Ein Künstler geht

Der Rücktritt trifft den ganzen FCB am Nerv, vor allem Marco Streller.

Der Sportchef und sein Spielmacher. Marco Streller (l.) tröstet Matias Delgado, der eben unter Tränen seinen Rücktritt verkündet hat.

Der Sportchef und sein Spielmacher. Marco Streller (l.) tröstet Matias Delgado, der eben unter Tränen seinen Rücktritt verkündet hat. Bild: Keystone

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Wann hat es das beim FC Basel schon mal gegeben? Ein Fussballprofi gibt im Medienraum unter Tränen seinen Rücktritt bekannt. Und entschuldigt sich beim Club, dass er seinen Vertrag nicht erfüllen kann, den er vor ein paar Monaten eben noch um eine Saison verlängert hat.

Es war ein berührender Moment, als Matias Delgado nach dem 3:1 gegen Luzern vor die Presse trat, um kurz vor 19 Uhr seinen Abgang als Spitzenfussballer zu verkünden. Und es zeugte von grosser Klasse, dass eine Handvoll FCB-Fans Zutritt in den Medienbereich fanden – und ihrem Liebling lautstark und herzenswarm huldigten.

Mit Matias Delgado verliert der FCB seinen Spiritus rector im Mittelfeld, der spürte, wie dünn die Luft für einen 34-Jährigen auf diesem Niveau werden kann. Aber auch wenn er im konditionellen Bereich Defizite offenbarte: Delgado war ein Künstler, der den Ball liebte. «MED» tat diesem FC Basel gut. Als grandioser Fussballer. Und als warmherziger, feiner Mensch.

Er reiht sich ein in die Liste der ganz Grossen, die den Verein in den letzten acht Jahren mit acht Titeln so geprägt haben: Franco Costanzo, Murat Yakin, Scott Chipperfield, Benjamin Huggel, Alex Frei und Marco Streller.

Die entscheidende Frage ist nicht, wie der neue Trainer Raphael Wicky Delgado im Mittelfeld ersetzen wird. Alternativen für den Platz im Zentrum gibt es genug. Viel dramatischer ist das Werweisen, wie nun der neue Brückenbauer zwischen Zuschauer und Mannschaft heisst. Dringend gesucht ist ein Identitätsstifter, ein neuer Mister FCB, der das Zeug zum Publikumsliebling hat. Bei allem Respekt vor einem Taulant Xhaka, einem Michael Lang oder Marek Suchy – ein neuer Delgado ist weit und breit nicht in Sicht.

Sein Rücktritt trifft den ganzen FCB am Nerv, vor allem Marco Streller. Auf dem einstigen Stürmer lastet ab sofort noch mehr Druck. Er ist im Tagesgeschäft das Gesicht des neuen FCB nach der Ära Heusler/Heitz – nicht Bernhard Burgener, der das Feld gerne den anderen überlässt.

Gleichzeitig ist «Strelli» nach wie vor der populärste Angestellte des ganzen Vereins – obwohl er seit über zwei Jahren nicht mehr auf dem Platz steht. Das sagt sehr viel über die Identität der aktuellen FCB-Mannschaft aus.

Dass Delgado so kurz nach Saisonstart Schluss macht, wird die Spekulationen ins Kraut schiessen lassen. Streller ist als Sportchef und Integrationsfigur gefordert. Er schiebt Doppeldienst.

marcel.rohr@baz.ch (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.07.2017, 07:18 Uhr

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