Pius Suter: «Eine gute Visitenkarte hinterlegen»

Pius Suter darf ab Donnerstag erstmals ein wenig NHL-Luft schnuppern. Der ZSC-Stürmer ist beim NHL-Camp der Ottawa Senators dabei.

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Pius Suter erfuhr die frohe Kunde typisch nordamerikanisch: «Es war kurz und bündig. Nach dem zweiten Match wurde mir gesagt, dass es gut gewesen und ich weiter dabei sei.» Es ist Montagabend, Suter sitzt in seinem Hotelzimmer in Kanata, einem Vorort der kanadischen Kapitale Ottawa. Keine fünf Minuten entfernt liegt der Sensplex, die Trainingshalle der Ottawa Senators, die ebenfalls nur zwei Kilometer neben dem Canadian Tire Center, der Heimarena des NHL-Clubs, liegt.

Suter kehrte am Sonntag aus Toronto zurück, wo er mit 22 anderen jungen, NHL-unerfahrenen Spielern das Rookie Camp der Senators beendete. Zwei Testspiele standen in Toronto auf dem Programm, Ottawa besiegte die Rookie-Camp-Teams von Montreal (8:2) und Toronto (4:3 nach Penaltyschiessen).

Suter gelang zwar trotz elf Toren der Senators kein Skorerpunkt, den Cut für das richtige Camp mit den NHL-Spielern der Senators schaffte er dennoch. «Das war mein Ziel gewesen», sagt Suter. «Das, und das Ganze geniessen.»

Dass Suter ein wenig NHL-Luft schnuppern darf, ist nicht selbstverständlich. Der 21-jährige Mittelstürmer hat zwar eine Vergangenheit in der höchsten kanadischen Juniorenliga, wo er in der OHL für Guelph Storm 2014/15 in 70 Spielen 46 Tore schoss, in der NHL dann aber dennoch von keinem Club gedraftet wurde.

Crawford dürfte «schuld» sein

Warum er von den Ottawa Senators nun dennoch eine Einladung für das Rookie-Camp erhielt, weiss Suter zwar auch nicht, er vermutet zwei Hauptfaktoren: «Die WM, die ich mit der Schweiz spielte – und Marc Crawford.» Crawford ist Assistenzcoach bei den Senators, war zuvor aber drei Jahre ZSC-Trainer und damit Suters Chef. «Marc Crawford hat Ottawa sicher den Tipp gegeben …», sagt Suter.

Suter hat nun diverse Trainings und Tests hinter sich, aufgefallen ist ihm in erster Linie die hohe Passqualität. Gegenüber den meisten anderen Rookies befand er sich im Vorteil, da er mit den ZSC Lions schon mehrere Ernstkämpfe, zum Beispiel in der Champions Hockey League gegen Frölunda, in den Beinen hatte: «Ich konnte profitieren, vor allem in den beiden Testspielen, da ich die zu Saisonbeginn üblichen Timing-Probleme nicht mehr hatte.»

«Exot» im Rookie-Camp

Suter stach im Rookie-Camp als «Exot» heraus. Der Zürcher war der einzige Ungedraftete aus Europa. Alle anderen 22 Spieler sind grösstenteils bereits «Eigentum» der Senators-Organisation, eine kleine Handvoll sind zudem in der kanadischen Juniorenliga beschäftigte Nordamerikaner mit NHL-Ambitionen.

Entsprechend kannte Suter als Einziger keinen anderen Mitspieler – eine spezielle Situation. «Auf dem Eis ist das kein Problem, da wir alle Eishockey spielen können und uns schnell verstehen. Daneben brauchte ich aber etwas Zeit, um mir die Namen der Jungs merken zu können», sagt Suter schmunzelnd.

Ab Donnerstag, wenn das «richtige» Camp der Senators startet, wird sich nicht viel ändern. Von den NHL-Spielern der Senators kennt er einzig Verteidiger Ben Harpur, mit dem er Juniorenhockey in Guelph spielte. Dazu kommt der frühere Langnauer Chris DiDomenico, der einen zweiten Anlauf nimmt, sich in Ottawa einen Platz zu ergattern. Und der Rest? «Ich muss gestehen, dass ich die Senators bislang nicht gross verfolgt habe, ich sah höchstens die Highlights in den Zusammenfassungen», sagt Suter.

«So oder so zurück zum ZSC»

Suter spricht nicht vom Traum, sich einen Vertrag mit den Senators ergattern zu wollen oder gar in Ottawa für die NHL-Saison zu verbleiben. Persönliche Ziele hat er dennoch fürs Camp: «Mehr Speed, härtere Pässe, das Level generell höher fahren, spielerisch mehr zeigen.» Und natürlich würde sich Suter gerne in einem oder zwei Testspielen beweisen können: «Ich will hier eine gute Visitenkarte hinterlegen.»

Am Montag und am Dienstag stehen die ersten beiden Testspiele gegen Toronto auf dem Programm, in mindestens einem dürfte Suter dabei sein, auch wenn er betont, dass ihm nichts versprochen worden sei. Alles Weitere lässt er offen. Wenn er einem der nun folgenden Cuts zum Opfer falle, werde er den nächstmöglichen Flug nach Zürich antreten, sagt Suter. «Ich werde so oder so zum ZSC zurückkehren.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2017, 14:25 Uhr

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