Popstar im Wallis, Liebling von Alain Sutter

Der FC St. Gallen stattet Trainer Peter Zeidler mit einem Dreijahresvertrag aus. «Einen grösseren Vertrauensbeweis gibt es nicht», sagt der Deutsche.

Peter Zeidler sagt, warum er Lust auf St. Gallen, Thomas Tuchel und PSG abgesagt hat und warum es mit Matthias Hüppi und Alain Sutter passt. (Video: 20 Minuten)

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Es ist die Rückkehr in die Schweiz. Zeidler war von August 2016 bis April 2017 als Trainer beim FC Sion unter Vertrag. Kaum ein Trainer war im Wallis so beliebt wie der Deutsche. Er bekannte sich zum Wallis, besuchte lokale Veranstaltungen, informierte sich über die Lokalpolitik, interessierte sich für die Belange und Menschen in Sitten.

Das scheint perfekt zu der von Präsident Matthias Hüppi gewünschten «grün-weissen Bewegung, die den Fussball in die Herzen der Ostschweizer tragen soll» zu passen: ein Mann, der den Funken zwischen Fans, Region und Club springen lassen kann. Ein Trainer, der empathisch und integer ist. Der Präsident fasst es in drei Worten zusammen: «Vertrauen, Verlässlichkeit und Sozialkompetenz.»

Zudem hat Hüppi in Zeidler einen feinfühligen Rhetoriker gefunden, der Offensivfussball ankündigt und ihn schon in Sion so gut umgesetzt hat wie lange kein Trainer vor und nach ihm. Den Cupfinal durfte er dennoch nicht coachen. Sechs Wochen vor Saisonende und dem Endspiel gegen den FC Basel entliess Christian Constantin den Trainer. «Er hat später zugegeben, dass das ein Fehler gewesen sei», so Zeidler, «aber das bringt mir jetzt auch nichts mehr.» Dennoch bezeichnet er seine Zeit im Wallis als die bisher schönste in seiner Trainerkarriere. «Ich kam mir fast vor wie ein Popstar.»

Sportchef Alain Sutter spricht von zwei, «die auf der gleichen Wellenlänge aufeinandertreffen». (Video: 20 Minuten)

Der Trainer aus der Rangnick-Schule

Zeidler, der im August 1962 in Schwäbisch Gmünd geboren wurde, war lange Zeit Nachwuchstrainer beim VfB Stuttgart und unterrichtete gleichzeitig Französisch an einem Gymnasium. Später wurde er Co-Trainer in Stuttgart. Von 2002 bis 2004 betreute er Aalen als Cheftrainer und von 2005 bis 2007 die 2. Mannschaft in Nürnberg. Nach einem Intermezzo bei den Stuttgarter Kickers wurde er von 2008 bis 2011 Co-Trainer bei Hoffenheim unter Trainer Ralf Rangnick. «Der Professor» prägte den Fussball, den Zeidler von Beginn an spielen liess. «Ich habe ihm viel zu verdanken», sagt Zeidler.

Im Juni 2015 trat der heute 55-Jährige die Nachfolge von Adi Hütter, dem aktuellen Meistertrainer von YB, bei RB Salzburg an, wo er aber ein halbes Jahr später entlassen wurde. Von Juli 2017 bis zu seiner Verpflichtung in der Ostschweiz trainierte Zeidler den FC Sochaux (Ligue 2).

Zeidler hatte auch ein Angebot als Assistenztrainer von Thomas Tuchel bei PSG auf dem Tisch liegen. Wieso zieht er die Ostschweiz vor? «Zuerst einmal sind das Gerüchte, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Thomas Tuchel und ich uns gut kennen. Er ist einer der besten Trainer, bei meinem Lieblingsclub. Ich bin aber sehr stolz, Cheftrainer in St. Gallen zu sein.»

Mit diesen 3 Worten sagt Präsident Matthias Hüppi, warum Peter Zeidler gut zu ihm und dem FC St. Gallen passt. (Video: 20 Minuten)

Das Lechzen nach Spektakel

Die Erwartungshaltung an Zeidler ist hoch in der Ostschweiz, wo man nach Spektakel lechzt, nach sechs Niederlagen infolge aber eine Baisse durchläuft. «Leute, die aus der Rangnick-Schule kommen, sind geprägt von einem Fussballstil, der sehr aktiv ist und von unheimlich hohem Tempo lebt. Da läuft in den Stadien meistens sehr, sehr viel», sagt Alain Sutter, «das war auch ein entscheidender Faktor, warum das Paket für mich so gut gepasst hat.» Spektakel will auch der Sportchef sehen, wenn auch etwas differenzierter. Denn die bisher 69 Gegentreffer bedeuten die schwächste Abwehr der Liga – schwächer gar als Absteiger Lausanne (64).

Hüppi und Sutter – inklusive Verwaltungsrat – sind überzeugt von Zeidler. «Er ist mein absoluter Wunschkandidat», betonte Sutter. Allerdings darf der Wunschkandidat keinen Assistenten mitbringen. Zeidler muss mit Boro Kuzmanovic einen Vertrauensmann akzeptieren, den ihm der Club vorgibt.

Dafür stattete der FCSG den Nachfolger von Giorgio Contini mit einem Dreijahresvertrag aus. Bei der Welle an Entlassungen in der aktuellen Saison und in Anbetracht dessen, dass nur noch drei Trainer (Adi Hütter, Marc Schneider und Raphael Wicky) im Amt sind, die mit ihren Clubs in die Meisterschaft starteten, ist das ein mutiges Vorgehen. «Nein, das ist ein Statement», korrigiert Sutter. «Wir sind überzeugt davon, dass es die richtige Strategie ist», sagt Hüppi. «Peter Zeidler legt wie der FCSG Wert auf Kontinuität. Er ist einer, der unsere Pläne, die in die Zukunft führen, unterschreibt und mitzieht. Darum ist das der richtige Weg für den FC St. Gallen.» (ete)

Erstellt: 15.05.2018, 15:52 Uhr

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