Der FCB in Manchester: Mutig, aber nicht tollkühn

Eigentlich kann ein Club wie der FC Basel in Spielen gegen Manchester United nur gewinnen. Wären da nicht die vielen Fragezeichen, die die Basler mit ins Old Trafford nehmen.

Gab sein internationales Debüt gegen die United: Taulant Xhaka. Bild: Getty Images

Gab sein internationales Debüt gegen die United: Taulant Xhaka. Bild: Getty Images

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Natürlich kann sich Taulant Xhaka noch an jenen 27. September 2011 erinnern. Es war sein erster Auftritt in der Champions League. Den vergisst man nicht. Auch nicht, wenn man wie Xhaka erst in der 89. Minute eingewechselt wird, um mitzuerleben, wie Manchester United in letzter Minute noch das 3:3 gegen die eigene Mannschaft erzielt. Es war für Xhaka nicht nur deswegen ein spezieller Abend, weil er sein Debüt in der Königsklasse geben durfte.

Sein FC Basel zeigte damals auch einen der besten Auftritte einer Schweizer Mannschaft im Europacup überhaupt. 0:2 lagen die Basler trotz guter Leistung zur Pause zurück, ehe sie von Trainer Thorsten Fink noch einmal aufgerüttelt wurden: «Seid ihr eigentlich blöd?!? Ihr könnt hier gewinnen!»

Für Xhaka ist klar, dass jenes Spiel dem FCB von heute ein leuchtendes Beispiel sein muss: «Da hat man gesehen, was man erreichen kann, wenn man mutig nach vorne spielt.» Entsprechend versprechen die Basler auch für heute Abend einen beherzten Auftritt.

Die Unterschiede zu 2011

Nur gibt es bedeutende Unterschiede zwischen der heutigen Ausgabe des FCB und jener von 2011. Damals agierte die Mannschaft auf dem Zenit der Ära Fink. Die Spieler kannten das System, sie vertrauten den Anweisungen ihres Trainers. Kein Wunder, fragte sich Fink noch in derselben Nacht im Pub, während seine Spieler die Nacht zum Tag machten, was er nun noch mit den Baslern erreichen könne. Kurze Zeit später war er in Hamburg.

Unter Raphael Wicky dagegen haben sich die Basler noch nicht gefunden. Immer wieder erleben sie während der Begegnungen unerklärliche Leistungseinbrüche. Es sind Schwankungen, die sie sich gegen ein Team vom Kaliber eines Manchester United nicht erlauben können. Sie hängen auch damit zusammen, dass die aktuelle Mannschaft keine Leitwölfe hat wie 2011. Keinen Marco Streller, keinen Alex Frei im Sturm. Und die Jungen hinterlassen bislang nicht den Eindruck, Jahrhunderttalente wie Yann Sommer oder Granit Xhaka zu sein.

Und so ist es verständlich, wenn Wicky vor dem Auftritt in Manchester fragt: «Was bedeutet mutig? Ist es mutig, wenn wir offensiv pressen – und uns dann auskontern lassen? Oder heisst es danach, wir seien naiv ins Verderben gerannt?

Mutig also wollen die Basler sein, aber eben auch nicht tollkühn. Denn auch aus Taulant Xhaka spricht bei aller zur Schau getragenen Angriffslust irgendwann doch noch der Respekt vor der Aufgabe, als er meint: «Es wäre sicher nicht schlecht, mit einem 0:0 in die Pause zu gehen.» Ein frühes Gegentor, so der weiterführende Gedanke, und es dürfte für den FCB ein ganz unangenehmer Abend werden im Old Trafford.

Ohrfeigen ohne Folgen

Nun, der FCB hat schon mehrere Ohrfeigen in der Champions League mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Mit Christian Gross verlor man in Valencia 2:6, unter Paulo Sousa gab es gegen Real Madrid 2014 ein 1:5 – trotzdem wurde die Gruppenphase jeweils überstanden. Mit Urs Fischer schliesslich verloren die Basler bei Arsenal zwar nur 0:2. Doch der taktisch hilflose Auftritt half mit, dem Zürcher den Ruf anzuhängen, kein Trainer für den Europacup zu sein. Dennoch feierte der FCB am Saisonende das Double.

Allerdings hatten sich Gross, Sousa und auch Fischer zuvor durch Resultate in der Liga eine Position erarbeitet, die sie clubintern davor bewahrte, infrage gestellt zu werden. Wicky dagegen hat mit inzwischen drei Spielen ohne Sieg in Serie keine Argumente für sich sammeln können. Umso heftiger würde die Kritik auf ihn niederprasseln, wenn nun auch sein erster Auftritt als Trainer in der Champions League danebenginge.

Und so bekommt ein Auftritt doch einiges an Gewicht, der für den FCB eigentlich ein Moment des Geniessens sein könnte. Eine heftige Niederlage jedenfalls dürfen sich die Basler nicht erlauben. Umso positiver könnte sich im umgekehrten Fall ein starker Auftritt auswirken. Ein gutes Resultat im Old Trafford – und die Basler kommen vielleicht wirklich «ins Rollen», wie das Sportchef Marco Streller ausdrückt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2017, 19:40 Uhr

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