«Wir haben eine andere Philosophie als der SCB»

ZSC-CEO Peter Zahner glaubt nicht an einen Monolog der mächtigen Berner und sagt, wie viel Spielraum der neue Zürcher Sportchef hat.

«Wir waren weit vom Final entfernt»: ZSC-CEO Peter Zahner.

«Wir waren weit vom Final entfernt»: ZSC-CEO Peter Zahner. Bild: Keystone

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Der SCB hat als erstes Team seit 16 Jahren den Titel verteidigt. Sind Sie beeindruckt?
Wenn man Erster ist in der Qualifikation und Meister wird, hat man alles richtig gemacht. Wir schafften 2014 das Gleiche. Da kann man dem SCB nur gratulieren.

Hätten die ZSC Lions die Berner im Final fordern können?
Ich mag hypothetische Fragen nicht. Wir waren weit vom Final entfernt.

Beim SCB war das grosse Kader kein Problem, beim ZSC schon. Wieso?
Ich weiss nicht, ob es bei uns ein Problem war. Das wurde auch von aussen hereingetragen. Beim SCB las ich nie von solcher Kritik. Wenn man Meister werden will, braucht man ein breites Kader. Der Unterschied ist oft der dritte und vierte Block. Die Berner hatten diesmal keine Verletzten, ihre Schlüsselspieler waren alle fit. Das war bei uns 2012 und 2014 auch der Fall gewesen. Auch 2008. Diesmal nicht. Der Ausfall Nilssons schmerzte uns. Keine Mannschaft steckt den Ausfall des Topskorers einfach weg. Ohne ihn fehlte die nötige Prise Genialität.

Droht in den nächsten Jahren ein SCB-Monolog?
Nein, das glaube ich nicht. Dafür ist unsere Liga zu ausgeglichen. Wenn man sieht, wo der SCB vor einem Jahr war, es erst mit viel Glück ins Playoff schaffte.

Aber mit dem Gastro-Imperium und über 16’000 Zuschauern spielt der SCB in einer anderen Liga.
Ja klar. Aber das soll uns nicht daran hindern, unseren Weg zu gehen. Der SCB wurde letztes Jahr Meister bei den Elitejunioren und baute diese Saison keinen einzigen Jungen ein. Wir haben eine andere Philosophie. Wir wurden diese Saison Elite-Meister und wollen jedes Jahr ein, zwei, drei ­Junioren nachziehen.

Was sind die Erkenntnisse aus der Saison-Analyse?
Die Analyse steht in den Grundzügen, muss aber intern noch diskutiert und dann dem Verwaltungsrat vorgelegt werden. Das Sommertraining hat schon begonnen und wird davon nicht tangiert.

Fehlen dem ZSC nicht Typen wie die Berner Scherwey oder Rüfenacht?
Wir haben auch Spieler, die hart spielen und eine gewisse Bösartigkeit reinbringen können. Wie Schäppi, Chris Baltisberger, Herzog oder Kenins. Aber wir haben im Playoff die Linie nicht gefunden, handelten uns viel zu viele Strafen ein. Wir sind sicher nicht sehr schlau umgegangen mit der neuen Regelauslegung.

Was hat den Rücktritt von Sportchef Edgar Salis ausgelöst?
Es war sein eigener Wunsch. Wir würden das nie so kommunizieren, wenn dem nicht so gewesen wäre.

Welche Rolle spielte dabei, dass die Vertragsverlängerung von Captain Mathias Seger über seinen Kopf hinweg entschieden wurde?
Seger hat einen Vertrag für nächste Saison. Wie das zustande gekommen ist, ist völlig irrelevant.

Der ZSC ist seit gut zwei Wochen ohne Sportchef. Ist das nicht ungünstig für die Kaderplanung?
Offen sind ja nur noch drei Ausländerpositionen. Und da braucht es keinen Schnellschuss. Zuerst müssen wir die Anforderungsprofile definieren.

Klotens Pascal Müller gilt als Kronfavorit auf den Job des neuen ZSC-Sportchefs. Was zeichnet ihn aus?
Wir haben eine lange Kandidatenliste und schon mehrere Gespräche geführt. Pascal Müller und Sven Leuenberger sind zwei Namen, die in der Öffentlichkeit schon genannt wurden. Ja, mit ­beiden haben wir uns schon aus­getauscht. Aber ich würde sicher keinen Kronfavoriten ernennen. Sonst würde ich ja meinen Handlungsspielraum einschränken.

Kloten dürfte seinen Sportchef kaum ziehen lassen, oder?
Wir waren sehr offen gegenüber Kloten und Bern, informierten die Clubs, dass wir mit Müller und Leuenberger reden. Aber wie gesagt: Es gibt auch noch andere Kandidaten.

Würden Sie für Müller eine Ablösesumme bezahlen?
Diese Frage stellt sich nicht. Das ist für uns kein Thema.

Oder wäre eine engere Zusammenarbeit mit Kloten denkbar, wie sie Hans-Ulrich Lehmann vorschwebt?
Das können wir zu gegebener Zeit diskutieren. Ausloten, wo es Möglichkeiten zur Zusammenarbeit gibt. Aber es haben noch keine Gespräche stattgefunden.

Salis ist nun Scout. Ist das ein 100-Prozent-Job?
Ja. Das braucht eine grosse Hockey-Organisation. Da hinkten wir hinterher. Wenn die U-14 oder die U-15 spielt, müssen wir präsent sein. Wir müssen an der U-18-, an der U-20-WM sein, Kontakt zu allen unseren Spielern im Ausland halten wie Andrighetto, Fiala, Malgin oder Kukan. Und zu anderen Schweizern. So, dass wir den Überblick haben. Das fehlte bisher.

Was, wenn der Scout und der Sportchef uneins sind?
Der Sportchef definiert, was wir wollen, dann macht sich der Scout auf die ­Suche. Zum Beispiel bei den Ausländern. Was wollen wir? Einen spielstarken Mittelstürmer? Einen kräftigen Flügel? Wie soll er in der Garderobe sein? Thoresen etwa war ein absoluter Leader in der ­Kabine. Rundblad weniger. Auch ­solche Dinge sind entscheidend. Der Scout sichtet die Spieler, der Sportchef entscheidet, wen wir holen.

Könnte der neue Sportchef auch die schwedischen Coaches ersetzen?
Die Trainer bleiben. Das ist entschieden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2017, 18:52 Uhr

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