«Wir machen vieles richtig»

FCB-Präsident Bernhard Burgener verteidigt vehement sein Konzept und erbittet noch etwas Zeit.

Viele Hindernisse stellen sich dem FCB in den Weg. In der Offensive ist Rotblau dünn besetzt – Mohamed Elyounoussi (r.) fällt in dieser Saison alles ein wenig schwerer.

Viele Hindernisse stellen sich dem FCB in den Weg. In der Offensive ist Rotblau dünn besetzt – Mohamed Elyounoussi (r.) fällt in dieser Saison alles ein wenig schwerer. Bild: Keystone

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Noch ein letzter Satz, dann gehts ins Flugzeug. «Es wäre mehr möglich gewesen – wenn wir etwas mutiger gespielt hätten», sagt Verteidiger Michael Lang. «Er hat recht», ergänzt Trainer Raphael Wicky, «in der ersten halben Stunde waren wir nicht mutig genug.» Das war es dann im Grossen und Ganzen mit der Aufarbeitung des 0:3 gegen Manchester United zum Start in die Champions League. Es war die erwartete Niederlage gegen den Riesen der Gruppe, dessen virtueller Transferwert aktuell auf rund 565 Millionen Franken geschätzt wird.

Als der rotblaue Tross kurz vor 15 Uhr Ortszeit abhob in Manchester, war Bernhard Burgener längst wieder in Basel am arbeiten. Der FCB-Mehrheitsaktionär hatte frühmorgens die erste Maschine genommen. Und wie war das mit den eigenen Emotionen im prachtvollen «Theatre of Dreams»? Schliesslich erlebte ja auch Burgener seine Premiere als FCB-Präsident in der Champions League. «Es war okay, ich hatte Freude», sagt der 60-Jährige. «Die Mannschaft hat alles gegeben. Vergessen wir nicht, dass wir gegen den Leader der Premier League angetreten sind.»

Das 0:3 in Old Trafford war das achte internationale Spiel hintereinander des FCB seit 2016, das er nicht gewinnen konnte. Der Saisonstart in der Liga – 7 Spiele, 11 Punkte – ist missglückt, rund um den St.-Jakob-Park brodelt die Volksseele. Der «neue» FCB zeigt keinen Champagnerfussball, der tiefe Umbruch an der Clubspitze hinterlässt Spuren. Im Kreuzfeuer der Kritik: Sportchef Marco Streller, im Tagesgeschäft auf allen Kanälen präsent, und Bernhard Burgener, der Mann im Hintergrund. Ihr Konzept «Für immer Rotblau» sei ein Papiertiger, so einer der Vorwürfe.

Der erfolgreiche Unternehmer lässt sich vom aufkommenden Gegenwind nicht irritieren. «Wir machen vieles richtig», findet Burgener. Im Gespräch mit der BaZ arbeitet er jene Leitlinien gleich selbst ab, die er bei seiner Präsentation Anfang April im Plenum versprochen hatte. «Wir wollen den Titel verteidigen, wir wollen international dabei sein, wir wollten das Kader reduzieren, und wir wollten mehr eigene Spieler und Junioren im Team, nun haben wir acht Basler aus dem Campus und der Region. Alles, was wir versprochen haben, wollen wir halten», sagt Burgener.

Delgado wird ersetzt – durch Frei?

Natürlich hängt auch ihm die 1:2-Pleite gegen Schlusslicht Lausanne in den Knochen. Doch fundamentale Kritik an seiner Strategie lässt er nicht zu: «Wir ziehen unsere Linie durch. Aber ein bisschen Zeit brauchen wir halt schon noch, bis alles greift.» Das Konzept soll im Zeitraum zwischen 2017 und 2020 umgesetzt werden.

Nur einmal sind Burgener und Streller seit dem Saisonstart auf dem linken Fuss erwischt worden – beim Rücktritt von Matias Delgado nach dem zweiten Ligaspiel Ende Juli. Wie sehr der Argentinier im kreativen Bereich fehlt, zeigten die letzten Auftritte in der Meisterschaft. Delgado war kein Laufwunder, aber in der Offensive ist das rotblaue Spiel nicht mehr austariert. Es fehlt an Qualität und Quantität. Unter diesem Aspekt ist auch die Rückholaktion von Cedric Itten zu verstehen. Burgener sagt: «Es war nicht unser Plan, dass Delgado zurücktritt.»

Die Führungscrew um Sportchef Streller hatte als Delgado-Nachfolger Pajtim Kasami (25) im Auge. Doch der Schweizer Nationalspieler ist nun in Sion gelandet, obwohl er gerne ins Joggeli gekommen wäre. Burgener: «Ich kommentiere keine Namen. Aber wir waren uns einig, dass wir im August nicht in Hektik verfallen wollten. Es geht darum, dass wir den richtigen Spieler verpflichten. Und das werden wir tun – voraussichtlich in der Winterpause.» Dann soll der Delgado-Nachfolger in Basel sein. Ein heisser Kandidat dafür ist Fabian Frei, der seit über zwei Jahren seinem Bundesliga-Glück in Mainz hinterherrennt. Im Hochsommer war der 28-jährige Ostschweizer noch nicht bereit, zurückzukommen. Das könnte sich während des nächsten offenen Transferfensters im Januar ändern.

Der graue Alltag

Doch das ist die Zukunft. Die Gegenwart führt den FCB via Manchester zurück in den grauen Alltag. Der Druck auf die neue Führungscrew ist nicht zu unterschätzen. Auch unter Urs Fischer war in der letzten Saison nur selten Zauberfussball zu sehen. Aber der Vorgänger von Raphael Wicky gewann in der letzten Saison die Mehrzahl der Spiele. Der Grundtenor der Supporter: Meinetwegen ein neues Konzept – aber gewinnt bitteschön weiter alle Spiele.

«Ich habe schon ganz andere Schlachten geschlagen», versichert Burgener. Das Selbstvertrauen, welches der Präsident vorlebt, will Marco Streller ab sofort auch wieder im Schweizer Alltag von der Mannschaft sehen. «Wir haben wichtige Aufgaben vor der Brust», mahnt der Sportchef. Chiasso im Cup, dann St. Gallen und den FCZ in der Super League. Es kann vieles werden im Joggeli – aber ganz bestimmt nicht langweilig. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 23:55 Uhr

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