Die Kanadier haben ausgedient

An den Schweizer Banden geben die Nordländer den Ton an. Wie ist das zu erklären? Und wieso funktionieren die ZSC Lions anders?

Illustration Kornel Stadler

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Was sagt Ihnen der Blick auf die Rangliste zur Nationalmannschafts-Pause? Richtig, drei Berner Teams liegen vorne. Aber das wissen wir ja alle schon. Und sonst? Man muss ein bisschen um die Ecke denken, um einen verblüffenden Fakt zu entdecken: Fünf der ersten sechs Teams werden von Nordländern trainiert: Antti Törmänen (Biel) führt vor Kari Jalonen (SCB), Heinz Ehlers (SCL Tigers), Dan Tangnes (Zug), Mark French (Fribourg) und Ville Peltonen (Lausanne). Nur Gottérons Kanadier namens French tanzt aus der Reihe. Und was bei dieser Aufstellung auch erstaunt: Es sind drei Finnen, ein Däne und ein Norweger, aber kein Schwede. Dafür spielt Tommy Albelin im Nationalteam eine wichtige Rolle.

Aber was ist mit den Kanadiern? Es sieht düster aus für sie, sieht man einmal von French ab. Serge Aubin und Greg Ireland dümpeln mit den Teams der letztjährigen Finalisten auf den Rängen 7 und 8. Rückkehrer Chris McSorley hat seinen Genfern noch nicht beigebracht, wie man in der Fremde gewinnt. Und Jeff Tomlinson kann bei den Aufsteigern aus Rapperswil-Jona die Tore nicht auch noch selber schiessen. Es scheint jedenfalls, als habe der Prototyp des kanadischen Lautsprechers im Schweizer Eishockey langsam ausgedient.

Noch nie waren die Nordländer an Schweizer Banden so dominant. Einst führten sie unser Eishockey in die Profiära. John Slettvoll, Lehrer für schwererziehbare Kinder, formte das «Grande Lugano». Conny Evensson und Alpo Suhonen coachten den EHC Kloten von 1993 bis 96 zu vier Meistertiteln in Serie. Doch so viele erfolgreiche Nordländer wie jetzt gab es bei uns noch nie. Nach Klotens Meisterdynastie mussten sie sich auch lange gedulden, bis Antti Törmänen 2013 mit dem Titel mit dem SCB endlich den Bann brach – nach 17 Jahren. In dieser Zeit hatten nur Kanadier oder Schweizer triumphiert.

Wie ist die aktuelle Welle zu erklären? Die Deutungshoheit, wie man Spieler ausbildet, haben derzeit die Schweden und Finnen. Bei ihnen schiessen Jungstars wie Pilze aus dem Boden. Und das strahlt natürlich in die Schweiz aus, wo man auf der Suche ist nach neuen Ansätzen. Zudem ist das Angebot an nordländischen Trainern reichhaltig. Sie haben erkannt, dass es für sie auch ausserhalb ihrer Heimatländer berufliche Perspektiven gibt und setzen auf eine Trainerkarriere. Oft schon in frühen Jahren. Zugs Dan Tangnes wurde mit zarten 36 Headcoach in der höchsten schwedischen Liga. Es würde nicht erstaunen, würden bald andere seinem Weg in die Schweiz folgen. Beispielsweise Växjös Sam Hallam, der Shootingstar der schwedischen Trainergilde.

Ausgerechnet das Zürcher Experiment mit Hans Wallson und Lars Johansson schlug aber fehl. Dabei kamen die beiden hochdekoriert zu den ZSC Lions, war Wallson zweimal zum Schweden Coach des Jahres ausgezeichnet worden. Doch die Zürcher widersetzen sich dem Trend. Ihre sechs Meistertitel in der Neuzeit gewannen sie alle mit kanadischen Coaches: mit Kent Ruhnke, Larry Huras, Harold Kreis, Bob Hartley, Marc Crawford und zuletzt Hans Kossmann. Vielleicht ticken die Uhren in Zürich anders. Als die Schweden letzte Weihnachten abgelöst wurden, fand Stürmer Fabrice Herzog, er funktioniere besser, wenn er ab und zu einen Tritt in den Allerwertesten bekomme.

In der Rubrik «Crosscheck» äussert sich die Eishockey-Redaktion von Tamedia regelmässig zu Themen der schnellsten Mannschaftssportart der Welt.
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2018, 08:32 Uhr

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