Fall Ronaldo: Spielten Cyberkriminelle mit?

Superstar Cristiano Ronaldo wird von einer US-Amerikanerin der Vergewaltigung beschuldigt. Sein Anwalt bezieht Stellung.

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Seit dem 28. September sieht sich Cristiano Ronaldo mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert. Damals hatte das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» einen Bericht unter dem Titel «Und dann ist er auf mich drauf» publiziert. Darin schildert Kathryn Mayorga, dass der fünffache Weltfussballer sie im Juni 2009 in Las Vegas zum Sex gezwungen habe. Daraufhin habe er mit 375’000 Dollar ihr Schweigen erkauft, so die 34-Jährige.

Der 33-jährige Stürmerstar bestreitet die happigen Vorwürfe vehement. Nun hat sein Anwalt Peter S. Christiansen im Netz ein umfassendes Statement publiziert. In diesem hält er fest, dass sich Ronaldo «angesichts der Verletzung dieser Vereinbarung (betr. dem Schweigen von Mayorga) gezwungen sieht, nicht mehr zu schweigen».

«Vollständig erfunden»

Im nächsten Satz schreibt Ronaldos Anwalt von einer Lüge, die in den letzten neun Jahren konsequent aufrechterhalten worden sei. «Die Dokumente, die angeblich Aussagen von Herrn Ronaldo enthalten und worüber die Medien berichten, sind vollständige Erfindungen. Nach meinem Verständnis wurden im Jahr 2015 Dutzende Unternehmen (einschliesslich Anwaltskanzleien) aus vielen verschiedenen Wirtschaftszweigen in ganz Europa gehackt und ihre elektronischen Daten von einem Cyberkriminellen gestohlen und erfasst.»

«Dieser Hacker», heisst es in der Stellungnahme des Rechtsbeistands weiter, «versuchte, diese Daten zu verkaufen. Und ein Medienunternehmen hat nun unverantwortlich die gestohlenen Dokumente veröffentlicht, von denen wesentliche Teile verändert und/oder vollständig erfunden wurden.»

Wurden die Beweggründe verdreht?

In den genannten Dokumenten wird Ronaldo ausführlich zitiert. Eine frühere Version hatten die Betreiber der Enthüllungsplattform Football-Leaks dem «Spiegel» zugestellt. Demnach soll Ronaldo ausgesagt haben: «Sie sagte mehrfach Nein und Stopp.» Doch nun stellen die gesetzlichen Vertreter des Juve-Spielers die Echtheit dieses Dokuments infrage. Peter S. Christiansen schreibt: «Um jeden Zweifel auszuräumen, hat Herr Ronaldo immer – wie er es heute getan hat – behauptet, dass das, was 2009 in Las Vegas stattfand, einvernehmlicher Natur sei.»

Der Anwalt geht auch auf das Schweigegeld ein, das Ronaldo an sein mutmassliches Opfer Kathryn Mayorga überwiesen haben soll. Sein Mandant streite jene Zahlung nicht ab, schreibt Christiansen, ergänzt dann allerdings: «Seine Beweggründe, dieser Resolution (jener der gegenseitigen Zustimmung und Freilassung, Red.) zuzustimmen, sind, milde ausgedrückt, verdreht worden.»

Ronaldo habe damals von seinen Anwälten den Rat erhalten, die erhobenen Anschuldigungen privat zu klären. «Um die vermeintlichen Versuche, einen Ruf zu zerstören, der auf harte Arbeit, Athletik und Ehre gegründet wurde, zu verhindern. Unglücklicherweise befindet er (Ronaldo, die Red.) sich jetzt in der Art von Rechtsstreitigkeiten, die in Amerika allzu alltäglich sind.»

Absichtliche Diffamierungskampagne

Peter S. Christiansen kommt unter anderem zum Schluss: «Es ist absolut bedauerlich, dass die Medien eine derart ausgeklügelte und absichtliche Diffamierungskampagne auf der Grundlage gestohlener, leicht zu manipulierender digitaler Dokumente unterstützen oder vorantreiben.» Der Anwalt lässt allerdings verlauten, dass Ronaldo zuversichtlich ist, «dass die Wahrheit diese Kampagne überleben wird und die Gesetze von Nevada eingehalten und durchgesetzt werden.»

Erstellt: 11.10.2018, 14:50 Uhr

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