Botschafter der Jugend

Nationaltrainer Patrick Fischer setzt noch mehr auf Junge – auch am Deutschland-Cup. WM-Silber hilft ihm dabei.

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Es ist Meisterschaftspause im November, also Deutschland-Cup. Seit je gilt das im Schweizer Eishockey, nur letztes Jahr nicht: Da durfte sich das Nationalteam beim aufgestockten Karjala-Cup mit den Besten messen. Zwölf Monate später kehrt es ­zurück in vertraute Gefilde – und doch ist alles anders.

Einerseits wegen des Reiseziels. Nach Hannover, Hamburg, Mannheim, Frankfurt, München und zuletzt Augsburg findet das Turnier nun in Krefeld statt. Am Übergang vom schicken Düsseldorf zum Ruhrgebiet also, wo sie sich nach dem Niedergang von Bergbau und Schwerindustrie noch immer neu erfinden.

«Wir müssen täglich hart arbeiten»: Das sagt auch Patrick ­Fischer gern in diesen Tagen. Erstmals seit dem 20. Mai, dem WM-Final von Kopenhagen, steht der 43-Jährige wieder als Coach an der Bande. Und auch das ist anders als zuvor: Fischer ist nicht mehr der angreifbare Jung­trainer. Sondern der Mann, der Silber holte. «Das macht vieles leichter», ist dem Zuger bewusst.

Fünf Debütanten, drei vom ZSC

Zu den Ideen, die Fischer nun besser vermitteln kann, gehört sein neuestes Aufgebot. Es ist jung – abgesehen von Goalie Flüeler (30) liegen alle Jahrgänge zwischen 1991 und 1998. Es umfasst fünf Debütanten – mit Karrer, Bachofner und Miranda drei vom ZSC. Es ist unerfahren – mehr als Martschinis 37 Länderspiele hat keiner. Es stellt nur fünf Silbergewinner (Senn, Fora, Frick, Rod, Riat). Und es ist vor allem: Teil eines Konzepts. Bis zur unmittelbaren WM-Vorbereitung soll das Nationalteam jungen Spielern die Chance geben, international Erfahrung zu sammeln.

So ist Krefeld die Fortsetzung des sogenannten Prospect Camp, bei dem im Sommer 24 Talente versammelt wurden. Die Hälfte des Kaders war damals dabei, und auch die zwei Spiele im ­Februar gegen den nördlichen Nachbarn sind für Hoffnungsträger. Einzig für das Heimturnier in Luzern nächsten Monat wird das bestmögliche Team aufgeboten.

Keine Berner und Luganesi

Revolutionär ist diese Strategie angesichts zunehmend enger Terminpläne nicht, neu dafür der Ton. Sind wegen der Champions League oder Absprachen keine Berner oder Luganesi im Aufgebot? «Nein», entgegnet Fischer, «in diesen Teams spielen derzeit keine Prospects.» Auch die Einsatzpläne sind klar: Jeder Goalie bestreitet einen Match, die Spieler von ZSC und Zug wegen der Champions-League-Belastung nur zwei, die übrigen alle drei.

Fischer kann sich seine Offenheit leisten, der Kredit nach Kopenhagen ist gross. Und gewinnen will er ja auch mit den Jungen: heute gegen die Slowakei, danach gegen die Gastgeber sowie Russlands B-Team. «Wer anders denkt, ist kein Sportler», sagt Fischer, der Silbergewinner

Deutschland-Cup 2018

Spielplan. Donnerstag, 8. November: Slowakei - Schweiz (15.30 Uhr). Deutschland - Russland (19.00).–Samstag, 10. November: Deutschland - Schweiz (13.30). Russland - Slowakei (17.00).–Sonntag, 11. November: Schweiz - Russland (11.00). Deutschland - Slowakei (14.30).

Schweizer Kader. Goalies: Descloux (22, Servette); Flüeler (30, ZSC), Senn (22, Davos).–Verteidiger: Fora (23, Ambri), Frick (24, Lau­sanne), Glauser (22, SCL Tigers), Heldner (22), Paschoud (24, Davos), Karrer (21), Marti (25, ZSC), Kreis (24, Biel).–Stürmer: Albrecht (24), Martschini (25), Simion (24, Zug), Bachofner (22), Miranda (20, ZSC), Bertschy (24), Herren (27, Lausanne), Fuchs (23), Riat (21, Biel), Mottet (27), Walser (26, Fribourg), Pestoni (27, Davos), Richard (25), Rod (22, Servette). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2018, 11:01 Uhr

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