Der ewige Walker

Cheftrainer gehen, doch Marco Walker bleibt – und wird in der neuen FCB-Saison noch wichtiger.

Koordinations- und Passübungen, Hütchen und Stangen: Marco Walker kümmert sich beim FCB ums Einlaufen und vertraut dabei auf sein inneres Gefühl.

Koordinations- und Passübungen, Hütchen und Stangen: Marco Walker kümmert sich beim FCB ums Einlaufen und vertraut dabei auf sein inneres Gefühl. Bild: Keystone

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Beim FC Basel, da sind sich alle Beobachter längst einig, gibt es so gut wie keinen Aspekt, der die Öffentlichkeit nicht interessiert. Oder in welchem anderen Super-League-Club wird phasenweise sogar über den Konditionstrainer polemisiert?

Marco Walker lächelt, als er diesen Satz hört. Entspannt sitzt der 47-jährige Solothurner auf der Hotelterrasse in Crans-Montana und beginnt von der Saison 2015/2016 zu erzählen. Es war das erste Jahr mit Cheftrainer Urs Fischer. Der FCB war wie immer auf Meisterkurs, aber in der zweiten Hälfte summierte sich die Zahl der verletzten Spieler auffallend. Plötzlich debattierte der innere Zirkel der Rotblauen nur noch über gezerrte Muskeln und gedehnte Bänder. «Da hatten wir Probleme, und mir ist mein Job nicht zu hundert Prozent geglückt», erinnert sich Walker. Dem Konditionstrainer drohte die Ersatzbank oder sogar die Verbannung auf die Tribüne. Guter Walker, schlechter Walker?

Kalte Muskeln, heisser Walker

Um zu verstehen, wie sehr ihn selbst das alles beschäftigte, muss man zuerst wissen, was Walkers Job-Profil im Trainingsalltag beinhaltet. Er ist verantwortlich für das Einlaufen, heute nennen das alle Warm-up. Wenn die Muskeln der Profis noch kalt sich, ist Walker heiss und hellwach. Während des Warm-ups leitet er Koordinations- und Passübungen. Meistens sind da irgendwelche Hütchen und Stangen im Spiel.

Das Auge funktioniert

Walker gibt die Intensität vor. Die Trainingssteuerung reduziert sich im Kern auf die simplen Worte: nicht zu viel, nicht zu wenig. Stossen die Spieler nicht an ihre Belastungsgrenze, fehlt ihnen im Wettkampf die Puste. Trainieren sie zu hart, übersäuern die Muskeln – die Verletzungsgefahr steigt rasant.

Mit Michael Müller hat der FCB längst einen Leistungsdiagnostiker engagiert, bei dem sämtliche relevanten Daten wie Pulsschlag elektronisch gebündelt werden. Doch Marco Walker ist nicht Michael Müller. «Ich funktioniere über das Auge», sagt er, «und in neuneinhalb von zehn Fällen gibt mir der Computer hinterher recht.»

Zwei Augen und ein Computer reichen jedoch längst nicht, um 26 Fussballprofis zwölf Monate im Jahr fit zu halten. Das Themenfeld ist gewaltig: Wie viel Schlaf braucht ein Spieler? Wie viel Krafttraining? Wie viel Gymnastik? Was isst er wann am besten, und was trinkt er dazu? Da tönt es fast logisch, dass sich der Trainerstab mitunter mit den Physiotherapeuten anlegt. «Natürlich sind wir alle im Trainer- und Betreuerteam nicht immer gleicher Meinung, das ist doch normal», sagt Walker dazu.

Nach der Saison 2015/16 ging auch er über die Bücher und reflektierte kritisch seine Arbeit. Und als eine der Konsequenzen engagierte der Club mit Werner Leuthard einen neuen «Leiter Fitness». Seither sind die Muskelblessuren beim FC Basel deutlich seltener geworden. Aktuell ist sogar nur ein einziger Akteur verletzt: Neftali Manzambi hat einen kleinen Muskelfaserriss.

Nur ein Verletzter

Guter Walker, schlechter Walker – ganz bestimmt ist er aber der ewige Walker. Seit 2009 arbeitet er als Konditionstrainer in Rotblau. Cheftrainer wie Christian Gross, Thorsten Fink, Heiko Vogel, Murat Yakin oder Urs Fischer kamen und gingen, Walker überlebte sie alle. Nur einmal war zwischenzeitlich kein Platz mehr für ihn. 2014/15 brachte Paulo Sousa seine eigenen Assistenten mit. Walker wurde Talent-Manager, für drei Monate half er dann noch an der Seite von Patrick Rahmen beim FC Biel in der Challenge League aus.

Doch mit Urs Fischer kam auch Walker zurück, «vielleicht deshalb, weil ich es halt doch nicht so schlecht mache», wie er lächelnd anfügt.

Teamintern wird Walker hohes Fachwissen nachgesagt, manchmal jedoch wirkt er etwas knorrig, aber vielleicht gehört das einfach zu jemandem, der Gefallen daran findet, tagtäglich bei ein paar Fussballprofis den Puls in die Höhe zu jagen. Walker sagt: «Ich weiss, dass ich nicht jedem passe. Und im Prinzip bin ich als ewiger Walker schon überdurchschnittlich lange dabei. Aber ich habe immer noch eine Menge Spass hier, der FC Basel ist mein Club.»

Mehr Taktik, mehr Walker

Auch der neue Cheftrainer Raphael Wicky (40) ist überzeugt von jenem Mann, den alle nur «Ranger» rufen und der im Berufsleben kurzes Beinteil bevorzugt. Zusammen haben sie im letzten Herbst die Uefa-Pro-Lizenz erstanden. Theoretisch könnte auch Walker nun alleine einen Super-League-Club trainieren. Gefallen findet er an diesem Gedanken, spruchreif ist nichts. Beim FCB steht er bis 2019 unter Vertrag – und die Herausforderungen werden nicht kleiner.

Unter Wicky und dessen Assistenten Massimo Lombardo soll in der neuen Saison Walkers Einfluss in technischen und taktischen Fragen grösser werden. Deshalb ist es auch für Walker ein Neuanfang. Wieder einmal. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 17:46 Uhr

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