So wird die neue Club-WM aussehen

Nun also doch: Das neue Turnier mit 24 Teams soll beschlossene Sache sein. Es geht um viel Geld – und plötzlich legt sich der Widerstand.

Geht unbeirrt seinen Weg: Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Geht unbeirrt seinen Weg: Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: Mauricio Duenas Castaneda/Keystone

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Für Karl-Heinz Rummenigge gibt es von der Fifa eine gute und eine schlechte Nachricht. Eigentlich. Denn der Bayern-Vorstandsvorsitzende dürfte zufrieden zur Kenntnis nehmen, dass der unbeliebte Confederations-Cup abgeschafft wird. «Ein Wettbewerb ohne Wert», nannte er ihn vor einem Jahr. Und vor allem: Eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schon überspielten Nationalspieler. Deshalb ist davon auszugehen, dass er nicht damit einverstanden ist, dass statt dem Confed-Cup 2021 die neue Club-WM stattfinden wird. Eigentlich.

Doch selbstverständlich ändert sich die Ausgangslage, wenn mit Millionen gelockt wird. Mit vielen, vielen Millionen. Wie die spanische Zeitung «Marca» schreibt, sollen die 18 Turniertage total 3 Milliarden Euro einspielen – die komplett unter den teilnehmenden Vereinen aufgeteilt werden. Zum Vergleich: Eine ganze Champions-League-Saison generiert 2,935 Milliarden, die EM 2016 hat in einem Monat 2,35 Milliarden an Einnahmen gebracht. Weiter berichtet «Marca», der ebenso wie «La Gazzetta», der BBC und «The Times» die Pläne der Fifa zugespielt wurden: 24 Teams werden in acht Dreiergruppen eingeteilt, sodass total 31 Partien gespielt werden. Zum Vergleich: Bei der WM 2018 werden es 64 Spiele sein, bei der EM 2016 waren es 51.

«Weniger Spiele, mehr Spektakel»

Neben dem Meister des Gastgeberlandes besteht das Teilnehmerfeld aus 12 Vereinen aus Europa, je 2 aus Asien, Afrika und Nordamerika und vier Südamerikanern – um den letzten verfügbaren Platz kämpfen ein weiteres Team aus Südamerika und eines aus Ozeanien. «Marca» sieht im neuen Turnier einen grossen Vorteil, denn zudem ersetzt er neben dem Confed-Cup die bisherige Club-WM, die aktuell im Dezember stattfindet. So hatte beispielsweise Cristiano Ronaldo zuletzt in den beiden bald abgesetzten Wettbewerben total zehn Spiele absolviert, neu wären es noch maximal fünf. Deshalb befindet Reals Hausorgan: «Weniger Spiele, mehr Spektakel.»

Allerdings sehen das bei weitem nicht alle so. In der Vergangenheit hatte es grossen Widerstand gegen die Pläne gegeben, insbesondere von den nationalen Ligen. So hatte sich beispielsweise der Dachverband der Europäischen Fussball Ligen im Auftrag seiner mehr als 30 Mitglieder (unter anderem Serie A, Premier League und DFL) dagegen gestellt. Deren Vorsitzender, Lars-Christer Olsson, sagte: «Dieser Prozess erinnert mich an den Weg der ‹alten Fifa›, den wir aus meiner Sicht eigentlich hinter uns gelassen hatten.» Es bestehe ein deutlicher Mangel an Rücksprache und Transparenz sowie eine absichtliche Manipulation in der Entscheidungsstrukutr der Fifa, schimpfte Olsson weiter in Richtung Fifa-Boss Gianni Infantino.


Video: Infantino vergnügt sich mit Fussball-Legenden

Gianni Infantino kickt mit Maradona, Ronaldo und Buffon in Brig. Video: Tamedia/SDA


Auch Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kritisierte das Vorgehen der Fifa: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Uefa lediglich ein paar wenige Verbände oder Vereine einlädt und dann mit ihnen Dinge diskutiert, welche die Zukunft des gesamten europäischen Fussballs betreffen.» Offenbar wurde die Uefa bei den Diskussionen übergangen, ausserdem dürfte Ceferin natürlich beschäftigen, dass eine solche Weltmeisterschaft unter Vereinen die Champions League empfindlich abwerten könnte. Kommt hinzu, dass ja noch die sogenannte Weltliga im Raum steht – sie ist neben der Club-WM Bestandteil des 25-Milliarden-Angebots, das die Fifa von einer Investorengruppe erhalten hatte.

Grossclubs als Fürsprecher

Dennoch liess sich der Weltverband scheinbar nicht beirren, das neue Turnier sei gemäss «Marca» bereits beschlossene Sache. Auch, weil die ganz Mächtigen einverstanden sind. Real Madrid hat seine Unterstützung schon länger zugesichert, Vorstandsmitglied Emilio Butragueño sagte dem «Kicker»: «Wir glauben, dass es für die Fans ein interessanter Wettbewerb sein würde.» Auch Barça liess über seinen Sprecher verlauten, dass sie sich auf «emotionale, dynamische und prestigeträchtige» Titelkämpfe freuen. Die beiden spanischen Giganten werden an der ersten Austragung sicher dabei sein, denn offenbar wird eine Teilnahme nicht nur sportlich entschieden, sondern es werden Einladungen zur Premiere verteilt – zumindest in Europa. Ab der Ausführung im Jahr 2025 sollen Titel dann eine höhere Gewichtung erhalten.

Ebenfalls die Einladung bereits angenommen haben Juventus Turin, Manchester United und City, PSG sowie: Bayern München. Ob nach Ansicht von Rummenigge die Fussballer in drei Jahren plötzlich nicht mehr überspielt sein werden oder ob ihn das üppige Schmerzensgeld überzeugt hat, ist noch nicht überliefert. Sicher ist nur, wie die «Marca» euphorisch schreibt: «Die Weltmeisterschaft der Zukunft ist Tatsache.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2018, 12:33 Uhr

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