«Die Uefa hat keine Einwände gegen Burgener»

Martin Wagner erklärt, warum der angehende FCB-Präsident in keinen Interessenkonflikt gerät.

Fingerzeig auf das gelobte Land Champions League. Der angehende FCB-Sportdirektor Marco Streller vor einem grossen Spiel in der Königsklasse.

Fingerzeig auf das gelobte Land Champions League. Der angehende FCB-Sportdirektor Marco Streller vor einem grossen Spiel in der Königsklasse. Bild: Keystone

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Kein Tag ohne Gesprächsstoff rund um den FC Basel. Eine der brisanten Fragen: Kann Bernhard Burgener (59) unbefangen als neuer FCB-Präsident loslegen? Seit Jahren spielt der Medienmanager bei der Vermarktung der Champions- und Europa-League eine Rolle. In diesen europäischen Club- Wettbewerben hat der FCB manche Sternstunde erlebt. Im grossen BaZ- Interview bezieht Martin Wagner (56) klar Stellung. Der Basler Wirtschafts­anwalt ist seit über zwanzig Jahren das juristische Gewissen von Burgener und spielt auch in dessen FCB-Trans­aktion momentan eine entscheidende Rolle hinter den Kulissen.

BaZ: Martin Wagner, gerät Bernhard Burgener in einen Interessenkonflikt, wenn er als neuer Eigentümer das Präsidentenamt des FC Basel übernimmt?
Martin Wagner: Das ist eine gute Frage, der ich hier gerne die Brisanz nehme. Bernhard Burgener gerät bestimmt nicht in einen Interessenkonflikt.

Weshalb nicht? Die TEAM-Gruppe in Luzern vermarktet die Champions- und Europa-League.
Unter dem Dach der TEAM-Holding, einer Beteiligungsgesellschaft der Highlight Communications, laufen die beiden Gesellschaften TEAM Football und TEAM Marketing. Die Abteilung TEAM Football ist im Besitz eines Agenturvertrages mit der Uefa, der TEAM erlaubt, die drei Club-Formate Champions League, Europa League und europäischer Supercup zu vermarkten. Sämtlichen Abteilungen stehe ich als Verwaltungsratspräsident vor. Burgener ist Ver­waltungsrat – nicht mehr und nicht weniger. Die komplette Führungsstruktur von TEAM ist auf mich ­ausgerichtet, nicht auf Burgener. Demnach ist es falsch, wenn medial verbreitet wird, dass er die Champions League vermarktet. Das macht das Management und dieses berichtet ausschliesslich an mich.

Aber Burgener sitzt im gleichen Boot wie Sie.
Glauben Sie, dass ich in meiner Funktion als Burgeners Anwalt und Verwaltungsratspräsident von der TEAM-Gruppe einen Vertrag mit dem FCB aushandle, der dieses System aus den Angeln hebt? Sicher nicht. Das Verhältnis wird nicht belastet. Und überdies: Die Uefa ist im Bild.

Wie meinen Sie das?
Der europäische Verband hat keine Einwände, wenn Burgener beim FC Basel einsteigt. Dafür habe ich für Burgener bei der Uefa drei Garantien geliefert.

Welche?
Er ist in keiner Form in das operative Tages­geschäft von TEAM involviert, er war es auch noch nie. Zweitens: Die relevanten Informationen, die ich Burgener liefern werde, beschränken sich auf jene öffentlich zugänglichen Zahlen, die bei einem börsenkotierten Unternehmen jeder im Internet abrufen kann. Und drittens wird er aus sämtlichen Verwaltungsräten austreten, sollte sein Engagement beim FCB Tatsache werden. Das ist eine reine Vorsichtsmassnahme zur Darstellung der Chinese Walls, wenn ich diesen Begriff aus der Finanzwelt verwenden darf. In der Highlight Communications bleibt er Verwaltungsratspräsident, und wie erwähnt hat er dort nur Zugang zu den öffentlichen Kennzahlen.

Demnach sind Zweifel einer möglichen Befangenheit tatsächlich fehl am Platz? Die Handelszeitung hat am Donnerstag etwas anderes geschrieben …
Ich kann das nicht nachvollziehen. Denn Burgener wird bei TEAM- Holding – salopp formuliert – wie ein Club behandelt. Und mit Clubs pflegen wir keine Kommunikation, das macht die Uefa.

Zum Thema FC Basel. Wo stehen Sie konkret mit den Verhandlungen – liegt ein entsprechender Vertrag schon vor?
Bernhard Burgener ist noch nicht FCB-Präsident. Das muss gesagt sein, auch wenn es langweilig tönt. Und ich finde es unfair, wenn sämtliche Gremien, die dieser Transaktion zuerst zustimmen müssen, vor vollendete Tatsachen gestellt würden.

Was meinen Sie damit?
Wird sein Konzept vom Ausschuss und später von der ausserordent­lichen oder ordentlichen Generalversammlung des FC Basel nicht genehmigt, wird Bernhard Burgener nicht FCB-Präsident. Das sollte bei allen kruden Spekulationen, die momentan durchs Land jagen, nicht vergessen werden.

Wie sieht Burgeners Konzept im Detail aus?
In groben Zügen steht es, momentan ist er an der Feinabstimmung. Er prüft Strukturen und Abläufe und überlegt, wer wohin passen könnte. Aber es ist definitiv zu früh, über Namen zu reden.

Welche Rolle spielen Sie im «neuen» FC Basel?
Keine. Das kann ich Ihnen garan­tieren.

Alle reden nur über den neuen Sportvorstand mit Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni …
Der FC Basel bleibt in guten Basler Händen: Das ist das oberste Gebot in Burgeners Konzept – auf allen Stufen. Das betrifft also nicht nur die Besitzverhältnisse, sondern auch das operative Tagesgeschäft. Details des Club­lebens wird Burgener zu gegebener Zeit offenlegen.

Was befähigt Bernhard Burgener, ein guter Nachfolger von Bernhard Heusler zu werden?
Bernhard Burgener hat eine direkte Vergangenheit beim FCB, er sass zwischen 1993 und 1996 im Vorstand. Seit den späteren Neunzigerjahren hatte er direkten Einblick in den europäischen Clubfussball samt dessen Entwicklungen.

Was heisst das?
Modus-Diskussionen, die Kommerzialisierung des Fussballs, die Entwicklung der Zuschauerzahlen, die Fan- Arbeit bis hin zur Sicherheit in den Stadien: In allen wesentlichen Trak­tanden, die den Spitzenfussball in den letzten Jahren beschäftigt haben, war Burgener involviert. Das gibt ihm das Wissen, um auf oberster Ebene als Stratege zu wirken.

Woran könnte sein Konzept scheitern?
Letztlich nur am Votum der zuständigen Gremien. Er wird sicher kein Alleinherrscher sein, sondern die Aufgaben auf mehreren Schultern verteilen. Das war immer so bei ihm. Er wird sämtliche Abläufe im Tagesgeschäft überwachen und punktuell eingreifen.

Ist Burgener ein Teamplayer?
Auf jeden Fall.

Als sein Anwalt müssen Sie das ja sagen!
Nein. Ich sage das, weil es der Wahrheit entspricht. Er bevorzugte in den letzten Jahren immer eine föderalistische Führungsstruktur. Auf eine One-Man-Show hat er stets verzichtet.

Wird Urs Siegenthaler neues Mitglied im FCB-Verwaltungsrat?
Das ist reine Spekulation. Ich betone es nochmals: Jeder Name, den Sie in der Zeitung nennen, ist unseriös! In Burgeners Papieren geht es um eine Basler Eigentümer- und um eine Basler Führungsstruktur.

Wie viel Geld muss Burgener in die Hände nehmen, um das Aktienpaket zu übernehmen?
Wir reden hier von einer Transaktion. Nicht zu vergleichen mit einem Einkauf in der Migros, wo ich für einen Franken Schokolade kaufe. Viele Faktoren werden bei der Übergabe eine Rolle spielen. Ich sage nur so viel: Der Deal ist für Burgener machbar.

Es könnte teuer werden. Der FC Basel war sieben Jahre en suite profitabel.
Das stimmt, aber der FC Basel steht auch vor riesigen Herausforderungen. Denken Sie nur an das neue Format der Champions League. Der Sprung in den elitären Zirkel wird immer schwieriger. Das birgt Risiken.

Dennoch ist in der Stadt Basel eine gewaltige Aufbruchstimmung zu spüren …
Es ist nicht zu glauben, wie viel Kraft dieser FC Basel ausstrahlt, wie er die Massen bewegt. Das ist fantastisch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.02.2017, 08:26 Uhr

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