basel bleibt.»

Zwei Meter neben Koller sass gestern um 14.30 Uhr auch Bernhard Burgener auf dem Podium. Über dem Präsidenten und Mehrheitsaktionär ergiesst sich gerade ein mediales Sommergewitter an Kritik. Nun nimmt der 60-Jährige erstmals Stellung zur Trennung von Raphael Wicky. «Wir hatten zum dritten Mal einen Start verpatzt, insgesamt haben wir die letzten sieben Spiele nicht mehr gewonnen», sagt der Unternehmer aus Zeiningen, «nun war es Zeit, zu handeln. Ich wechsle den Trainer lieber zu früh als zu spät.» Tagelang schwieg «BB» nach dem Trainerwechsel in der Öffentlichkeit. Seine Begründung: «2017 habe ich mein Konzept dem FC Basel vorgelegt. Bei mir stehen Inhalte im Vordergrund, nicht mediale Auftritte. Wenn ich Menschen wie Marco Streller vertraue, lasse ich sie in Ruhe arbeiten.»

Der angesprochene Sportchef kann momentan selbst nur den Kopf schütteln, was sich in den letzten acht Tagen über dem FC Basel entladen hat: «Es ist schon wahnsinnig, wie schnell und gnadenlos der Fussball sein kann.»

Weg mit dem Pulverdampf

Mit der Wahl Kollers hofft nun auch Streller, dass sich der Pulverdampf über dem Joggeli verzieht. Alex Frei wird ab heute Morgen wieder wie abgemacht die U18 trainieren, Koller hat schon am Donnerstagnachmittag die Mannschaft übernommen. Sie soll sich nun schnellstmöglich stabilisieren. Im Raum steht, dass sich die Basler nochmals auf dem Transfermarkt verstärken, «doch zuerst», sagt Streller, «soll Marcel Koller alle Spieler kennenlernen. Das braucht etwas Zeit.»

Der zweite Fehlentscheid

Kein Zweifel: Mit der Trennung von Raphael Wicky liegt Burgeners Konzept («Für immer Rotblau») in Trümmern. Nach dem Abgang von CEO Jean-Paul Brigger ist es der zweite krasse personelle Fehlentscheid, den Burgener nun innert 14 Monaten korrigieren musste. «Ich habe meine Aufgabe beim FCB nicht unterschätzt», sagt er dazu, «aber der Trainerwechsel war sicher eine Riesenenttäuschung für uns alle.»

Mit Marcel Koller steht nun ein neuer Mann in der Coachingzone, der wesentlich mehr Machtfülle und Persönlichkeit vereinen wird als sein Vorgänger Wicky. Was das für den FCB bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Präziser ist Koller selbst, wenn er seine Philosophie erklärt: «Ich will aktiv verteidigen. Die Spieler sollen den Ball flach spielen, wichtig ist die Präsenz im gegnerischen Sechzehner.»

Wie schnell die völlig verunsicherten Spieler Kollers Ideen umsetzen: Eine von vielen spannenden Fragen beim rotblauen Krisenclub. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 10:15 Uhr

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