Neu-Banker Effenberg und die kleine «Fussball-Bank»

Der ehemalige deutsche Nationalspieler wird zukünftig eine kleine Bank bei ihren grossen Geschäften in der Fussballwelt unterstützen.

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Stefan Effenberg war einst Europas Fussballer des Jahres und Champions-League- und Weltpokalsieger mit Bayern München. Als Nationalspieler sorgte er an der WM 1994 mit seinem Mittelfinger für Furore. Und später als Trainer für Skandale anstatt Erfolge. Nach der Karriere war er auch auf dem TV-Bildschirm präsent, bei Unterhaltungsformaten und als Fussball-Experte bei diversen Sendern. Nun schlägt Stefan Effenberg im Alter von 50 Jahren einen neuen beruflichen Weg ein – er wird Banker.

Sein neuer Arbeitgeber ist die kleine Genossenschaftsbank VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG. Die Bank hat 19 Filialen in einem südlichen Landkreis im ostdeutschen Bundesland Thüringen. Das hört sich nach einem ruhigen Bürojob für Effenberg an. Doch was will der ehemalige Fussballer bei dieser kleinen Genossenschaftsbank, und was will die kleine Genossenschaftsbank mit dem ehemaligen Fussballer?

«Seit längerer Zeit steht unser Bankinstitut in einem gedanklichen Austausch» mit dem ehemaligen Fussballprofi, liess die Bank verlauten. Nun sei Effenberg «ein ganz normaler Angestellter und kein Berater oder dergleichen». Die Aussagen Effenbergs bringen schon mehr Klarheit, obschon sie doch auf eine Beratertätigkeit schliessen lassen. «Es geht um Finanzierung und Zwischenfinanzierung von Transfers oder beispielsweise einem Stadionumbau. Mit meiner Erfahrung und meinen Kontakten im Sport will ich helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es darum geht, wo wir finanziell unterstützen.» Das Finanzinstitut will also im grossen Fussballbusiness Fuss fassen und Geld verdienen.

10-Millionen-Kredit an spanischen Grossclub

Die kleine Bank aus dem deutschen Niemandsland zwischen Leipzig und Frankfurt soll in der europäischen Fussballwelt kein unbeschriebenes Blatt sein. So berichtete der «Spiegel» Mitte November von einem 10-Millionen-Euro-Kredit der thüringischen Genossenschaftsbank an den hochverschuldeten ehemaligen Champions-League-Finalisten Atlético Madrid. Bei Zinssätzen bis zu 10 Prozent ein überaus lohnendes Geschäft.

Das deutsche Finanzportal finanz-szene.de machte daraufhin publik, dass rund 13% der vergebenen Kredite der Regionalbank aus dem Bereich Fussball stammen. Diese Fussballkredite haben ein Gesamtvolumen von 58 Millionen Euro. Der spanische Club ist also nur ein Fussballverein unter vielen im Schuldenbuch der VR-Bank.

Der ehemalige Ministerpräsident öffnet Türen

Den Zugang der kleinen Bank zu der grossen Welt des europäischen Clubfussballs stellt die Münchner Firma Score Capital her. Das Unternehmen ist gemäss eigenen Angaben auf die «Working-Capital-Finanzierung von Profifussballvereinen» spezialisiert. Die Verbindung zwischen dem Münchner Finanzunternehmen und der thüringischen Regionalbank dürfte über den VR-Präsidenten der Score Capital zustande gekommen sein, denn dieser ist der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, der seinerseits auch im Aufsichtsrat der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG sitzt.

Der Sinn einer Genossenschaftsbank sind die Kapitalansammlung und Vermittlung von Finanzmitteln an die kleinen Leute. Doch sieht man in den Geschäftsbericht der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG, so liest man von einem Gewinn von fast fünf Millionen Euro im Jahr 2017. Weit mehr, als man von einer ländlichen Genossenschaftsbank wie der VR-Bank erwarten kann. Nun soll Effenberg seine Kontakte in der Fussballwelt zum Wohle der Bank – der Gewinnsteigerung – einsetzen. Dementsprechend dürfte auch die Entlöhnung des Neo-Bankers Effenberg über die des «normalen Angestellten» hinausgehen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.12.2018, 08:43 Uhr

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