Weit mehr als eine Kultfigur

Goalie Barry Brust ermöglichte Gottéron im September einen Flirt mit der Tabellenspitze.

Fribourg-Goalie Barry Brust

Fribourg-Goalie Barry Brust Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Was genau ist das, was Barry Brust im Eishockeytor macht? Immerhin machte er aus Gottéron, letzte Saison ein defensives Lotterteam ohne Playoff-Chance, kurzfristig einen Leader. Der neue Goalie und das Defensivsystem des ebenfalls neuen Trainers Mark French, unter dem Brust bereits vor drei Jahren in der KHL spielte, waren Hauptgründe. Aber eben: Was genau macht Brust da im Kasten?

Es gibt die Theorie: In den letzten 30 Jahren entwickelten sich aus dem klassischen Stand-up-Goalie, dem Torwart, der steht, und danach siehts ein wenig aus bei Brust, mindestens drei Stile: der Hybrid Butterfly, der Athletic Butterfly und der Blocker.

Und dann gibts die Praxis, in der ein Dominik Hasek zu einem der Besten aller Zeiten werden konnte. Er lag oft freiwillig auf dem Rücken und kickte, einem Fallrückzieher ähnlich, den Puck zurück ins Spielfeld. Hasek spielte seinen «Stil», Spötter nannten ihn «Herumkriecher», weil er wie kaum ein anderer Goalie das Spiel lesen konnte. Und da kommen wir bei Brust einer Antwort etwas näher.

Nicht, dass sich Brust mit dem legendären Tschechen auf eine Stufe stellt. Als er vor Jahren selbst gefragt wurde, wie man es nennen soll, was er da mache, sagte er: «Ich weiss es auch nicht. Vielleicht ‹verrückt›? Ich mach die Dinge halt etwas anders.» Dieses «anders» umschreiben Goalietrainer so: «Alles falsch, doch irgendwie stoppt er den Puck.» Brust erklärt es auch so: «Ich bin kreativ, ich stelle einen Körperteil vor den Puck.»

Alles war legendär

Den Hohn hatte Brust zunächst auch in der Schweiz auf sicher. Die Gesamtsituation war eine Steilvorlage für Zyniker.

Einfach alles war legendär: die Umstände, wie er als Notnagel in Freiburg landete, weil der neue Goalie Reto Berra im letzten Moment ein netto schlechter bezahltes und unsicheres Nordamerika-Abenteuer vorzog.

Der Name, der deutsch ausgesprochen aus Disneys Lustigen Taschenbüchern entlehnt sein könnte.

Die haarsträubenden Ausflüge mitten ins Spielgeschehen, die Brust aber fast immer ohne Folgen unternimmt, weil er mit der unhandlichen Goaliekelle über besseres Puckhandling verfügt als mancher Feldspieler mit dem Stock.

Apropos Haar: die alten Bilder, als Brust langes Haar trug und wie der Sänger einer Hair-Metal-Band aus den Achtzigern aussah.

Der Spassvogel, der Brust ist: In Houston liess er sich vom Team-TV in die Serie «Was Barry ärgert» einspannen, wo er sich mit ernster Miene übers Abbiegen ohne Blinken und andere Ungeheuerlichkeiten echauffierte und Konsequenzen («Ich fluche und hupe») androhte.

Oder die Youtube-Videos, die Brust als Sportsfreund zeigen, der die Fanghand nicht nur Richtung Pucks, sondern auch mal Richtung Köpfe aufdringlicher Gegner schnellen lässt – mit Schmackes.

TV- Mini-Serie mit Brust Quelle: Youtube

Brust pariert Pucks und Fragen

Nebst Bildern und Videos hätte man zu Saisonbeginn aber auch Brusts Statistiken googeln können. Die sind seit 15 Jahren gut. Überzeugend ist Brust auch im Parieren ulkiger Fragen über Vergangenes: die Hiebe? «Ich mag nicht, wenn Leute mich überfahren. Man muss ihnen das mitteilen.» Die jüngste Provokation eines TV-Mannes, warum Brust in der Schweiz noch nicht ausgerastet sei, und ob das noch folge? «Wenn Sie schon Youtube schauen, dann achten Sie doch auch auf den Gesamtkontext im Video.»

Brust teilt aus, hier bei einem Spiel in der AHL Quelle:Youtube

Brust ist mit 34 wohl zu alt, um sich zu ändern. Er weiss, warum er so spielen kann, wie er spielt, warum er keinem modernen Stil nacheifert: «Ich will kein Roboter sein, ich brauche meinen Kopf. Ich habe ein gutes Hockey-Verständnis. Ich lese den Gegner und reagiere. Und ich versuche, dabei Spass zu haben.» Diesen hatte er zunächst auch in Freiburg. Beim 1:6 in Bern wurde er abgeschossen, bei sechs Siegen in den ersten sieben Partien kassierte er aber nie mehr als zwei Tore.

Er kann auch anders

Erst vor drei Tagen änderte sich Brusts Laune. Nach zweimal 0:3 gegen Zug und Davos sprach nicht mehr der Spassvogel, sondern der kritische Analyst der Vorderleute: «Wir spielen schon eine Weile schlecht, bereits die letzten zwei Siege waren glücklich.» Er akzeptierte keine Relativierung: «Ja, wir hatten gegen Davos drei Stangenschüsse, trotzdem war das kein enges Spiel, wir verdienten das Glück nicht.» Und: «Wir gehen in der Offensive nicht mehr vors Tor, darum gibts keine Schüsse aus dem Slot und folglich keine Tore.» Brust will den Anfängen der Verlierermentalität wehren, die sich Gottéron seit Jahren vorwerfen lassen muss: «Klar, wir können jetzt einfach aufgeben. Aber das ist inakzeptabel.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2017, 12:08 Uhr

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