«Alles hinterfragen»

Den HC Davos beschäftigt die Cup-Niederlage in Rapperswil auch noch eine Woche später. Präsident Gaudenz Domenig sorgt per offenem Brief für Diskussionen.

HCD-Präsident Gaudenz Domenig macht sich Gedanken.

HCD-Präsident Gaudenz Domenig macht sich Gedanken. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den der Rekordmeister in seiner Aufarbeitung der 2:7-Kanterniederlage im Cupfinal beim SC Rapperswil-Jona am 4. Februar geht. In einem offenen Brief an die «HCD-Familie» spricht Präsident Gaudenz Domenig von der ersten «inakzeptablen Niederlagen» in den 14 Jahren seiner Tätigkeit im Verwaltungsrat des HC Davos. Alle im Verein müssten sich, um «aus dieser Krise herauszufinden», kritische Fragen stellen, auch Trainer Arno Del Curto.

«Objektiv betrachtet gibt es zwar mildernde Umstände», sagt Domenig. «Es ist ein Witz, dass der Cupfinal für uns der sechste Pflichtmatch in acht Tagen war. Wenn man dieses Spiel so im Spielplan platziert, dann zeigt das den Stellenwert des Cup-Wettbewerbs, der offenbar nicht so gross sein kann.» Und dennoch weicht der HCD-Präsident nicht zurück: «Ein Club wie der HCD darf dieses Spiel nicht verlieren, schon gar nicht auf diese Art und Weise. Trotz mildernder Umstände.»

Eine seltene Reaktion der Fans

Es war die Reaktion der Davoser Fans in Rapperswil, die diesen Weg der Bündner provozierte. Beim HCD ist man stolz, dass die Mannschaft kaum einmal negative Kundgebungen aus dem Publikum erfährt.

Trainer Del Curto erlebte in Rapperswil-Jona in seinem 22. Amtsjahr gar erstmals, dass die Anhängerschaft die Mannschaft heftig auspfiff. Zwei Tage später veröffentlichte «Ostkurve Davos» einen offenen Brief, in dem die offizielle Fanorganisation des HCD ihren Unmut über den Auftritt der Mannschaft in Rapperswil kundtat. «Ich verstehe die Fans, und es tut mir für sie leid», sagt Del Curto. «Wir versuchten aber wirklich, zu gewinnen. Wir probierten es offensiv und defensiv. Doch es ging einfach nicht.»

Er habe aber bereits vor diesen acht Tagen mit sechs Spielen ein mulmiges Gefühl gehabt, sagt Del Curto: «Es war auch mein Fehler, dass ich die Mannschaft spüren liess, wie sauer ich über diese Situation war. Dass dieses Pensum unverantwortlich sei, dass Verletzungen drohten. Ich redete zu viel darüber, gab damit den Spielern vielleicht ein Alibi.»

Eine Möglichkeit, besser vorbereitet in diesen Cupfinal zu gehen, hätte es geben können, sagt Präsident Domenig: «Aber das ist natürlich ein heikles Thema: Wir hätten zwei der fünf NL-Spiele vorher fahren lassen können, vielleicht nur mit zwei Linien und den Rest mit Junioren aufgefüllt antreten können.»

Für den Trainer indes keine Option: «Das kam für mich in unserer Situation nicht infrage. Ich konzentrierte mich nur darauf, die Playoff-Qualifikation so früh wie möglich zu schaffen. Ich wollte nach Olympia die restlichen Spiele gegen Bern und zweimal Lugano nicht mitten im Strichkampf in Angriff nehmen.»

Dino Wiesers Vorpreschen

Einer, der sich den Ärger der Anhängerschaft besonders zu Herzen nahm, war Davos-Stürmer Dino Wieser, der vielen Fans des Rekordmeisters sehr nahesteht. Der verletzte Bündner ging noch im Stadion während der Unmutsbekundungen in die Fankurve und tat deutlich sein Missfallen darüber kund. «Es ging mir darum, mitzuteilen, dass der Respekt einfach bleiben muss», sagt Wieser, der auch davon erzählt, nach wie vor Nachrichten von verärgerten Fans zu erhalten.

«Ich werde auch mit ihnen noch das Gespräch suchen. Natürlich verstehe ich den Ärger der Fans, ich kenne ihre Sicht, bin selber auch Anhänger von einem Fussballclub und bin sehr wütend, wenn dieser einen Mist zusammenspielt.» Wieser appelliert an das Verständnis der Fans für die Situation seiner Mannschaft: «In solchen Momenten brauchen wir die Fans genauso sehr, wie sie uns brauchen.»

Domenig: «Sich Fragen stellen»

Damit alleine ist es für den Präsidenten aber nicht getan. «Wir müssen zwar nicht überdramatisieren. Wir haben das Playoff erreicht, als einziges Team der Liga haben wir dieses noch nie verpasst», sagt Domenig. Dennoch solle eine Klatsche wie jene im Cupfinal ein Moment sein, zu hinterfragen: «Wir wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und in Momenten des Erfolgs hinterfragst du dich normalerweise seltener.»

Es gehe um Fragen im Gesamtbild: «Machten wir das Sommertraining richtig, müssen wir da was ändern? 70 bis 80 Spiele in einer Saison sind ja mittlerweile Realität, das können wir nicht ändern. Wo stehen wir also mit der Fitness? Oder wo stehen wir mit dem Schusstraining? Wo mit dem Skatingtraining? Wir haben zwar Limiten finanzieller Art, aber holen wir das Optimum heraus? Wir sind nun in einem Prozess, in dem wir vieles hinterfragen.»

Johansson und Buck gehen

Personell gibt es in Davos bereits Rotationen, allerdings ohne Zusammenhang mit dem Cupfinal: Die Bündner verlängern den letzte Woche ausgelaufenen Temporärvertrag mit Aushilfsimport Mikael Johansson nicht. Ebenfalls verlassen wird das Landwassertal Brandon Buck. Für den Kanadier wird ein Abnehmer gesucht, DEL-Team Nürnberg soll gemäss deutschen Onlinemedien Interesse bekunden. Damit dürfte Davos das Playoff mit vier Ausländern (Nygren, Rödin, Little, Kousal) in Angriff nehmen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.02.2018, 12:32 Uhr

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