Die Engländer sind Fans des Video-Schiedsrichters

Nach den ersten Einsätzen ist klar: Die Reaktionen sind ganz anders als in Deutschland.

Die Videomonitore für den Schiedsrichter im Amex Stadium in Brighton.

Die Videomonitore für den Schiedsrichter im Amex Stadium in Brighton.

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Während es den Video Assistant Referee (VAR) in Deutschland bereits seit Anfang der Saison gibt, wurde er im englischen Clubfussball am Montag erstmals eingesetzt. Das FA-Cup-Spiel zwischen Brighton und Crystal Palace war die erste von mehreren Partien mit VAR, welchen die englische Liga testet. Ein weiteres Spiel war der Halbfinal im Ligacup zwischen Chelsea und Arsenal. Zudem wird der VAR auch im Final des Ligacups und in weiteren ausgewählten FA-Cup-Partien weiter getestet.

Wenn es nach Mike Riley geht, dem Direktor der professionellen Schiedsrichter in England, wird der Video-Schiedsrichter im Durchschnitt nur in jedem zweiten oder dritten Spiel notwendig sein. Das Ziel ist, die Hälfte aller Fehlentscheidungen zu eliminieren, da die Schiedsrichter in England zurzeit bei 96 Prozent ihrer Entscheidungen richtig liegen.

Positive Reaktionen

«Wir haben hart daran gearbeitet, den ganzen Prozess so effizient wie möglich zu gestalten. Normalerweise sollte es zwischen 30 und 40 Sekunden dauern, die Bilder zu analysieren und eine Entscheidung zu treffen.» Riley sagt allerdings auch, dass es bis zu zwei Jahre brauche, bis das System dem Fussball wirklich weiterhelfen könne.

«Wir haben die letzten zwei Jahre daran gearbeitet. Die Schiedsrichter freuen sich auf die Möglichkeit, es zu testen. Wir wollen eigentlich, dass etwas passiert, damit wir demonstrieren können, wie gut es funktioniert.»

Einen ersten Einsatz hatte der Video Assistant Referee gegen Ende des Spiels im FA-Cup, als Brighton-Stürmer Glenn Murray die vermeintliche Führung erzielte. Sofort entschied der Schiedsrichter, sich die Szene nochmals anzuschauen, um zu überprüfen, ob es Offside war oder ob Murray den Ball mit der Hand gespielt hat. Nach wenigen Augenblicken wurde entschieden, dass alles regelkonform ablief, und der Treffer galt. Crystal Palace schied durch dieses Tor zum 2:1 aus, und dennoch hatte Palace-Trainer Roy Hodgson nach dem Spiel keine Mühe mit dem Entscheid des VAR.

Glenn Murrays Tor zum 2:1. Quelle: Youtube

«Neal Swarbrick hatte einen besseren Blickwinkel, und Murray berührte den Ball nicht mit der Hand. Ich beglückwünsche das System und habe keinerlei Probleme mit dem Tor. Wenn man sich die Situation mehrmals anschaut, wie sie es getan haben, sieht man, dass es eine harte Entscheidung gewesen wäre, kein Tor zu geben.»

Conte und Wenger sind sich einig

Auch beim zweiten Spiel mit VAR wurde sofort davon Gebrauch gemacht. Zweimal wurde eine strittige Penalty-Situation angeschaut, und es wurde jeweils gegen einen Penalty für Chelsea entschieden.

Chelsea-Trainer Antonio Conte sprach nach der Partie nur positiv über den Video-Schiedsrichter: «Ich denke, dass alle weniger Fehler im Spiel sehen wollen. VAR könnte auf jeden Fall für alle positiv sein. Die Schiedsrichter können, wenn sie sich nicht sicher sind, die Situation nochmals anschauen und die beste Entscheidung treffen.» Allerdings sagte der Italiener auch, dass man die Nachspielzeit anpassen müsse. «Wenn mehrere Situationen angeschaut werden müssen, muss die Nachspielzeit dann auch acht oder neun Minuten lang sein.»

Auch sein Gegenüber Arsène Wenger war zufrieden mit dem VAR: «Es war interessant, zum Teil ging es ein wenig zu lang, bis eine Entscheidung gefällt wurde. Aber alles in allem funktionierte es gut.»

Dies sind nun die Reaktionen nach zwei Spielen. Dass nicht alles reibungslos funktioniert, zeigen die Beispiele aus der Bundesliga, wo man mit dem VAR nicht mehr zufrieden ist. Rudi Völler, der Sportdirektor von Bayer Leverkusen, sagte zuletzt, dass er sich am Anfang noch darauf gefreut habe, doch dass er seine Meinung nach einem halben Jahr geändert habe und nicht denke, dass er besser werden würde.

Dazu ergab eine Umfrage von «Kicker», dass 47 Prozent von 219 anonym befragten Bundesligaspielern sich für das sofortige Ende des Experimentes aussprechen.

Anstatt das Spiel fairer zu gestalten, gibt es in der Bundesliga mehr Beschwerden und Kritik als zuvor. Es bleibt abzuwarten, ob die Engländer auch nach längerem Gebrauch des VAR immer noch so positive Reaktionen zeigen oder ob es sich gleich entwickelt wie in Deutschland.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 10:33 Uhr

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