Endlich wieder Champions

Beim 5:2 gegen Servette gewinnt Kloten erstmals seit über 20 Jahren einen Titel. Der starke Auftritt im Cup lässt den Alltag für ein paar Stunden vergessen.

Siegerjubel: Captain Denis Hollenstein und seine Teamkollegen feiern Klotens ersten Titel seit 1996.

Siegerjubel: Captain Denis Hollenstein und seine Teamkollegen feiern Klotens ersten Titel seit 1996. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Und plötzlich war es, als hätten sie in den letzten Wochen beim EHC nie etwas anderes getan, als Tore zu schiessen. Mit grenzenloser Autorität liess sich Praplan von einem Gegner im Schlepptau nicht beirren und traf zum 3:2. Dann zog ­Bieber allein auf den Genfer Goalie – und es stand 4:2. Beim nächsten Angriff 15 Sekunden später hiess der vergessene Klotener Leone – 5:2. Innerhalb von zehn Minuten hatten die zuletzt so fragilen Klotener einen Match gewonnen. Viel mehr als einen Match: einen Final, einen Titel, den ersten seit dem Meisterjahr 1996.

Es war ein neues, für alle ungewohntes Gefühl. Als am Schluefweg die letzten drei Male ein Titel vergeben wurde, jubelten noch die Gegner: 2009 und 2011 der HCD, 2014 der ZSC. Und weil der letzte Klotener Meistertitel auswärts errungen wurde, muss man bis 1995 ­zurückgehen, als Bruno Erni mit dem 4:3 gegen den EVZ beim Klotener Publikum Titelträume erfüllte. Edson Harlacher, der Passgeber bei Praplans Siegestor, war damals noch nicht einmal geboren.

Dass es sich beim Cup um einen vor drei Jahren aus Marketinggründen wiederbelebten Retortenwettbewerb handelt, brauchte den 7624 in der Swiss-Arena jedenfalls niemand zu sagen. Sie tauchten das Stadion schon vor Spielbeginn in eine Stimmung, wie sie hier auch beim Playoff-Final gegen den ZSC nie herrschte, dem letzten ausverkauften Heimspiel. Und sie kosteten den Abend entsprechend aus. während im Genfer Fansektor Petarden knallten, zählte das Gros des Publikums die Sekunden bis zur letzten Sirene herunter. Dann flogen Handschuhe in die Luft, umarmten sich Trainer, Spieler und Zuschauer.

Denis wie einst Vater Fige

Weit, weit weg waren da die 15 Nieder­lagen in den letzten 17 Meisterschaftsspielen, die ständigen Rückschläge, der Rückstand aufs Playoff, der ansonsten unbefriedigende Zuschaueraufmarsch. An diesem einen Abend feierte in Kloten ein volles Haus, als gäbe es kein gestern und kein morgen.

Möglich gemacht hatten das die Akteure auf dem Eis mit einem bestechenden Schlussdrittel. Sie hatten sich nicht aus dem Konzept bringen lassen von der Genfer Effizienz, die vierzig Minuten lang für ein 2:2 gereicht hatte. Sie hatten sich von Praplans Energieleistung anstecken lassen und dabei eine diese Saison selten gesehene Abgeklärtheit gezeigt. Und sie sorgten dafür, dass Titelfeiern in Klote nicht mehr nur eine ferne Erinnerung der Generation Ü-30 bleiben müssen.

Um 22.39 Uhr stemmte Captain Denis Hollenstein den Pokal in die Höhe, wie das sein legendärer Vorgänger und Vater Fige im letzten Jahrtausend viermal ­getan hatte. Goldener Glitter rieselte von der Hallendecke, das unvermeid­liche «We Are the Champions» dröhnte aus den Lautsprechern, es folgten Ehrenrunde um Ehrenrunde. Wie in den 60 Minuten zuvor zeigte sich, wie wichtig dieser Final den Klotenern war. Die Meisterschaft geht früh genug weiter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2017, 23:16 Uhr

Blogs

History Reloaded Die Schweiz, ein Land der Streiks

Beruf + Berufung Die Angst des Rebellen

Die Welt in Bildern

Post für den Klimawandel: Auf dem Aletschgletscher haben Klimaschützer eine riesige Postkarte ausgerollt, die aus rund 125'000 einzelnen Postkarten besteht. Diese soll auf den Klimawechsel und die Bedrohung der Gletscher aufmerksam machen. (16. November 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...