Zieht doch einfach mal die Notbremse!

Die FCZ Fans haben vor zwei Wochen unbegründet in einem Sonderzug die Notbremse gezogen. Laut Gesetz hätten sie hohe Bussen zahlen müssen - es kam nicht mal zu einer Personenkontrolle.

Nach dem Spiel FCB gegen den FCZ, brachten die Zürcher Fans den Sonderzug durch das Ziehen der Notbremse zum Stillstand.

Nach dem Spiel FCB gegen den FCZ, brachten die Zürcher Fans den Sonderzug durch das Ziehen der Notbremse zum Stillstand. Bild: Keystone

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Wir kennen das Strafgesetzbuch (StGB), das Zivilgesetzbuch (ZGB), die Bundesverfassung (BV) und vielleicht auch noch das Strassenverkehrsgesetz (SVG). Aber wer hat denn schon eine Ahnung von der Existenz eines Personenbeförderungsgesetzes (PBG)? Zu den Insidern der Gesetzgebung gehören jedenfalls weder die Einsatzleitung der Baselbieter Polizei noch die SBB selber.

Auch die Medienverantwortlichen des FC Basel und des FC Zürich, die Vereinsführungen und auch nicht ihre Fanverantwortlichen haben je von diesem geheimnisvollen Gesetz etwas gehört. Und auch in der Gemeinde Pratteln arbeiten nur Ahnungslose.

Was ist geschehen? Nach dem 2:0-Sieg des FCB über den FCZ vor zwei Wochen brachten die Zürcher «Fans» (Vollidioten darf man ja nicht schreiben) den Sonderzug bei Pratteln durch das Ziehen der Notbremse zum Stillstand. 25 vermummte Personen verliessen daraufhin den Zug und liefen über die Geleise. Die SBB sperrten deshalb aus Sicherheitsgründen den Zugverkehr via Pratteln für eine halbe Stunde, die Züge mussten durch den Adlertunnel umgeleitet werden.

Die Basellandschaftliche Zeitung berichtete über das Ereignis unter der irritierenden Überschrift: «Solange nichts kaputt geht, ist es halb so schlimm.» Der Sprecher der Baselbieter Polizei liess verlauten, die Lage sei jederzeit unter Kontrolle gewesen. Die Fanverantwortlichen des FCZ arbeiten daran, «auf die Thematik zu sensibilisieren» und appellieren an den «gesunden Menschenverstand». Die beiden Fussballklubs äusserten sich nicht näher zu dem Vorfall. Der bürgerliche Gemeindepräsident von Pratteln wollte «kein Fass aufmachen», weil ja diesmal keine Sachschäden zu verzeichnen waren. Ein Jahr zuvor hatten ebenfalls FCZ-Fans Zerstörungen in der Höhe von einer Viertelmillion Franken verursacht.

FCZ Fans scheinen vom Gesetz befreit

Nach einem kurzen Halt fuhren die vermummten Wirrköpfe jedenfalls unbehelligt mit dem Sonderzug wieder weiter nach Zürich. Von einem Empfangskomitee der Zürcher Polizei, von Personenkontrollen oder gar Festnahmen ist bis heute nichts bekannt geworden.

Was aber steht nun im oben erwähnten Personenbeförderungsgesetz im Art. 57 (Übertretungen)? «Mit Busse bis zu 10 000 Franken wird bestraft, wer vorsätzlich oder fahrlässig (...) die Sicherheitsvorrichtungen eines Fahrzeuges, insbesondere die Notbremse, missbraucht; d. Anlagen oder Fahrzeuge verunreinigt.» Eine Ausnahmebestimmung, dass dieses Gesetz auf Fussballfans nicht angewendet werden dürfe, findet man im PBG auch nach aufmerksamer Lektüre nicht.

Meinen Kollegen an der pädagogischen Front empfehle ich ein Experiment. Lasst eure Schüler bei der nächsten Schulreise einfach mal die Notbremse ziehen und macht dann auf einer lauschigen Wiese abseits der Zivilisation ein ausgiebiges Picknick. Wer sich bei diesem Programm langweilt, kann unterdessen Fenster und Türen besprayen oder ein paar Sitzbänke herausreissen. Anschliessend besteigt ihr wieder den Zug – der natürlich geduldig gewartet hat – und fahrt gesättigt und gut gelaunt eurem Ziel entgegen.

Nach der Rückkehr von der Expedition werden dann die Schulsozialarbeit und die Gewaltprävention die Schüler und die Lehrkräfte «auf die Thematik sensibilisieren» und an den «gesunden Menschenverstand appellieren». Weitere Konsequenzen, etwa Strafen, Bussen oder gar die Übernahme der entstandenen Sachschäden sind nicht zu befürchten.

Frohe Weihnachten! (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.12.2018, 12:40 Uhr

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