Die russische Invasion in den Oberaargau

Die russische KHL vermeldet die Teilnahme eines Schweizer Eishockeyteams ab der Saison 2014/15. Die Expansionslust der russischen Liga stösst im Westen auf wenig Gegenliebe.

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Kurz vor Weihnachten mischt der Hockey-Reporter von «20 Minuten online» und der «Aargauer Zeitung» die Szene noch einmal auf. Der Berner Sportjournalist schreibt in seinem Artikel «Spielt bald ein Schweizer Team in Russland?», dass die KHL beabsichtigt, ab der Saison 2014/15 eine eidgenössische Equipe aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde bereits ein Unternehmen mit dem Namen «Helvetics» gegründet, wobei vier Männer das Aktienpaket halten. Einer aus dem Quartett ist der 54-jährige Langenthaler Unternehmer Markus Bösiger, der im Oberaargau für seine Umtriebigkeit bestens bekannt ist. Bösiger weiss auch, wo die Mannschaft ihre Heimspiele austragen wird: in seinem Eisstadion in Huttwil BE. Für die Erweiterung dieser Sportanlage liegen Pläne vor, die Kosten belaufen sich auf etwa 70 Millionen Franken – eine hübsche Summe. Helvetics hat offenbar von der KHL das Zugeständnis, anfänglich noch im beschaulichen Stadion von Huttwil zu spielen.

Das Kader aus 25 Spielern bestünde nicht aus Russen, sondern aus Schweizern und vier Ausländern. Auch dieser Fakt ist ein Zugeständnis von der Liga an die neue Organisation in Mitteleuropa, welche zudem als Förderplattform für russisch-westeuropäische Geschäftsbeziehungen gedacht ist. Das Saisonbudget in den ersten drei Jahren soll 20 Millionen Franken betragen. Gemäss dem Reporter sind die Investoren bereit, dieses Risiko einzugehen und die Beträge zu tragen. Als Verbindungsmann, der sich auch um die sportlichen Aspekte kümmern soll, ist der ehemalige Lakers-Nothelfer Igor Pawlow involviert.

Fasel: «Das ist eine Schnapsidee»

Gegen die Expansionspläne aus Russland mit Support aus dem Oberaargau wird sich allerdings grosser Widerstand entwickeln. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF), erklärt gegenüber baz.ch/Newsnet leicht amüsiert: «Das Ganze ist eine Schnapsidee und macht keinen Sinn. Dieses Vorhaben wird sowohl vom Schweizer Verband als auch der National League nicht akzeptiert werden. Und sonst wird sich die IIHF gegen dieses Projekt wehren.» Der erfahrene Freiburger Funktionär erinnert daran, wie gut beispielsweise die Meisterschaften in der Schweiz oder auch in Deutschland funktionieren, da braucht es keine Klubs aus der KHL. «Der ZSC kann sich jetzt auch nicht einfach der DEL anschliessen. Das geht einfach nicht.» Fasel zeigt sich erstaunt über die Ausschreibung auf der Homepage der KHL. «Ich werde mit Liga-Präsident Alex Medwedew diesbezüglich noch das Gespräch suchen.» Medwedew, der auch im Council des Internationalen Verbandes sitzt, und Fasel sind miteinander befreundet.

Ueli Schwarz, der Sportdirektor der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF), will sich gar nicht gross auf die Geschichte einlassen. «Für mich ist die ganze Geschichte nicht mehr und nicht weniger als ein Gerücht. Und Gerüchte kommentieren wir nicht», sagt der ehemalige Trainer gegenüber der Schweizer Agentur Sportinformation.

Ein Racheakt – oder doch mehr?

Den kühnen Plänen stellen sich auch viele juristische Hürden entgegen. Nur schon allfällige Transfers müssten über die IIHF abgewickelt werden. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Racheakt von Bösiger, der im Frühjahr mit der National League im Clinch stand. Die Huttwil Falcons, das Steckenpferd von Bösiger, hatten seinerzeit sportlich die Promotion von der 1. Liga in die NLB geschafft. Der Amateur-Champion durfte aber wegen Formfehlern nicht in der zweithöchsten Klasse mitspielen. Aus Verärgerung über das «Njet» der Schweizer Liga löste der Langenthaler Macher die Falcons auf und schloss als Besitzer auch kurzerhand das Eisstadion.

Dieser Akt lässt darauf schliessen, dass Bösiger mit russisch-resolutem Geschäftsgebaren bestens vertraut ist.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2011, 15:38 Uhr

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