«Ich habe wirklich jede Minute geliebt»

Die Eishockey-Legende Mark Messier spricht mit der BaZ über gute alte Zeiten und unglaubliche Entwicklungen.

2007 bei den Grössten: Messier wird in die Hall of Fame aufgenommen.

2007 bei den Grössten: Messier wird in die Hall of Fame aufgenommen. Bild: Keystone

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Wer als Sportler nicht nur als Athlet, sondern als Legende in die Geschichte eingehen will, muss gehörige Leistungen vollbracht haben. In der Schweiz sind solche Ausnahmekönner rar. Einem, dem nun aber zugetraut wird, eines Tages einer der Besten seines Fachs zu werden, ist Nico Hischier. Der 18-Jährige hat sich aufgemacht, in der National Hockey League (NHL), der besten und schillerndsten Eishockeyliga der Welt, seine Spuren zu hinterlassen. Am letzten Samstag gab der Nummer-1-Draft sein Debüt für die New Jersey Devils. Ein Ereignis, das selbst der Sonntagsausgabe der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens einen Bericht wert war. Ein schönes Kompliment.

Einer, der den Legendenstatus längst innehat, ist Mark Messier. Der heute 56-Jährige ist einer der besten Spieler, den die Welt je gesehen hat, sechsmal gewann er den Stanley Cup und ist mit 1887 Punkten in 1756 Spielen – ohne Playoffs – hinter Wayne Gretzky und Jaromir Jagr der drittbeste Skorer der Geschichte. Die BaZ hat sich mit ihm unterhalten.

BaZ: Mark Messier, was können Sie über Nico Hischier sagen?

Mark Messier: Leider nicht viel. Ich habe Nico bis anhin nur selten spielen gesehen.

Und über das Schweizer Eishockey generell?
Als ich an der Weltmeisterschaft 2010 der General Manager von Kanada war, haben wir gegen die Schweiz gespielt. Ich war angetan, wie schnell sich das Land entwickelt hat. Die Skills, die gute Technik, die Härte und die Passion; das erinnerte mich alles an unsere eigenen Stärken in Kanada. Darum überrascht es mich nicht, dass Hischier aus dieser Schule als Nummer-1-Draft herausgekommen ist.

Wie oft beschäftigen Sie sich derzeit denn mit Eishockey? Mein Fokus liegt aktuell ganz auf der Realisierung meines neuen Projekts: Wir bauen derzeit in der Bronx in New York die grösste Indoor-Eis-Einrichtung der Welt. Das bedeutet: Neun Felder und ein Stadion mit 5000 Plätzen. Wir hoffen dadurch, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit wahrnehmen und sich aufs Eis begeben – aus New York natürlich, aber auch die Touristen aus aller Welt. Es ist ein Projekt, das wegen seiner Vision und auch seiner Architektur auf dem ganzen Planeten wahrgenommen wird.

Ist es für Sie dennoch denkbar, in nächster Zeit wieder als General Manager eines NHL-Teams oder als Nationaltrainer zu amten?
Ich glaube, dass ich in naher Zukunft wieder eine Position in der NHL innehaben werde. Derzeit bin ich noch bei meinem zuvor erwähnten Projekt verpflichtet. Aber ich habe Eishockey in meinem Blut, und wenn die passende Gelegenheit kommen sollte, mit den richtigen Leuten – dann wäre ich sehr glücklich, wenn sich etwas ergäbe.

Haben Sie wegen Ihres Projekts überhaupt genügend Zeit für die NHL?
Noch immer schaue ich mir die Spiele jeden Tag am Fernsehen an. Zirka 20-mal im Jahr gehe ich mit meinen zwei Söhnen ins Stadion, zu den New York Rangers – meinem alten Club. Ich bin ein grosser Fan geblieben.

Wenn wir von den Rangers sprechen: Startorhüter Henrik Lundqvist hat sich sehr optimistisch gezeigt, zum ersten Mal seit 1994 wieder den Stanley Cup nach New York zu holen – für wie realistisch halten Sie das?
Die Rangers befinden sich derzeit in einer Übergangsphase mit vielen Wechseln. Dennoch traue ich ihnen die Playoffs zu – und wie wir wissen, ist ab diesem Zeitpunkt gerade im Eishockey alles möglich.

In New York herrscht aber auch die Meinung vor, dass die Rangers seit Ihrem Abgang 2004 immer noch auf der Suche nach einem Angreifer sind, der auf Ihrem Level spielt, den Unterschied machen kann. Ein schönes Kompliment?
Das nehme ich durchaus als Kompliment (lacht). Ich sage aber auch immer: Die Spieler in der NHL werden von Jahr zu Jahr besser. In der neuen Ära ist die Entwicklung der wichtigste Faktor – in allen Bereichen: im Drafting genauso wie in der Betreuung.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen, wenn Sie an Ihre Zeit in New York zurückdenken?
Ich war bereits 31 Jahre alt, als ich zu den Rangers getradet wurde, schon zwölf Jahre in der Liga dabei, habe mit den Edmonton Oilers fünf Stanley Cups gewonnen – ein Veteran also. Dann kam ich nach New York, hatte keine Vorstellung davon, wie sehr ich es geniessen würde, vor den passioniertesten Fans der Welt zu spielen. Ich habe wirklich jede Minute geliebt. Dass wir zusätzlich 1994 den Stanley Cup gewonnen haben, war natürlich ein Traum, der wahr wurde.

Sie sprechen von der Stimmung, den Fans. Die Rangers sind ein Team, das zu den «Original Six», den Gründerteams der NHL, gehört. Ist dieses Traditionelle etwas, das ein Spieler spürt?
Absolut. Es lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Geschichte, die breit abgestützte Fangemeinde, die Tradition: All das lässt einen Spieler fühlen, dass er noch grössere Verantwortung trägt, will er einst in die Fussstapfen der grossen Männer treten, die zuvor dasselbe Trikot getragen haben.

Wir haben viel von Tradition gesprochen. Nun spielt seit dieser Saison mit den Las Vegas Golden Knights ein neu gegründetes Team in der NHL mit. Ist es ein guter Schachzug, ein 31. Team in die Liga aufzunehmen?
Es ist unglaublich zu sehen, wie sich das Eishockey in Städten entwickelt hat, in denen wir noch vor 30 Jahren geglaubt haben, dass sie nie ein NHL-Team beherbergen würden. Diese Expansion verdanken wir alleine Wayne Gretzky (1988 wechselte er nach Kalifornien zu den Los Angeles Kings; Anm. d. Red.), der sich mit seinem selbstlosen Engagement stets für unseren Sport eingesetzt und für ihn Werbung gemacht hat.

Was dürfen wir von dieser Saison erwarten, was sind die spannendsten Geschichten?
Aus meiner Sicht wird es interessant zu sehen sein, wie sich die neue Generation um Connor McDavid von den Edmonton Oilers und Auston Matthews von den Toronto Maple Leafs, die beide 20 sind, entwickeln wird – ob sie schon bereit sind, ihre Teams zu führen, womöglich gar zu einem Stanley-Cup-Triumph.

In der Vorbereitung fanden einige Spiele in China statt – halten Sie das für nötig?
Ich liebe die Idee, dass Eishockey ein globaler Sport wird. Nicht nur aus Sicht eines ehemaligen Profis, sondern hauptsächlich aus jener der Jungen, die noch wichtiger ist. Wenn ich bedenke, was ich während meiner Aktivzeit alles fürs Leben gelernt habe, muss ich sagen: Das hat mir nach meinem Rücktritt unglaublich geholfen. Nicht zu vergessen sind auch die gesundheitlichen Vorteile, weil ich immer fit war dank jahrelangem Training.

Was hat sich im Vergleich zu Ihrer Zeit am meisten verändert?
Die Sicherheit. Sie geniesst Priorität im heutigen Eishockey – auf allen unterschiedlichen Leistungsstufen. Weiter ist das Spiel dank den technologischen Fortschritten bei der Ausrüstung so schnell geworden, wie wir das nie für möglich gehalten haben.

Es gibt auch neue Regeln, beispielsweise bei den Bullys, wo kleine Verstösse viel strenger geahndet werden und in den Testspielen für eine Strafenflut gesorgt haben. Ist das nützlich?
Sicher ist, dass die Entwicklung mit neuen Regeln, mit denen die Spieler geschützt werden und sich mit Respekt begegnen sollen, voranschreiten wird.

Ist es verständlich für Sie, dass die NHL-Spieler nicht an den Olympischen Spielen in Pyongyang teilnehmen dürfen?
Das ist eine harte Sache für alle. Beide Seiten, die Liga und die Spieler, haben legitime Argumente auf ihrer Seite. Hoffentlich wird es eine Art Agreement für die Zukunft geben, das beide Seiten zufriedenstellt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 10:51 Uhr

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