Der zweite Anlauf des Veljko Simic

Der 20-jährige Serbe ist nach zwei Jahren Wartezeit endlich für den FC Basel spielberechtigt. Nun will der Mittelfeldspieler zeigen, warum er beinahe U20-Weltmeister geworden wäre.

«Ich bin sicher, in Zukunft wird es mehr Fotos von mir geben.» Veljko Simic in Crans-Montana.

«Ich bin sicher, in Zukunft wird es mehr Fotos von mir geben.» Veljko Simic in Crans-Montana. Bild: Oliver Gut

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dem Selbstvertrauen hat der beschwerliche Weg nicht geschadet. «Ich bin sicher, in Zukunft wird es mehr Fotos von mir geben», sagt Veljko Simic auf der Hotel-Terrasse in Crans-Montana, da er gebeten wird, für ein Bild hinzustehen, das dokumentiert, dass er Teil des FC Basel ist. Und auch danach, als er das Ergebnis des Shootings sichtet, sagt er ganz klar: «Das erste Foto ist das beste – das müssen Sie nehmen.»

Simic tritt auf wie ein Fussballer, der es bereits geschafft hat. Nicht wie einer, dem in der Vergangenheit vieles zu schaffen gemacht hat. Dabei ist Fakt: Schon seit Sommer 2013 steht der 20-jährige Serbe beim FCB unter Vertrag. Doch für die Profis hat er bis heute keine Pflichtspiel-Minute absolviert. Nicht, weil er dafür nicht gut genug gewesen wäre. Sondern ganz einfach, weil er nicht durfte. Es fehlte die Arbeits- und damit die Niederlassungsbewilligung. Simic hatte bei Vertragsabschluss gemäss der Ansicht des Bundesamtes für Migration zu wenig Erfahrung auf professionellem Niveau gesammelt, um in der Schweiz als Nicht-EU- oder Efta-Ausländer seinem Beruf nachgehen zu dürfen.

Die fehlende Bewilligung

«Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich, das sei ein Witz. Bald jedoch merkte ich, dass dem nicht so ist.» Es begann eine Zeit des Wartens, des Hoffens, denn der FCB stellte ein Wiedererwägungsgesuch. Simic blieb, war provisorisch spiel- und aufenthaltsberechtigt, trainierte mit den Profis, wurde aus Kontingentsgründen aber nur in der U21 eingesetzt. Das Verfahren zog sich hin. Und am Ende, da war die Saison vorüber, als der zweitinstanzliche Bescheid eintraf. Wieder negativ – aber dieses Mal war der Fall wenigstens klar. Simic wurde im Sommer 2014 zu Domzale ausgeliehen, um sich in der höchsten slowenischen Liga mit 20 Pflichtspielen jene Berufserfahrung zu holen, die er für die Schweiz braucht.

«Ich denke, so glücklich wie jetzt war ich in den letzten zwei Jahren nie», blickt Veljko Simic auf eine schwierige Zeit zurück. Auf eine Zeit, die bis zuletzt noch Ungemach für ihn bereithielt: In der Rückrunde mit Domzale riss bei Simic ein Aussenband im Knie, er fiel fast vier Monate aus – und verpasste so auch die U20-WM, wo Serbien am Ende tatsächlich den Titel gewann. Simic, der vor seiner Verletzung in dieser Equipe im offensiven Mittelfeld gesetzt gewesen war, litt zu Hause mit. Und das doppelt. «Einerseits willst du, dass Serbien gewinnt – andererseits wird das, was du verpasst, mit jedem Sieg schlimmer.»

Ist Veljko Simic ein Pechvogel? Er will das nicht so sehen. «Was gewesen ist, hab ich zu akzeptieren gelernt. Ich kann mich nicht über Gesetze hinwegsetzen und ich kann mich nicht selbst heilen, wenn ich verletzt bin.» Die Schweiz habe er trotzdem lieb gewonnen. Und auf die Schweizer Gesetze und Bürokratie angesprochen, antwortet er nicht mit Verbitterung, sondern mit Ironie: «Davon halte ich nur das Beste.»

Der fehlende Eintrag

Im Trainingslager in Crans-Montana nimmt Veljko Simic nun nach zwei Jahren einen zweiten Anlauf beim FCB, der gleichzeitig so etwas wie ein erster ist. Er tut es bereits wieder mit einem kleinen Rückstand. Der Trainingsstart kam für ihn aufgrund des physischen Rückstands nach seiner langen Verletzungspause noch zu früh. Als die Mannschaft an den Tegernsee ins erste Vorbereitungscamp fuhr, blieb er in Basel und trainierte mit der U21-Equipe.

«Wir müssen ihn jetzt beobachten, schauen, wie gut sein Niveau ist», sagt FCB-Sportdirektor Georg Heitz. Erst danach könne man abschätzen, ob der Offensivspieler die anstehende Saison fix als Spieler des rotblauen Profikaders bestreiten werde. Dazu passt, dass man auf der Website des FC Basel bislang sowohl beim Fanionteam als auch bei der U21 noch vergeblich nach einem Eintrag zu Simic sucht.

Das fehlende FCB-Debüt

«Ich bin nicht der Webmaster», sagt Simic lächelnd. Für ihn ist klar, dass er nicht wieder ausgeliehen werden will. Er ist überzeugt, dass er heute ein besserer Fussballer ist als vor zwei Jahren, als er mit dem Versprechen eines grossen Talents von Roter Stern Belgrad nach Basel kam. Die Erfahrung in Slowenien sei positiv gewesen. «Es war keine fremde Kultur, und doch war vieles anders. Ich spreche bis heute nicht Slowenisch, dafür gab es im Club sehr viele, die Serbisch verstanden.» Geht es ums runde Leder, dann habe er bei Domzale das vorgefunden, was er nach dem Jahr des Wartens am Rheinknie gebraucht habe. «Ich erhielt Praxis auf idealem Niveau. Dieses war nicht so hoch wie beim FCB, aber genau richtig, um erst in den Rhythmus zu kommen und mich dann weiterzuentwickeln.»

Nun will Veljko Simic mit beträchtlicher Verspätung zeigen, dass sie beim FC Basel richtig handelten, als sie ihn bis 2018 verpflichteten. «Es bleiben drei Jahre, ich werde meine Chance erhalten», ist er überzeugt. Ungeduldig wirkt der Serbe nicht. Das mit dem Warten, das hat er gelernt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.07.2015, 15:22 Uhr

Artikel zum Thema

Der letzte Zuzug des FCB?

Der Isländer Birkir Bjarnason wechselt per sofort von Delfino Pescara zum FC Basel. Der 27-jährige offensive Mittelfeldspieler unterschrieb einen Dreijahresvertrag. Mehr...

«Ich dachte über einen Transfer nach»

Nach einer ersten Saison in Rotblau mit einigen Hürden will Yoichiro Kakitani nun durchstarten. Mehr...

Erste Aufschlüsse und ein Hilfsmittel

Urs Fischer kennt das FCB-Team von Tag zu Tag besser und nähert sich der Captain-Frage. Es bleiben noch zwei Wochen bis zum ersten Ernstkampf. Mehr...

Dossiers

Kommentare

Blogs

Sweet Home Zeit, sich ums Esszimmer zu kümmern
Tingler Schreiben Sie Tagebuch?

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...