Die Fünf-Millionen-Euro-Frage

Dimitri Oberlin hat im Herbst international brilliert – doch reicht das, um ihn zu verpflichten?

Ist schwer zu stoppen – aber nur, wenn er Platz hat. Bis Ende April muss der FCB entscheiden, ob er eine Kaufoption auf Dimitri Oberlin (l.) einlöst.

Ist schwer zu stoppen – aber nur, wenn er Platz hat. Bis Ende April muss der FCB entscheiden, ob er eine Kaufoption auf Dimitri Oberlin (l.) einlöst. Bild: Keystone

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Beim FC Basel gibt es vor dem heutigen Nachholspiel in Lausanne einige Profis, zu denen man sich Gedanken machen kann. Warum brilliert Mohamed Elyounoussi in Manchester, bringt aber sonst plötzlich keine Leistung mehr? Warum trifft Michael Lang gegen City, kann aber gegen Luzern kaum etwas zur Offensive beitragen? Und wie lange braucht eigentlich Ricky van Wolfswinkel, bis er wieder ins Tor trifft? So lauten einige der wichtigsten Fragen, wenn es im Zuge von drei Liga-Niederlagen darum geht, das Basler Kader zu durchleuchten.

Es sind Fragen, auf die in erster Linie die betroffenen Spieler selbst und ihr Trainer Raphael Wicky Antworten finden müssen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Eine andere Personalie hingegen, die wird in den kommenden Wochen auch die Chefetage der FC Basel 1893 AG beschäftigen, weil es dabei darum geht, ob man tatsächlich eine erhebliche Investition tätigen soll: Bis Ende April kann der FCB bei Red Bull Salzburg eine Option auf die definitive Übernahme von Dimitri Oberlin einlösen. Für fix vereinbarte fünf Millionen Euro Ablöse – nur die Rückholaktion von Alex Frei (rund sechs Millionen Franken Ablöse an Dortmund) kostete in der rotblauen Geschichte mehr.

Mit Spektakel

Der wichtige Unterschied zwischen den beiden Transfers findet sich in der Ausgangslage: Alex Frei war damals 30. Ein fertiger Stürmer, der kam, um beim FCB zu bleiben. Und der Statistiken aus Deutschland und Frankreich vorweisen konnte, die – gute Gesundheit vorausgesetzt – so etwas wie eine Tor-Garantie für den FCB bedeuteten. Bleibt Oberlin gesund, ist das nur die Basis. Doch wovon, weiss keiner. Denn über den 20-jährigen Romand lässt sich vieles behaupten – aber bestimmt nicht, dass er ein fertiger Spieler ist und dass absehbar ist, was er dem FCB bringen wird.

Für seine Verpflichtung sprechen seine Auftritte im Herbst auf der grossen Bühne. Sprechen vier Tore, die er in der Gruppenphase der Champions League erzielte und mit denen er zum Spektakelmacher eines Achtelfinalisten wurde. Und spricht ein Sprint über das gesamte Spielfeld, der seinem ersten dieser vier Treffer – dem 2:0 gegen Benfica Lissabon – vorausging. Eine Aktion, die das Prädikat «Weltklasse» verdient und die mehr noch als andere Aktionen aufzeigt, dass Oberlins Anlagen viel versprechen.

Ohne Stringenz

Nur: In den ersten Wochen des neuen Jahres vermochte Oberlin diese Leistungen nie zu zeigen. Nicht in den Achtelfinal-Begegnungen mit Manchester City. Und schon gar nicht in den nationalen Partien, wo er sich schon im vergangenen Halbjahr oft schwertat. Es mangelt dabei nicht an der Intensität – aber oft an der Stringenz.

Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass Oberlin sich dann entfalten kann, wenn er Platz hat. Also dann, wenn der Gegner wie in der Champions League mitspielt. Dann, wenn Wickys schneller Umschaltfussball zum Tragen kommt. Oder dann, wenn der FCB führt und kontern kann. Steht die gegnerische Abwehr jedoch tief und massiert, so wie das in der Super League fast immer der Fall ist, dann kommt Oberlin kaum zur Geltung – nicht zuletzt, weil seine Ballführung nicht die engste ist.

Die FCB-Sportkommission muss nun abwägen, ob Oberlins definitive Verpflichtung Früchte trägt. Durch sportlichen Erfolg, der auch Geld bedeutet. Oder durch einen Transfer zu einem grösseren Club, was wohl eine stattliche Ablösesumme nach sich zöge.

Klar ist: Auch wenn Sportdirektor Marco Streller und seine Mitstreiter Feuer und Flamme für Oberlin sein sollten, so wird Bernhard Burgener das letzte Wort haben. Als Besitzer und Präsident hat er Rotblau einen Sparkurs verordnet. Er überlegt entsprechend genau, wofür er wie viel Geld ausgibt … (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.03.2018, 09:19 Uhr

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