Die Halbzeit-Meister

Der FC Basel wäre Tabellenführer, wenn die Spiele nur 45 Minuten dauern würden. Wieso der FCB nach der Pause oft einbricht, ist bei den Baslern ein grosses Rätsel.

Drei Stiche ins rotblaue Herz. YB schossen den FCB in den letzten 20 Minuten ab – dreimal musste Jonas Omlin den Ball passieren lassen.

Drei Stiche ins rotblaue Herz. YB schossen den FCB in den letzten 20 Minuten ab – dreimal musste Jonas Omlin den Ball passieren lassen. Bild: Keystone

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Gestern konnten sich die Berner mal wieder auf ihre «YB-Viertustung» verlassen. 2:1 durch Miralem Sulejmani in der 79. Minute, 3:1 durch Christian Fassnacht in der 89. Minute – das Spiel gegen den FC Basel war unwiderruflich gedreht. Weil die Berner der Tradition entsprechend in den letzten 15 Minuten die wichtigen Tore erzielten.

In Basel haben sie inzwischen auch so eine zeitliche Marotte entwickelt, die sich verlässlich durch die Saison zieht, sodass man ihr bald einen Namen geben müsste. «FCB-Halbzyyt» vielleicht? Aber anders als bei den Bernern hat der FCB keine Phase, in der er das Tor besonders häufig trifft. Stattdessen hat er sich eine ganze Spielhälfte dafür reserviert, in der er oft seine Führungen verspielt und so Punkte herschenkt.

Bei der 1:3-Niederlage gegen die Berner war es bereits zum sechsten Mal in dieser Saison der Fall, dass die Basler eine gute Ausgangslage nach 45 Minuten aus der Hand gaben und am Ende mit weniger Punkten dastanden.

Wo liegt der Grund?

Angefangen hat all das am ersten Spieltag gegen St. Gallen. 0:0 stand es zur Halbzeit, ehe die Ostschweizer am Ende mit 2:1 gewannen. Dann das Spiel auswärts gegen den FC Zürich, bei dem aus einem 1:0 ein 1:1 wurde. In Lugano führte man zur Pause ebenfalls 1:0 und beendete die Partie mit einem 2:2. Zu Hause gegen Xamax liess man sich ein 1:0 noch aus der Hand nehmen. Und beim 2:4 in Thun verspielte man ein 2:1 aus der Halbzeitpause ebenfalls noch.

Nur zwei Partien hat der FCB in der zweiten Hälfte zum Positiven gewendet.

Es ist tatsächlich so, dass die Basler Tabellenführer wären, wenn die Spiele in der Super League nach 45 Minuten beendet wären:

Da eine entsprechende Regeländerung in absehbarer Zukunft aber kaum zur Debatte steht, stellt sich die Frage: Wieso bekommen die Basler ihr Problem nicht in den Griff?

Kann das reichen?

Seit Wochen reden Spieler und Trainer nun schon davon, dass man diese Schwäche angehen müsse. «Wir arbeiten daran», ist so ein Satz, den man in den letzten Wochen verdächtig häufig gehört hat. Aber offenbar war bislang nicht mal die Suche nach den Gründen erfolgreich. «Wenn wir wüssten, woran es liegt, dann könnten wir es ja ändern», sagt Silvan Widmer und klingt dabei ähnlich verzweifelt wie Marcel Koller, der es bis heute nicht geschafft hat, dem Team das Selbstvertrauen, die Kondition oder die richtigen Anweisungen an die Hand zu geben, damit seine Spieler nach der Pause zulegen statt abbauen.

«Es ist in unseren Köpfen, das können wir nicht leugnen», sagt Widmer, «in manchen Situationen sind wir uns vielleicht zu sicher und haben das Gefühl, dass wir es im Griff haben – aber wir haben es nicht im Griff.» Aber auch die Kondition scheint ein Thema zu sein, wenn ein Spieler wie Widmer sagt, dass er am Ende «platt» gewesen sei. «Wir müssen künftig einfach noch aggressiver und noch konzentrierter auftreten», sagt der 25-Jährige. Ob das reicht?

Inzwischen sind ja nicht nur die Basler Spieler unsicher, wenn sie aus der Kabine kommen. Inzwischen wissen auch die Gegner, dass eine Halbzeit gegen den FCB häufig schon reicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.12.2018, 10:14 Uhr

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