Eine Privatfehde und ein ZSC-Geheimnis um den Puck

Nach dem 5:4-Overtimesieg gegen Lugano sprechen rund um den ZSC alle über Torschützen und Passgeber. Doch auch Verteidiger Phil Baltisberger sorgt für Gesprächsstoff.

Die ZSC Lions bezwingen Lugano 5:4 in der Verlängerung. (Video: SRF/Tamedia)
Video: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

5:4 nach Verlängerung gegen Lugano und die ZSC Lions führen im Best-of-7 des Playoff-Finals 2:0. Und alle reden von Ronalds Kenins, der drei Skorerpunkte sammelte, das Siegestor in der Overtime vorbereitete. Oder von Roman Wick, dessen Kunstschuss das Spiel dann eben entschied.

Doch keiner spricht über Phil Baltisberger – und das ist nicht in Ordnung. Denn der Verteidiger und jüngere Bruder von Stürmer Chris prägte die Partie auf variantenreiche Art und Weise.

Zum Beispiel gleich im allerersten Shift, als die Privatfehde des Abends definiert wird. Mit beidseitigen Provokationen startet das Spiel, doch in den Mittelpunkt rückt eben Phil Baltisberger. Denn Maxim Lapierre, Luganos Unterhalter auf allen Ebenen, steht im Mittelkreis, fährt um Baltisberger herum, schüttelt die Handschuhe. Dieser Code ist im Eishockey klar, bedeutet nur eines: Los, Faustkampf, jetzt und hier!

Doch Baltisberger winkt ab. Es ist das erste, aber bei weitem nicht das letzte Mal, dass die beiden aneinander geraten. Baltisberger lacht, als er darauf angesprochen wird, er erklärt das Ganze, wie das im Playoff üblich ist, mit ganz banalen Gründen: «Lapierre ist rechter Flügel, ich linker Verteidiger. Da prallt man halt aufeinander. Er macht sein Ding, ich will mich aber nicht gross darauf einlassen.»

Lapierres Ding. Wie der Kanadier Luganos ist keiner auf Schweizer Eis. In Hunderten NHL-Spielen lernte er alle Facetten der Provokation, das stete Lächeln auf den Lippen gehört auch dazu. Den Stock des Widersachers abseits des Spielgeschehens kurz unter den Arm einklemmen auch. Das ärgert jeden Gegner, auch Baltisberger lässt sich ein, zwei Mal aus der Fassung bringen.

Doch auch der Zürcher ist schlagfertig. Die Frage, ob Lapierre vielleicht seinen Stock klauen wolle, pariert Baltisberger souverän: «Er könnte mit ihm gar nicht spielen …» Denn: Baltisberger schiesst links, Lapierre aber rechts.

Weil der ZSC am Ende gewinnt, ist Baltisberger nicht nur moralischer Sieger in der Privatfehde. Ganz glücklich ist der Verteidiger dennoch nicht, zurecht bemängelt er die vielen Fehler, die sich aber beidseits ins Spiel schlichen: «Das war nicht unser bestes Hockey.»

Das gilt auch für Baltisberger selbst, denn ein Privatduell geht an Lapierre: Der Kanadier luchst ihm gleich zu Beginn des Mitteldrittels die Scheibe ab – es ist die Vorlage für das 3:2 für Lugano. Und es ist einer von zahlreichen Zürchern Fehlern in der Defensive.

Phil Baltisberger macht den René: «I säge nüt!»

Und dann ist da noch was mit Phil Baltisberger. Sogar nach Spielschluss. Als alle Zürcher überschwänglich auf dem Eis den 5:4-Siegestreffer Roman Wicks feiern, fährt Baltisberger schnurstracks zum Tessiner Tor, nimmt den Puck aus dem Netz und steckt ihn ein.

Ein Geschenk an Wick? «Nein», verneint Baltisberger und lacht verlegen: «Es ist was Kleines, etwas, das wir intern haben. Mehr muss ich nicht dazu sagen.» Geht’s denn stets um den «Game Winning Puck»? Baltisberger macht das Reissverschlusszeichen vor dem Mund, lacht noch einmal – und greift zu einem Zitat aus dem «Spielhaus», einer legendären Kindersendung des Schweizer Fernsehens aus den Siebzigern und Achtzigern mit Franz und René: «I säge nüt!» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2018, 01:06 Uhr

Artikel zum Thema

Wick schiesst den ZSC ins Glück

SonntagsZeitung Die Zürcher gewinnen auch das wilde zweite Finalspiel gegen Lugano, 5:4 in der Overtime. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Blogs

Sweet Home Drama gefällig?

Blog: Never Mind the Markets Die Franken-Schwächung und die Inflation

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Suchen Frodo: Die Einwohner von Alcoy, Spanien, zelebrieren das Mauren und Christen Fest zum Gedenken der Schlachten der beiden im 13. Jahrhundert. (22. April 2018)
(Bild: Heino Kalis) Mehr...