Im Boot mit dem Terrorpaten

Die Krise um Katar betrifft auch die WM 2022 und damit die Fifa. Nun wird die SP aktiv.

Wanderarbeiter reisen nach einem Arbeitstag in Doha in ihre Unterkünfte zurück.

Wanderarbeiter reisen nach einem Arbeitstag in Doha in ihre Unterkünfte zurück. Bild: Keystone

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Der Emir von Katar ist ein Fifa-Freund, das weiss man. Seit ein paar Tagen kennt ihn die Welt hochoffiziell auch als Terrorpaten.

Aus brisantem Grund: Saudiarabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain werfen dem reichen Golfstaat Unterstützung des Terrorismus vor und haben einen brisanten Embargokatalog angekündigt. Sie wollen Katar vom Rest der Arabischen Halbinsel abschneiden, sie wollen den Staat auf dem Wasser- und dem Luftweg isolieren.

Bildstrecke - Diplomatische Krise in Katar

Der Emir (mit ganzem Namen Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani) gilt als sportbegeistert, er sitzt seit 2002 im Internationalen Olympischen Komitee, er holte die Handball-WM 2015 ins Land, dann die Rad-WM 2016 und eben die Fussball-WM 2022.

Der Druck auf Katar wird nun auch zum Problem der Fifa. Die WM 2022 gilt seit Jahren als umstrittener Termin. Da war die fragwürdige WM-Vergabe, dann die Verschiebung vom Sommer in den Winter wegen der Temperaturen (samt hitziger Energiedebatte über Kühlsysteme), es folgten die Menschenrechtsverletzungen und die miserablen Arbeitsbedingungen der Stadionarbeiter. Nun die neuen Vorwürfe: Die Fifa arbeitet mit Terrorpaten zusammen. Das sitzt – und provoziert Kritik, selbst aus der Fussballfamilie.

Der DFB gibt sich pointiert, der SFV schweigt

Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fussball-Bundes, sagte in der deutschen «Tagesschau»: «Grundsätzlich sollte sich die Fussballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass grosse Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen.»

Der Schweizerische Fussballverband wollte wegen der noch unklaren Faktenlage keinen Kommentar abgeben. Die Fifa sagt, sie sei «in regelmässigem Kontakt» mit dem lokalen Organisationskomitee, möchte sich aber nicht weiter darüber äussern.

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Tatsache ist, dass die Isolationsmassnahmen auch die WM und damit die Fifa betreffen. Einerseits über die Rohstoffe für die Stadien, diese könnten knapp werden und dadurch den Bau verzögern. Andererseits über die Lebensbedingungen der Wanderarbeiter.

Lokale Medien berichten von Hamsterkäufen in den Supermärkten. Esswaren werden auf Vorrat gekauft – auch im Wissen, dass 40 Prozent der Lebensmittel aus Saudiarabien importiert werden. Fabienne Widmer vom Hilfswerk Solidar Suisse sagt, dass diese Panikkäufe zu einer Nahrungsmittelknappheit und später auch zu einer Preisexplosion führen könnten. Treffen würde dies vor allem die Wanderarbeiter, die teilweise unter misslichen Bedingungen arbeiten.

Widmer erzählt von Arbeitern, die entweder gar nicht oder mit mehreren Monaten Verzögerung bezahlt werden. «Zudem müssen sie teilweise horrende Summen für ihre Vermittlung nach Katar aufbringen, was bei vielen zu Verschuldung führt», sagt Widmer. Diese hätten erstens durch die Arbeit kaum Zeit und zweitens kaum Geld, um sich mit Essen einzudecken. «Wir fürchten, dass es für sie prekär wird», sagt Widmer.

Die SP wird aktiv

Solidar hat bereits bei den WM in Südafrika und Brasilien auf Missstände aufmerksam gemacht. Entspannt sich die Lage im Golf nicht, dann ist laut Widmer auch die diplomatische Schweiz gefordert – erste politische Unterstützung dazu hat sie. SP-Nationalrätin Min Li Marti wird den Bundesrat morgen Mittwoch fragen, a) welche Folgen die jüngsten Entwicklungen für die Wanderarbeiter haben und b) wie sich die Schweiz als Domizil der Fifa für die betroffenen Arbeiter einsetzt.

Für SP-Nationalrat Cédric Wermuth hat die Krise im Nahen Osten eine neue Dimension erreicht. Sie ist für ihn ein weiterer Beleg dafür, dass internationale Sportverbände stärker reguliert werden müssen. «Katar zeigt: Die Fifa hat einen erheblichen weltpolitischen Einfluss», sagt Wermuth, dieser Einfluss müsse kontrolliert werden. Bereits 2013 wollte die damalige grüne Nationalrätin Aline Trede mit einem Vorstoss die Arbeiter schützen und gegen die Fifa aktiv werden. Bundesrat und Parlament lehnten ab. Ähnliches dürfte dem Unterfangen wegen der bürgerlichen Mehrheit in diesen Tagen widerfahren. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.06.2017, 21:13 Uhr

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