Er traf um 2.32 Uhr zum Weltrekord

Joakim Jensen schrieb exakt vor einem Jahr Sport-Geschichte. Das Tor des Storhamar-Stürmers entschied das längste Eishockeyspiel. «Ich will sowas nie mehr erleben», sagt der Norweger heute.

Joakim Jensen im Dress von Storhamar.

Joakim Jensen im Dress von Storhamar. Bild: Getty Images

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So eine verrückte Nacht ist nun ab Samstag mit dem Abschaffen des Penaltyschiessens auch in der Schweizer NL-Meisterschaft an jedem Spieltag des Playoff theoretisch möglich: Es war Spiel 5 der Best-of-7-Serie in der ersten Runde der höchsten norwegischen GET-Liga zwischen Storhamar und Sparta Sarpsborg. 1:1 stand es nach den regulären 60 Minuten, es folgte die längste Verlängerung in einem Eishockeyspiel aller Zeiten. Als Joakim Jensen für das Heimteam Storhamar zum 2:1 traf, lief bereits die 8. Verlängerung – es war 2.32 Uhr in der Früh.rung – es war 2.32 Uhr in der Früh. Die effektive Spielzeit von 217:14 Minuten ist bis heute Weltrekord geblieben.

Nächsten Montag wird sich Jensens Streich jähren. baz.ch/Newsnet bat den 30-jährigen Stürmer zum Telefon-Interview, um auf diesen Rekordabend zurückzublicken.

Die Schweiz schafft als letzte Eishockey-Nation das Penaltyschiessen im Playoff ab und wechselt ab Samstag zur ultimativen «Sudden-Death-Version». Es wird in der Verlängerung also gespielt, bis ein Tor fällt. Ein guter Entscheid?
Ja, ich mag es. Es ist Teil des Spiels. In Nordamerika war es immer so, auch in Norwegen kannte ich es nie anders. Normalerweise ist ein Spiel mit einer langen Overtime ein Spass. Ausser natürlich, man macht es so wie wir letztes Jahr. (lacht) Ich mag aber den Aspekt, dass du nie weisst, wie lange du noch dran sein wirst.

Am 12. März jährt sich dieser Abend ein erstes Mal. Welche Erinnerungen weckt er bei Ihnen?
Viel Schmerz. Es war lange und schmerzhaft. Es war zwar eine lustige Erfahrung, und ich bin froh, dass wir Teil dieses Rekord-Spiels waren. Und trotzdem hoffe ich, nie mehr so etwas tun zu müssen.

Und dennoch werden Sie diese Nacht nie wieder vergessen …
Nein, sicher nicht. Niemand in Norwegen, der dieses Spiel sah, wird es je vergessen. Es war ja gleichzeitig auch ein Live-TV-Spiel. Niemand hier in Hamar wird es vergessen, kein beteiligter Spieler, kein Zuschauer, kein Ref … Als Team sind wir stolz, unsere kleine Stadt, die aber eine grosse Hockey-Kultur hat, auf die Eishockey-Weltkarte gebracht zu haben mit diesem Rekord.

Werden Sie immer noch auf diese Nacht angesprochen?
Aktuell nicht mehr so oft. In den ersten Monaten musste ich viele Interviews geben, das Interesse war gross. Anfragen kamen aus ganz Europa. Vor allem aus Tschechien kamen sehr viele Anrufe, einem Land mit grosser Eishockey-Tradition.

Wie war die Stimmung in der Kabine, als eine Verlängerung nach der anderen vorbei ging ohne Tor?
Wir versuchten in den Pausen, jeweils fokussiert zu bleiben. Es war ja eine wichtige Partie, es stand 2:2 in der Best-of-7-Serie. Als es dann aber zu den Dritteln 7, 8, 9, 10 und 11 kam, ging es für viele nur noch um eines: Nicht einschlafen! Teilweise schauten wir uns in der Garderobe alle nur noch an und lachten einfach.

Was sagte der Coach jeweils?
Ich bin nicht sicher, ob er irgendwann überhaupt noch in jeder Pause in die Garderobe kam. Ich denke, nach sieben Pausen im selben Spiel gibt es nicht mehr viel zu sagen, ausser: «Beendet es! Jemand soll ein Tor schiessen!»

War Ihnen während des Spiels stets bewusst, wie viele Verlängerungen bereits gespielt waren?
Nein, irgendwann nicht mehr. Aber die Verantwortlichen im Stadion reagierten gut. Immer wieder ging ein «Buzzer» mitten im Spiel los und informierte uns und die Fans, dass gerade wieder irgendein Rekord gebrochen wurde. Irgendwann hiess es dann: «Weltrekord!»

Und irgendwann ging in der Arena das Essen aus …
Ja, und zum Glück haben wir eine gute Beziehung zu einem Restaurant in der Nähe des Stadions, wo wir oft als Mannschaft essen gehen. Das Spiel begann schon um 18 Uhr. Als sie im Restaurant um 22 Uhr hörten, dass das Spiel immer noch lief, brachten sie uns Pizza. Und um Mitternacht Pasta Carbonara. Wir hatten dann genug zu essen.

Was geschah nach dem Spiel?
Ich kann mich noch erinnern, dass ich erst um 3.30 Uhr zur Massage konnte, da wir nach dem Spiel noch viele Interviews in der Garderobe geben mussten. Und ich musste sehr viel trinken, da ich seit dem 5. Drittel von Krämpfen geplagt war. Ich kam um 5 Uhr nach Hause und versuchte zu schlafen. Ich wurde aber um 7 Uhr geweckt, da mein Telefon ununterbrochen zu läuten begann: Anrufe von Journalisten, die mit mir reden wollten.

Und der Tag danach?
Ich hätte arbeiten sollen. Ich bin kein Profi, arbeite neben dem Eishockey noch in meiner Fahrschule. Ich erlaubte mir aber, frei zu nehmen. Wir trafen uns dann am Nachmittag in der Eishalle. Wir assen, versuchten uns zu erholen mit Massage und kurzem Eislauf.

Sie mussten ja zwei Tage später schon wieder spielen …
Und es war kein gutes Spiel, den Fans gefiel es wohl nicht so. Es war eher langsam … Wir verloren das Spiel. Und danach auch noch Spiel 7, mit 0:1, und damit die ganze Serie.

Ihr Ratschlag an die Schweizer Spieler, falls es bereits am Samstag zu einer 5. oder 6. Overtime kommen sollte?
Schiesst und trifft! Am besten früh … (lacht) Es ist kein Spass während des Spiels. Erst nach dem Spiel. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.03.2018, 18:15 Uhr

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