Emsiges Treiben zwischen Basel und Barcelona

FCB-Sportchef Marco Streller führte in Katalonien Kooperationsgespräche. Werden die Basler zum Farmteam des FC Barcelona?

«Die Gespräche mit Barcelona sind absolut unkompliziert und offen.», schwärmt Marco Streller.

«Die Gespräche mit Barcelona sind absolut unkompliziert und offen.», schwärmt Marco Streller.

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Der Match auf dem Letzigrund? Nicht weiter erwähnenswert. Ein typischer Kehrausball – zumindest aus Basler Sicht. Wenn es im Profifussball um nichts mehr geht als die Ehre, können die Dämme schnell brechen. Das 4:1 für den FC Zürich markierte die höchste Saisonniederlage für den FC Basel, der drei Tage nach der Gala gegen YB auf allen Ebenen enttäuschte.

Viel spannender ist das, was in Basel hinter den Kulissen läuft. Zum Beispiel im Trainerstab. Am Samstag gab der Club bekannt, dass Konditionstrainer Marco Walker (48) den FCB verlassen wird. Seit 2005 war der ehemalige Linksverteidiger im Joggeli engagiert, zuerst bei den Junioren, ab 2009 bei den Profis, «eine lange Zeit», wie er gegenüber der BaZ selbst sagt.

Nun möchte Walker selbst mehr Verantwortung übernehmen, «mehr machen»; der Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz sucht eine neue Aufgabe, die in der Schweiz oder im Ausland liegen kann. Es gebe «lose Anfragen, nichts Konkretes», und Walker nimmt mit seinem Abgang ein gewisses finanzielles Risiko auf sich.

Das Dossier Leuthard

Auch Walker war ein Teil jenes starken FC Basel, der zwischen 2010 und 2017 acht Meistertitel in Serie eroberte. Seine direkte, manchmal auch leicht zynische Art kam intern nicht immer nur gut an. Die Luftveränderung wird beiden Parteien guttun. Walker, als Fachmann absolut unbestritten, sagt: «Der Schritt ist für alle richtig.» Cheftrainer Raphael Wicky sagt: «Wir haben uns darauf geeinigt, dass er uns verlässt. Mehr möchte ich nicht sagen.» Das sagt einiges.

Walker ist nicht die einzige Veränderung, die es im Stab um Wicky geben wird. Man darf davon ausgehen, dass auch Werner Leuthard (56) den Verein verlassen wird. Der Deutsche liefert seit 2016 als «Leiter Fitness» sehr gute Arbeit ab. Doch das Scharnier zwischen Physioabteilung und Mannschaft hat auch seinen Preis, und beim FC Basel ist man bedacht, die Kosten im Griff zu halten. Und mit Michael Müller hat der FCB einen jungen, fähigen Nachfolger in der Hinterhand.

Emsiges Treiben ist nicht nur in Basel auszumachen, sondern auch in Barcelona. So weilte Sportchef Marco Streller letzte Woche gleich vier Tage lang in Katalonien. Der kleine FCB traf quasi den grossen FCB – unter anderem stand bei Streller ein Gespräch mit Sportchef Robert Fernandez auf dem Programm.

«Stimmt», sagt Streller gegenüber der BaZ, «wir haben uns getroffen und über eine Zusammenarbeit geredet.» Die Idee dahinter: Die beiden Vereine leihen sich Spieler aus. Das können Profis aus der A- oder B-Mannschaft von Barcelona sein; es können aber auch Jugendspieler sein, die der berühmten Akademie «La Masia» entspringen und noch nicht reif für den ganz grossen Fussball sind. Angedacht ist des Weiteren auch ein Austausch auf Trainerstufe. So könnte ein U16- oder U21-Coach der Basler mal zwei Wochen Trainerluft am Mittelmeer schnuppern, während sich im Gegenzug ein spanischer Kollege in Basel umschaut.

Das Dossier Barcelona

«Die Gespräche mit Barcelona sind absolut unkompliziert und offen. Der riesige Club ist enorm bodenständig und bescheiden», schwärmt Streller. Noch sind aber keine Papiere unterschrieben, noch wurde kein Wort über irgendwelche Verträge gesprochen, das Projekt steckt in den Kinderschuhen.

Doch langsam wird klar, was Bernhard Burgener meinte, als er im Juni 2017 bei Amtsantritt von der «Internationalisierung des FCB» sprach.

Die Idee, einen Partnerclub im Ausland zu haben, ist nicht neu. Doch die aktuelle Führung pflegt beste Kontakte zu Barcelona. Kaderplaner Remo Gaugler ist eng befreundet mit Ivan Rakitic, dem grossen Mittelfeldspieler der Katalanen. Auch Gaugler weilte erst kürzlich wieder in Barcelona, wo er seine Kontakte verfeinerte, und auch Marco Streller stattete Rakitic in den letzten Tagen einen Besuch ab.

Kritiker mögen nun einwerfen, dass eine derartige Partnerschaft längerfristig nichts bringt. Die guten Spieler kommen sowieso nicht nach Basel, nur die mittelmässigen würden in der Schweiz parkiert. Und finden sie dann wider Erwarten doch zu Stärke, würde der grosse FC Barcelona sein Schäfchen lieber heute als morgen zurückholen.

Streller kennt diese Einwände und antwortet: «Dennoch kann eine Zusammenarbeit viel Sinn machen. Es gibt immer wieder Situationen in einer Saison, wo man kurzfristig einen Spieler braucht. Und über die Ausbildung in Barcelona brauchen wir nicht zu reden, sie ist eine Inspiration für jeden in diesem Geschäft.»

Man darf gespannt sein, wie sich die Pläne weiter entwickeln. Unter Zeitdruck stehen die Basler in diesem Fall nicht. Für sie gilt es vorerst, das Kader der Saison 2018/19 zu fixieren – sowie eventuell einen Ersatz für Marco Walker zu finden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 07:16 Uhr

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