Ein neuer Anlauf für den Hockey-Dirigenten

Adrian Wichser gibt am Freitag mit den Lakers ein Comeback in der NLA – ausgerechnet gegen seinen Klub ZSC. Der 31-jährige Stürmer weiss, dass es wohl die letzte Chance ist, seine Karriere neu zu lancieren.

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Was hat dieser Eishockey-Profi in seiner Laufbahn schon alles an Verletzungen und Rückschlägen hinnehmen müssen: vier Hirnerschütterungen, eine Bänderverletzung im Halswirbelbereich, notorische Rückenbeschwerden, Nasenbeinbrüche, ausgeschlagene Zähne und vor allem eine Borrelien-Infektion durch einen Zeckenbiss im Sommer 2006, die sich fünf Jahre später mit denselben unangenehmen Symptonen zurückmeldete. Adrian Wichser verpasste infolge einer viralen Infektion im Juli den Cut bei den ZSC Lions und wurde ins Farmteam GCK in die NLB zurückgestuft.

Dieser gesundheitliche und sportliche Rückschlag nach einer für ihn enttäuschenden letzten Saison mit nur 13 Skorerpunkten aus 35 NLA-Matches müsste beim Sportler eigentlich auch mental Spuren hinterlassen. Doch der tapfere Profi sagt: «Wenn ein Rückschlag da ist, bin ich zwei Tage enttäuscht. Aber dann blicke ich wieder vorwärts.» Daraus lässt sich erahnen: Der Mann weiss mittlerweile mit Krankheits- oder Verletzungsdiagnosen umzugehen.

Ein anderes Umfeld als Chance

Obwohl er einen Vertrag bis Frühling 2014 in der Organisation der Lions in der Tasche hat, wird Wichser vom ZSC an den Ligakonkurrenten Rapperswil-Jona Lakers bis Ende Januar ausgeliehen. Das Schlusslicht braucht dringend einen Mittelstürmer, der das Spiel lesen, dirigieren und gestalten kann. Für Wichser stimmt diese interimistische Lösung. «Ich kann in einem anderen Umfeld einen Neubeginn starten und versuchen, mein altes Potenzial abzurufen.» Er sei in einer anderen Umgebung nicht vorbelastet und träfe auch andere Gesichter, andere Leute in der Garderobe. In der Tat macht der Wechsel Wichsers vom Hallenstadion und der Küsnachter Eishalle an den Obersee für alle drei Parteien Sinn. «Ich verliere eigentlich viel Geld. Aber ich erhalte Spielpraxis. Für mich ist der Wechsel zu den Lakers eine Herausforderung und eine gute Chance», erklärt der Spieler.

Wichser gibt am Freitagabend sein spätes Saisondebüt in der NLA – ausgerechnet gegen den ZSC. Das sei speziell und doch irgendwie wieder nicht. Für ihn gehe es darum, so schnell wie möglich wieder in der obersten Spielklasse Fuss zu fassen. Und er will auch dem abgeschlagenen Tabellenletzten helfen, den Turnaround zu schaffen. «Seit zwei Wochen fühle ich mich wieder gesund.» Das gibt Mumm für einen Spieler, der in seiner Karriere so viele Rückschläge erleiden musste.

Der Roger Federer des Eishockeys

Dabei ist es gar nicht so lange her, dass der 98-fache Internationale zu den besten Stürmern der Liga gehörte und auch international für Furore sorgte. Als der ZSC unter Sean Simpson Europa eroberte und am 28. Januar 2009 in Rapperswil-Jona den Titel in der Champions Hockey League gewann, trat Wichser in Hochform auf und belegte den zweiten Platz in der Skorerliste des Wettwerbs, punktgleich mit Teamkollege Jean-Guy Trudel. Als die Löwen im April 2008 ihren letzten Meistertitel feierten, hatten dies die Zürcher nicht zuletzt der Reihe mit dem genialen Center und Playmaker sowie den wirkungsvollen Flügeln Peter Sejna und Ryan Gardner zu verdanken.

Wichser gehört allein von seinem Stil her zu den elegantesten und attraktivsten Spielern des Landes – zumindest wenn er gesundheitlich einigermassen auf dem Damm ist. Er ist, was seine technische Qualitäten betrifft, ein Roger Federer des Eishockeys. Seine Vista und seine stupende Stocktechnik kommen vor allem im Powerplay zum Tragen. Selbst in der Verteidigungszone kann der Winterthurer seinen Part erfüllen, schliesslich hat er mindestens 98-mal den Defensiv-Predigten von Nationalcoach Ralph Krueger in der Kabine zuhören müssen.

Die Lakers dürfen sich also über eine Verstärkung freuen, sofern der begabte Stürmer seinen Job auf dem Eis beschwerdefrei erfüllen kann und nicht wieder als Patient neben dem Rink den Alltag erleben muss. Wird er gar die Saison in Rapperswil-Jona beenden? Wichser hat gelernt, punkto Prognosen vorsichtig zu sein. «Nach all diesen Verletzungen und Rückschlägen denke und plane ich kurzfristig.» Das kann ihm auch niemand verübeln. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2011, 17:32 Uhr

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