4. Liga und NHL, aber nicht NLA

Timo Meier entwickelt sich zu einem Leistungsträger der San Jose Sharks. Der 21-Jährige zeigt Qualitäten, die als eher untypisch für Schweizer Profis gelten.

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In der Hierarchie der Schlagzeilen über Schweizer NHL-Spieler hat er es noch nicht ganz nach oben geschafft. Roman Josi (Nashville Predators), Nino Niederreiter (Minnesota Wild), Wunderkind Nico Hischier (New Jersey Devils) oder Kevin Fiala (Nashville) sorgen in den Medien hierzulande primär für Aufmerksamkeit. Doch das könnte sich bald ändern: Im Schatten seiner Landsmänner und Berufskollegen hat sich Timo Meier bei den San Jose Sharks zu einem torhungrigen Stürmer mit rotem Pass entwickelt. Das bewies der Ostschweizer zuletzt beim 5:3-Sieg gegen die Detroit Red Wings, als er im Powerplay das Game-Winning-Goal zum 4:2 schoss.

Der kräftige und robuste Flügel erzielte in dieser Saison in 68 Partien 18 Tore, genau gleich viele wie der weitaus bekanntere Profi und Captain Joe Pavelski, wobei bei den eishockeyspielenden Haien Logan Couture diese Statistik mit 27 Treffern klar anführt. In der teaminternen Skorerliste nimmt Meier mit 29 Punkten (18 Goals/11 Assists) Rang neun ein. Das ist nicht schlecht für einen 21-Jährigen, der erst in seiner zweiten Saison bei den Sharks steht. Damit hat der gebürtige Herisauer seine Produktion aus dem vergangenen NHL-Winter (6 Skorerpunkte aus 34 Partien) jetzt schon um ein Vielfaches übertroffen.

Das Lob des Coaches ...

Dem Schweizer ist in der kalifornischen Stadt nicht alles so leicht in den Schoss gefallen, wie es auf den ersten Blick scheint. Pfeiffersches Drüsenfieber warf Meier zu Beginn der Saison 2016/17 zurück, er musste sich via Farmteam San Jose Barracuda wieder für die NHL empfehlen. Aber weil der Sportler aus dem Appenzell weiss, was er will, kämpfte er sich während der schwierigen Phase durch. «Die Krankheit war mein erster Rückschlag. Ich lernte, mit Tiefs umzugehen», erklärte er der «SonntagsZeitung». Meier hat jene Charaktereigenschaften, die man bei einem Sharks-Profi ohnehin voraussetzt: Er hat Biss und Durchhaltevermögen.

Meier erhält inzwischen bedeutend mehr Eiszeit von Headcoach Peter DeBoer, nicht zuletzt, weil die Verletztenliste länger geworden ist. Der mutige und kecke Stürmer darf auch neben Leistungsträgern wie der ehemaligen HCD-Legende Joe Thornton oder Captain Pavelski stürmen. Der Ostschweizer dankt es dem Personalchef mit guten Leistungen und beherzten Auftritten auf dem Eis. DeBoer hat inzwischen Gefallen am Herisauer gefunden und liess sich schon zu Zitaten wie «Ich könnte nie die Arbeitseinstellung von Timo kritisieren, er gibt immer sein Bestes» hinreissen. Was doch zeigt, dass Meier die harten Regeln des Profisports akzeptiert und verstanden hat. Gerade diese berufliche Einstellung hatten sich die Sharks von der Nummer 9 des Erstrunden-Drafts des Jahres 2015 erhofft.

... und des Nationalteam-Direktors

Einer, der die Entwicklung von Meier genau verfolgt, ist Raeto Raffainer. Der Direktor des Nationalteams von Swiss Ice Hockey sagt nicht ohne Stolz über den Appenzeller: «Er hat in allen Schweizer Juniorenauswahlen gespielt und stets seine Leaderqualitäten bewiesen.» Meier habe auch im Prospect-Camp 2017 des Schweizer Verbandes teilgenommen und dort grossen Eindruck hinterlassen. «Er war sich sicher, dass er den Schritt in das Team der Sharks schaffen würde», erinnert sich Raffainer.

Meier sei ein selbstbewusster, zielgerichteter Stürmer, der auch die Nähe zum gegnerischen Tor suche. «Er geht dorthin, wo es wehtut.» Raffainer hofft, dass der Herisauer bald das Nationalteam verstärken wird, sofern dieser zur Verfügung steht. «Timo kann zu einem wichtigen Spieler für die Nationalmannschaft werden.»

Auch einem Faustkampf nicht abgeneigt

Meier ist mit 184 Zentimetern für NHL-Verhältnisse nicht gerade gross. Aber er bringt satte 96 Kilogramm auf die Waage, er weiss seine Physis einzusetzen. Vancouvers Michael Del Zotto (ex RJ Lakers) bekam das Temperament und die Faust des Herisauers im letzten November zu spüren. Das Foul brachte Meier eine 5-Minuten- und eine Spieldauer-Disziplinarstrafe sowie ein Busse von etwas mehr als 2400 Dollar ein. Die Disziplinlosigkeit des Sharks-Profis in jener Szene provozierte intern Kritik, allerdings nur für kurze Zeit. In der besten Liga der Welt gehören Raufereien dazu – und sind bald wieder vergessen.

Es überrascht nicht, dass ein Powerstürmer wie Niederreiter eine Vorbildrolle für den Herisauer einnimmt. Wie der Churer ist Meier ein vielseitiger Spieler, der auch defensive Rollen übernehmen kann. Meier und Niederreiter haben die Schweiz als Teenager verlassen, um sich in Juniorenligen in Übersee für die beste Eishockey-Liga der Welt zu stählen. «Ich wollte stets in die NHL», betont Meier immer wieder. Einmal half er als Novize bei den Erwachsenen von Pikes Oberthurgau II in der tiefsten Liga des Landes aus. Mit dem für Appenzeller typischen Schalk meinte er im letzten August zur «SonntagsZeitung»: «4. Liga und NHL habe ich bereits gespielt. NLA nicht.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2018, 17:43 Uhr

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