Buffon spricht offen über seine Depressionen

Der ehemalige italienische Nationalgoalie hat nicht nur gute Zeiten hinter sich. Er erzählt in einem Interview von Panikattacken und Drogen.

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Gianluigi Buffon ist einer dieser allseits beliebten Spieler. Ein Sympathieträger, ein Captain, ein Leader, der aber für jeden seiner Gegner noch so viele Umarmungen übrig hat. Und Gianluigi Buffon ist einer der grössten Goalies unserer Zeit, nur wenige bewegten sich konstant auf diesem Niveau. Doch auch Buffon hat dunkle Zeiten hinter sich. Das verriet er in diesen Tagen dem Magazin «Vanity Fair».

Es sind düstere Worte, die Buffon wählt, um von seinen Depressionen zu berichten. «Für einige Monate hatte alles an Sinn verloren», sagt er zum Beispiel. Und: «Es war, als würde jeder nach Buffon fragen, aber niemand nach Gigi.» Besonders eine Szene ist ihm in Erinnerung geblieben, sie stammt aus seiner Anfangszeit beim italienischen Giganten Juventus Turin, wohin Buffon im Sommer 2001 von Parma wechselte.

Panikattacken vor dem Spiel

Er sei auf einer Erfolgswelle geritten, erzählt Buffon, 25 war er damals. «Aber eines Tages, vor einem Serie-A-Spiel, ging ich zu Ivano Bordon (Juves Goalietrainer) und sagte ihm, er soll Antonio Chimenti (Juves Nummer 2) zum Einwärmen schicken.» Er habe sich nicht bereit gefühlt. Der Grund: «Ich erlitt eine Panikattacke und war nicht in der Verfassung, ein Spiel zu absolvieren.»

Heute geht es Buffon gut. Er ist sich sicher, dass die Erfahrungen von früher ihn zu dem Goalie gemacht haben, der er heute ist und den die Welt in den vergangenen Jahren gesehen hat. Der Italiener war stets einer, der seine Emotionen nicht zu unterdrücken versuchte, zum Beispiel als er mit der Nationalmannschaft die WM 2018 verpasste, sich nach dem Spiel den Reportern stellte und den Tränen nah war. Solche Szenen und die 17-jährige Treue zu Juventus machten Buffon auch ausserhalb Turins und Italiens zu einem der meist respektierten Fussballer.

Gianluigi Buffon nach dem für ihn enttäuschenden Ausgang der WM-Barrage. Video: sporx.com

Das Zeigen von Gefühlen sei für ihn stets ein wichtiger Teil seiner Karriere gewesen, so Buffon weiter. «Ich hatte nie Angst davor. Es sind Dinge, die mir passieren und für die ich mich nicht schäme.»

Er war auch mal Ultra

Buffon steht heute im Herbst seiner Karriere, von der Squadra Azzurra hat er sich verabschiedet, es war Zeit, jüngeren Spielern Platz zu machen. Und auch seine Ära bei Juventus endete im vergangenen Sommer. Seither spielt Buffon bei Paris St-Germain und kommt da auf eine beachtliche Zahl Einsätze, 13 sind es bisher. Buffon ist mittlerweile 40 und teilt seinen Posten im Tor mit dem 25-jährigen Alphonse Areola.

Im Interview mit «Vanity Fair» erzählt Buffon aber auch noch von einer anderen Zeit. In der Jugend folgte er dem Fussballclub Carrarese Calcio, der heute in der italienischen Serie C spielt. Wobei: folgte ist hier das falsche Wort. «Ich war ein Ultra», sagt Buffon, «als ich jung war, hatte ich ein Gefühl von Allmacht und Unbesiegbarkeit.» Er habe gedacht, er hätte alles tun können, was er gewollt hatte.

In seiner Zeit als Anhänger von Carrarese habe er auch Drogen genommen. Einmal, versichert Buffon. Sich nicht mit Drogen vollzupumpen, seien Prinzipien gewesen, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gegeben hätten. Einem Zug an einem Joint aber habe auch er nicht widerstehen können. Das Einzige, woran er sich erinnere, sei die riesige Wolke, die die Fans in der Kurve umhüllte. «Eine Wolke, verursacht durch 200 Joints», so Buffon.

Aus diesem Ultra, der seine Erfahrungen mit Drogen und Depressionen gemacht hatte, wurde später einer der besten Goalies, ein Weltmeister und mehrfacher italienischer Meister. Nur etwas fehlt Buffon in seiner Sammlung: die Champions League. Und wenn er nun auch mit PSG scheitert, ja, auch dann wird er wohl wieder einige Tränen vergiessen. Weil es einfach zu Gianluigi Buffon gehört. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2019, 15:21 Uhr

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