«Wir sind das Problem»

Nach dem 0:1 in Luzern deutet beim FCB alles auf eine titellose Saison hin und Trainer Raphael Wicky wirkt ratlos.

«Nach so einem Spiel kann ich doch nicht von einem Meisterrennen reden.» Raphael Wicky, FCB-Trainer mit gutem Ruf und schlechten Resultaten.

«Nach so einem Spiel kann ich doch nicht von einem Meisterrennen reden.» Raphael Wicky, FCB-Trainer mit gutem Ruf und schlechten Resultaten. Bild: Keystone

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Der Blick ging ins Leere. Immer wieder. Beinahe schon gedankenverloren sass Raphael Wicky hinter den Mikrofonen in der Swissporarena, bis irgendwann dieser Satz kam: «Es sieht so aus.» Die entsprechende Frage dazu aus dem Plenum der Journalisten hatte gelautet: «Raphael Wicky, ist das Titelrennen jetzt entschieden?»

Wenn selbst der Trainer des FC Basel keine rhetorischen Klimmzüge mehr macht und zwar nicht resigniert, dafür reichlich deprimiert und ratlos wirkt, dann muss es schlimm stehen um den Serienmeister der letzten Jahre. Die gestrigen Resultate aus der Super League lesen sich aus Basler Optik als Buchhaltung des Grauens: YB bezwingt GC 3:1, Luzern bezwingt den FCB 1:0. Macht elf Tabellenpunkte Rückstand auf die neue Grossmacht aus Bern, de facto sind es gar deren 17 Zähler, weil die Young Boys zwei Partien mehr ausgetragen – und diese gewonnen haben.

Da liegt natürlich die Verlockung nahe, den Bernern zum Meistertitel zu gratulieren, und dies, sage und schreibe, am 11. März, also nach nur vier Meisterschaftsspielen im Jahr 2018. Es käme einer Sensation gleich, würden die Basler diesen gewaltigen Rückstand noch drehen, in der Geschichte der Super League hat es das auch noch nie gegeben. Raphael Wicky sagt: «Nach einem solchen Spiel kann ich doch nicht von einem Meisterrennen reden. Das Problem ist nicht YB. Wir sind das Problem.»

Ohne Leidenschaft, ohne Ideen

Nur wenig hatte im Vorfeld auf die dritte Basler Niederlage im vierten Ligaspiel des Jahres hingedeutet. Nach dem 2:1-Sieg im Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League in Manchester schien das Momentum zum FC Basel zurückzukehren. Die Spieler hatten neuen Mumm gefasst, etliche Leistungsträger wirkten formstärker, der Wille, nochmals anzugreifen, war spürbar.

Und dann das: Ohne Leidenschaft, ohne Kampfkraft und mit erstaunlich wenig Ideen im Offensivbereich stolperten die Rotblauen in der Zentralschweiz in diese schmerzhafte 0:1-Pleite. Das Verblüffendste dabei war, wie wenig der FC Luzern tun musste, um den FCB in die Knie zu zwingen. Die Mannschaft von Gerardo Seoane brillierte mit einer guten Organisation und hoher Laufbereitschaft – spielerisch jedoch zog sie keinen Glanztag ein. Das Tor des Tages erzielte der Georgier Valeriane Gvilia, die knapp 12'000 Zuschauer waren aus dem Häuschen. Und der gefeierte FCL-Trainer Seoane blieb auch im sechsten Spiel seiner noch jungen Amtszeit ungeschlagen.

Beim FC Basel dagegen verschärft sich die Krise. In sämtlichen Mannschaftsteilen offenbaren sich Baustellen. Die Verteidigung ist immer wieder für einen Fehler gut, den die Gegner sofort mit einem Tor bestrafen – gestern war Rechtsverteidiger Michael Lang nicht aufmerksam, als er vor dem 1:0 der Gastgeber den FCL-Flügel Pascal Schürpf rennen und flanken liess.

Diese Abwehr muss im Nachholspiel am Mittwoch in Lausanne auf Captain Marek Suchy verzichten, der in der Nachspielzeit nach einem Foul an Gvilia zu Recht mit Gelb-Rot vom Platz flog.

Das Mittelfeld des FCB ist seit Längerem kein Quell der Inspiration, gewitzte Steilpässe oder überraschende Kombinationen sind kaum zu sehen. Und im Angriff entpuppt sich der hüftsteife Ricky van Wolfswinkel zunehmend als Teil eines Problems und nicht als Teil einer Lösung, wenn es ums Toreschiessen geht. «Uns geht momentan völlig die Effizienz ab», sagt Wicky dazu. Dass sich die Luzerner noch zwei Pfostenschüsse notieren liessen (22. Demhasaj/84. Juric), passte beispielhaft in den konfusen Auftritt.

Die Frage nach Raphael Wicky

In der Bewertung des Trainers sind sich im inneren Zirkel des Fussballs und speziell beim FC Basel alle einig: Raphael Wicky ist ein überdurchschnittlich veranlagter Trainer. Mit seinen 40 Jahren verkörpert er die neue, junge Generation. Der Walliser ist vielsprachig, redegewandt, empathisch, mediengestählt und taktisch flexibel. Das Miteinander zwischen ihm, seinem Staff und der Mannschaft ist vorbildlich und wird seit letztem Juni von allen Seiten nun gelobt. An Wicky sollte es also grundsätzlich nicht liegen, wird der FC Basel erstmals seit 2009 wieder eine Saison ohne Titel beenden. Und dennoch muss sich der Coach die Frage gefallen lassen, wie lange er noch mit diesem Fussball verlieren darf, wie lange ihm die Führung um Sportchef Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener das Vertrauen schenkt.

Wicky wechselt praktisch in jedem Match Taktik und Personal, eine funktionierende Einheit hatte er im Herbst 2017 beisammen, jetzt, nach zehn Transfers in der Winterpause, sind nur noch Fragmente des grossen FCB erkennbar.

«Wir sind das Problem.» Treffender hätte es Wicky nicht auf den Punkt bringen können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.03.2018, 07:43 Uhr

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