Kloten: Aufstand gegen Bircher, Abtritt von Suhonen

Der Präsident und vier weitere Verwaltungsräte der Flyers erhielten an der GV keine Décharge. Der Sportchef wird durch Jürg Schawalder ersetzt.

Misstrauen: Flyers-Präsident Jürg Bircher befindet sich in einer delikaten Lage.

Misstrauen: Flyers-Präsident Jürg Bircher befindet sich in einer delikaten Lage. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Besten Dank für das Vertrauen», sagte Präsident Jürg Bircher, nachdem der gesamte Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG gegen Ende der gestrigen Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt worden war. Er konnte sich dabei selbst ein Lächeln nicht verkneifen. Denn was sich zuvor im Zentrum Schluefweg ereignet hatte, war alles andere als ein Vertrauensbeweis an Bircher und seine Führungscrew. Die Aktionärinnen und Aktionäre hatten allen Verwaltungsräten ausser Roger Köppel und Jan Schibli die Décharge für das Geschäftsjahr 2009/10 verweigert und damit vor allem dem 45-jährigen Unternehmer an der Spitze der Flyers ihr Misstrauen ausgesprochen.

Kein Rücktritt trotz Misstrauen

Vor der Abstimmung hatte Bircher gesagt, dass bei ihm angesichts des Aufwands, den er und seine Kollegen ehrenamtlich für die Kloten Flyers betreiben «sehr komische Gefühle» aufkommen würden, wenn ihm die Entlastung nicht erteilt werde. Von Rücktrittsgedanken wollte Bircher hinterher aber trotzdem nichts wissen: «Ich lasse den Klub doch jetzt nicht im Stich.» Die Verweigerung der Décharge bedeutet, dass die Klotener Teilhaber ausdrücklich nicht auf allfällige spätere Klagen gegen die Verwaltungsräte verzichten und hat vorläufig keine Konsequenzen. Dass es zu diesem starken Zeichen gegen die aktuelle Führung kommen konnte, liegt daran, dass die Verwaltungsräte selbst bzw. die von ihnen kontrollierten Aktien bei der Erteilung der Décharge nicht stimmberechtigt sind. Alle übrigen Abstimmungen der GV konnte Bircher, der mit seiner Jube Holding zwei Drittel der Aktien hält, nach seinem Gusto gestalten.

Als «Teilerfolg» wertete Birchers Vorgänger Peter Bossert die Abstrafung der aktuellen Führungscrew durch die Mehrheit der anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre, die der Rechtsvertreter von Bircher als persönliche Abrechnung charakterisierte. Der frühere Präsident befindet sich in einem Rechtsstreit mit Bircher, der bei ihm eine Schadenssumme von 1,74 Millionen eingeklagt hat wegen unrechtmässiger Buchführung zwischen 2004 und 2008.

Kommende Woche treffen sich Bircher und Bossert vor dem Friedensrichter – und beide Seiten betonen, dass sie noch immer eine aussergerichtliche Einigung anstreben. Dass es dazu kommt, scheint nach dem gestrigen Abend sehr unwahrscheinlich. Bossert hatte vor der GV einen Katalog mit nicht weniger als 24 Fragen zum Geschäftsbericht für die vergangene Saison aufgestellt. Der neue Klotener CEO Roger Kuhn nahm sich zwar die Mühe, auf jeden der Punkte einzugehen – allerdings nicht zur Zufriedenheit von Bossert und einigen anderen Aktionären, die ihrem Unmut mit teils giftigen Angriffen gegen die Verwaltungsräte Luft machten.

Hauptauslöser der Unruhe in Kloten sind die sprunghaft von 9 auf 11 Millionen gestiegenen Personalkosten – und die damit verbundene Angst, dass die Flyers Kurs auf ein baldiges Grounding halten würden. Dem widersprach Bircher gestern erneut vehement. «Es gibt keine Einschränkungen in Bezug auf die Fortführungsfähigkeit der Gesellschaft», sagte er. Es gebe keine Forderungen der Flyers gegen die Jube Holding. Und Letztere sei ein konsolidiertes Unternehmen, das bei einem Umsatz von rund 80 Millionen jährlich Gewinne um 10 Millionen mache. Bei einem Sockeldefizit, das Bossert bei über 3 Millionen veranschlagt, sind die Flyers auf einen zahlungskräftigen und -willigen Mäzen angewiesen.

Schawalder neuer Sportchef

Wirbel gibt es bei den Klotenern auch in der sportlichen Führungsetage. Alpo Suhonen kehrt per sofort nach Finnland zurück und wird durch seinen bisherigen Assistenten Jürg Schawalder als Sportchef ersetzt. Suhonens Heimkehr nach nur einem Jahr erfolgt auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen. Für eine Woche pro Monat soll der Finne weiterhin nach Kloten reisen, um den als Sportchef unerfahrenen Schawalder zu unterstützen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2010, 07:47 Uhr

Absprung: Flyers-Sportchef Alpo Suhonen kehrt per sofort in seine finnische Heimat zurück. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

Suhonen verlässt die Kloten Flyers

Eishockey Nach nur einem Jahr als Sportchef der Kloten Flyers verlässt der Finne Alpo Suhonen den Klub bereits wieder. Mehr...

Blogs

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst

Politblog So reden Verlierer

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...