YB lässt die Hacker rein

Als erster Schweizer Fussballclub führt YB ab heute einen Hackathon durch. Die Veranstaltung passt zum digitalen Wandel, den der Meister auch dank sportlichen Erfolgen vollzieht.

Das Stade de Suisse ist Austragungsort des ersten YB-Hackathons.

Das Stade de Suisse ist Austragungsort des ersten YB-Hackathons. Bild: Martin Ruetschi/Keystone

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Wenn YB heute im Stade de Suisse das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Sion absolviert, werden oben in einer Loge 70 Programmierer und Softwareentwickler um die Wette tüfteln. Von Freitagmorgen bis Samstagmittag dauert der erste YB-Hackathon (Wortschöpfung aus Hack und Marathon) – eine Premiere im Schweizer Fussball.

Das Ziel der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Berner IT-Unternehmen isolutions organisiert wird, ist es, gruppenweise innert 24 Stunden Prototypen einer App oder eines Programms zu entwickeln. Eine Aufgabe sieht zum Beispiel vor, die YB-App zu erweitern, sodass während einer Partie Daten wie die Laufleistung der Akteure live abgerufen werden können.

Hier die Fussballer, da die Nerds: Es sind zwei Welten, die aufeinanderprallen. Es hätte wahrscheinlich viele Gründe gegeben, die Veranstaltung nicht durchzuführen, sagt YB-CEO Wanja Greuel. «Aber manchmal muss man etwas ausprobieren, statt ewig abzuwägen.»

Greuel, 41-jährig, ist seit zwei Jahren Geschäftsführer beim Meister und der Meinung, ein Fussballclub dürfe sich neuen Technologien nicht verschliessen. Auf Anfang September hat er mit Reto Steffen einen Leiter Digitalisierung und Prozesse engagiert. Steffen war mit seiner Firma dafür mitverantwortlich, dass YB nun über verschiedene Datenbanken verfügt, in denen unter anderem Informationen zum Gesundheitszustand der Spieler und zu Qualitäten potenzieller Zugänge festgehalten sind. Das hat den Vorteil, sollte etwa Chefscout Stéphane Chapuisat weiterziehen, dass mit ihm nicht auch seine geleistete Arbeit verloren gehen würde.

Bayern als Inspiration

Geht es nach Wanja Greuel, war das erst der Anfang. Ein Ziel ist es, das Ticketingsystem zu modernisieren. Ihm schwebt vor, dass Matchtickets – wie das heutzutage bei Zugbilletten möglich ist – einfach und schnell über die Club-eigene App gekauft werden können. Auch sollen dereinst Saisonkartenbesitzer bei Verhinderung ihr Abo unkompliziert und digital weiterübertragen können. 

Greuel blickt gerne nach Deutschland, wo Bayern München kürzlich die Firma FCB Digital & Media Lab gegründet hat, mit der die mediale Reichweite vergrössert und damit weitere Merchandising- und Sponsoringerlöse erwirtschaftet werden sollen. «Grossclubs wie Bayern haben zwar ganz andere Möglichkeiten als wir», sagt Greuel. Um Trends erkennen zu können, sei es dennoch wichtig, deren Handeln aufmerksam zu verfolgen. So kam ihm auch die Idee für den Hackathon.

Der YB-CEO ist der Meinung, deutschen Clubs gelinge die Verknüpfung von Sport und Wirtschaft besser. «Da haben wir in der Schweiz Nachholbedarf.» Er kann sich vorstellen, dass YB in ein paar Jahren Werbeclips für Sponsoren produziert. Etwa, wie Guillaume Hoarau im Honda zum Training vorfährt und das Auto in ein paar Sätzen bewirbt.

«Produktion und Distribution von eigenen Inhalten werden immer wichtiger», sagt er. Seit einiger Zeit arbeitet YB mit der Berner Firma Newsroom Communication zusammen, die auch Beiträge aus dem Trainingslager und Interviews mit Spielern macht. Zudem wurde der Clubwebsite ein neues Kleid verpasst. «Wir bewegen uns in die richtige Richtung», sagt Greuel.

E-Sports beim Hackathon

Dabei helfen sportliche Erfolge. Ohne Meistertitel und die damit verbundenen Mehreinnahmen hätte er etwa keinen Leiter Digitalisierung einstellen können, sagt Wanja Greuel. In seiner Anfangszeit als CEO sei es das oberste Ziel gewesen, die Kosten massiv zu senken. «Mittlerweile können wir auch mal ein langfristiges Projekt anstossen.» Die zweistelligen Millioneneinkünfte, die YB durch die Teilnahme an der Champions League generiert, bieten weiteren Handlungsspielraum.

Der Hackathon werfe dank der Unterstützung von Partnern gar einen kleinen Gewinn ab, sagt Greuel. Dass von den zehn ausgeschriebenen Programmier-Challenges die Hälfte nichts mit YB zu tun haben, sei ein Kompromiss, den man bei der Lancierung eines neuen Events eingehen müsse, findet Greuel. Dass dabei ein Experte über E-Sports referiert und in einer Ecke der Loge gegamt werden kann, habe nichts weiter zu bedeuten. Der CEO ist zwar der Meinung, mit E-Sports würden sich neue Zielgruppen erschliessen lassen. Derzeit sei dies aber kein Thema.

Und in welchem Fall ist der Hackathon geglückt? «Wir werden keine fertige App präsentieren können», sagt Greuel und meint, es wäre ein Erfolg, wenn alle Beteiligten Spass hätten. Bei den YB-Spielern unten auf dem Rasen ist das anders. Da steht das Resultat stets im Vordergrund. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.10.2018, 07:51 Uhr

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